Throwback – zurück im Leben

Am 11. September ist genau 1 Jahr vergangen, dass Frau Dr. Ständig-Lächelnd vor mir saß und mir eröffnete, dass ich keine Bestrahlung benötige, da keine Restaktivität von Lilli mehr festzustellen sei.

Und hier bin ich, zurück und mitten in meinem Leben: vor 1 Monat zur kaufmännischen Leiterin befördert und seit 6 Tagen verlobt, in Reykjavik, nach unserer 10-tägigen Reise rund um Island auf den Rückflug wartend, glücklich und gesund.
Wer hätte gedacht, dass mein Leben nachdem es so schnell aus der Bahn gerissen wurde ebenso so schnell wieder auf die Überholspur zurückfindet? Ich vermutlich als Allerletztes.

Aber noch einmal zu den Details: meine 1-Jahres-Untersuchung habe ich, nachdem man mich erneut vergessen hat, nun von diesem Mittwoch – Freitag, am darauf folgenden Montag dann die Auswertung. Dieses Mal mit CT statt der bisherigen Röntgenuntersuchung. Noch immer habe ich den Port, den ich mir nach der abschließenden Untersuchung -vorbehaltlich einer anhaltenden Remission versteht sich- entfernen lassen werde. Insgesamt kann ich deutlich feststellen, dass sich mein Körper erholt hat. Haare wachsen schneller als gedacht; die unter den Achseln nur noch vereinzelt, aber das ist mir nur recht. Mein Lungenvolumen scheint auch wieder völlig normal zu sein, zumindest habe ich das Gefühl, wieder eine normale Ausdauer zu haben. Den Aufstieg auf den Harz hat meine Lunge zumindest geschafft. Ich habe leicht zugenommen, da sprechen wir von 2kg, habe allerdings auch das Gefühl, dass ich noch ein wenig aufgeschwemmt bin. Morgens, wenn ich aufstehe, tun meine Fußknöchel immer sehr weh, manchmal leider ich unter Fußkrämpfen. Schatzi lacht, weil er meint, dass die Chemo sicher nichts damit zu tun hat; aber sicher hat er Angst, dass er sonst die Schuld tragen müsste, die Knochenaufbauspritze nicht ordentlich gedrückt zu haben.
Und dann ist da noch die Ungewissheit, ob ich in ein paar Jahren eigene Kinder bekommen kann. Da ich noch immer keine Menstruation bekommen habe, beschleicht mich hin und wieder die Angst. Ein Besuch bei meiner Frauenärztin hat mich zunächst beruhigt. Da ich mit der Minipille Hormone zu mir nehme, ist ein Fruchtbarkeitstest bei mir nicht möglich, da man die Dosierung messen würde, die ich seit Jahren jeden Abend zu mir nehme. Von einem Absetzen der Pille riet sie mir ab, da dies zu vermeidender Stress für meine Körper wäre, solange mein Kinderwunsch noch nicht akut ist. Aber auch das ist nun fast 5 Monate her und wir vereinbarten, dass wir uns bei weiterem Ausbleiben der Menstruation nach 6 Monaten noch einmal treffen. Zeit also, einen Termin zu machen!

Auch wenn für mich schon wieder vieles auf Normalität hindeutet, hatte ich noch vor ein paar Monaten das Gefühl, ich müsste etwas ändern. Was genau wusste ich nicht, aber ich hatte Angst, dass ich nicht das tue, was mich glücklich macht und die kostbare Zeit in meinem Leben für unnütze Dinge verschwende. Inzwischen habe ich mich wieder gefunden und stifte Sinn mit dem Schreiben des Tage-mit-Lilli-Buches. Dass sich zusätzlich auch meine berufliche Tätigkeit noch einmal verändert hat und meine Aufgabe nun das Entwickeln und Leiten von (m)einem Team ist, fühlt sich für mich zusätzlich erfüllender an.

Ich hoffe, dass auch ihr den Weg zurückfindet, in das Leben, das so viel Freude bereit hält!

Liebe Grüße,
Eure Caty

Sonographie die 2. – Wo ist Dr. Hot?

2. Kontrolltermin. Den Gedanken, die Tigerunterwäsche als Glücksbringer zu tragen, verwerfe ich schnell, als mir in den Sinn kommt, dass Dr. Hot sich im Zweifel sogar daran erinnert, dass ich diese auch schon bei der letzten Untersuchung getragen habe.

Ich komme pünktlich, diese Mal mit leerem Magen. Alles läuft nach Plan. 5 Minuten warte ich auf´s Röntgen und werde danach direkt von einer Schwester abgefangen, die mich zur Sonographie bringt. Ich könnte mich schon mal oben frei machen und hinlegen, der Doc würde gleich kommen. Gesagt, getan. Als ich darüber nachdenke, dass es schon etwas komisch aussieht, aus dem Liegen hochzukommen, um Dr. Hot die Hand zu schütteln und von der entstandenen Bauchfalte abzulenken, öffnet sich die Tür: 50 graue Jahre lächeln mir hinter einem Vollbart entgegen, gefolgt von einer Ärztin in Spe, die damit beschäftigt ist, kompetent zu gucken. Falsche Tür Jungs, ich warte auf Dr. Hot.
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Back to myself – Der Blick nach Vorne

Nachdem ich mich einige Wochen zurückgezogen habe, um für eine gewisse Zeit einfach mal nicht über Lilli zu sprechen, zu schreiben, an sie zu denken, überhaupt in irgendeiner Weise mit ihr konfrontiert zu werden, bin ich nun, nach dieser Pause, bereit, mich wieder mit der Vergangenheit und Lilli auseinander zu setzen.

Im Dezember noch drohten mich die Ängste häufig einzuholen. Was ich brauchte war Abstand und wenn man einfach 65 h die Woche arbeitet, gelingt einem das ganz gut. Meine Vorsätze, mehr auf mich und meinen Körper zu achten, musste ich daher erst einmal über Bord werfen. Aber nur so gelang es mir, Abends nicht daran zu denken, was wäre, wenn ich ein Rezidiv hätte, sondern vielmehr daran, was ich morgen noch erledigen muss. Ohne Chemohirn klappt das inzwischen auch wieder richtig gut.

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Weihnachtszeit. Zeit für Besinnlichkeit. Zeit für Flashbacks.

Letztes Jahr Weihnachtsmarkt mit den Girls, Raclettebrot und Glühwein. Dieses Jahr Weihnachtsmarkt mit den Girls, Raclettebrot und Glühwein. Gleicher Stand. Letztes Jahr mit Codeintropfen, Alkoholschmerz und starkem Husten. Dieses Jahr ohne.

Letztes Jahr Plätzchen backen bei mir mit den Pinots. Dieses Jahr Plätzchen backen bei mir mit den Pinots. Letztes Jahr Glühwein mit Schmerzmittel. Dieses Jahr neue Rezepte, Glühwein, ohne Schmerzen.

Letztes Jahr Weihnachtsfeier Restaurant & Club. Dieses Jahr anderes Restaurant, gleicher Club. Letztes Jahr mit Ibuprofen und Champagner, dieses Jahr ohne Ibuprofen, mit Champagner.

Letztes Jahr Husten, Schmerzmittel, Codeintropfen, egal in welcher Situation. Dieses Jahr Husten, Cetebe zum Aufbau meines Immunsystems und heißer Granatapfel. Letztes Jahr Morbus Hodgkin. Dieses Jahr grippaler Infekt.

Letztes Jahr Weihnachten. Unterm Baum materielle Geschenke. Dieses Jahr, materielle Geschenke unterm Baum, das größte Geschenk in mir: Gesundheit.

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Kontrolluntersuchung mit Dr. Hot

Nach meinem letzten Eintrag habe ich mich erfolgreich mit Arbeit abgelenkt. Wenn man nämlich nur 4 h am Tag beschäftigt ist, hat man einfach zu viel Zeit, darüber nachzudenken, was bei der ersten Kontrolluntersuchung alles passieren könnte. Also arbeite ich und wenn ich weggeschickt werde, arbeite ich einfach zu Hause weiter. Wir arbeiten online- und cloudbasiert, also gar kein Problem. Auf der einen Seite wird eine Wiedereingliederung natürlich nicht ohne Grund empfohlen, auf der anderen Seite brauche ich die Ablenkung mehr denn je. Und bügeln reicht da halt nicht aus.

Heute war´s dann also so weit. Nachdem ich bei meinem Hausarzt die Wiedereingliederung aufheben lassen habe – wenn ich schon so viel arbeite, dann will ich´s wenigstens auch bezahlt bekommen – habe ich mich also auf den Weg ins Krankenhaus gemacht.

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(Weiter)Leben.

Neustart Frankfurt. Husten. Alles gut. Lungenentzündung. Bekämpft. Lungenentzündung, die zweite. Alles wird wieder gut. Krebs, Lilli. Kurz vor knapp. Kampf. Chemo. Bestrahlung? Weiter kämpfen? PET-Scan. Angst! Gesund. Rauschen. Angst…

Der Titel meines Filmes würde vermutlich „Von einem Extrem ins andere“ heißen. Oder „Ein Jahr Achterbahn“. Ich habe die Hauptrolle gespielt, aber den Film kann ich mir erst jetzt angucken. Während des Drehs hatte ich keine Zeit. Da war ich Caty, die Kämpferin. Die, die ihr kennt. Die humorvoll mit dem Thema Krebs umgegangen ist; stark war.

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Chemohirn – Ey Mann, wo is´ mein Auto?

„Wo steht ´n dein Auto?“ – Nachdenken, noch mehr Nachdenken, Schrecksekunde, und trotzdem habe ich absolut keine Ahnung, wo ich es erst gestern abgestellt habe. Suchen ist also angesagt, denn es gibt mehrere Seitenstraßen. Ok, komisch, passiert ?! – noch wundere ich mich, denn eigentlich vergesse ich das nie.

Auto abgeschlossen? Was wollte ich nochmal im Rewe kaufen? Wo steht das Auto diesmal? Was wollte ich sagen? Was wollte ich hier im Schlafzimmer noch gleich holen? Eigentlich habe ich diese Momente 3 Mal im Jahr, wenn ich echt überarbeitet bin und Urlaub brauche und nicht 2 Mal am Tag, obwohl ich nahezu tiefenentspannt bin.

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Arbeit ruft! berufliche Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell

Arbeiten, ja bitte. Stress, nein danke! Die Lösung: berufliche Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell! Endlich soll es losgehen, ich will! Zurück in mein altes Leben, in dem ich nützlich sein kann. Eine Aufgabe habe. Nur kann ich das, nachdem ich so lange von der Bildfläche verschwunden war, vielleicht nicht von 0 auf 100.

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Minutenabklatsch mit Horst. Wenn der Krebs erstmal weg ist.

Mein erster Gedanke nach dem „Genesungssatz“ von Frau Dr. Ständig-Lächelnd war: „Und nun?“ 
Wie es weitergehen und ich von heute auf morgen normal leben soll(te), war – ist mir noch immer – ein Rätsel. „Na super, dann ist ja alles wieder gut“ – könnte man denken. Es fühlt sich aber nicht so an. Der Pause-Knopf, den Lilli gedrückt hat, hält noch immer an.

Es fühlt sich an, als würde ich den ganzen Tag nichts machen. Nichts im Sinne von Einkaufen gehen, durch die Stadt bummeln, Rezepte nachkochen, ein Bild im Flur aufhängen, einen Zahnarzttermin wahrnehmen, Lucky Grey und die Pinots besuchen, mit Schatzi ins Outlet fahren und in die Sauna gehen. Das ist zwar mehr als nichts, bitte nicht falsch verstehen, aber effektiv fühlt es sich trotzdem nicht an. Ich fühle mich noch immer von Lilli gebremst. Unnütz. Dabei will ich nichts mehr, als endlich wieder Gas zu geben. Ich will etwas leisten – versteht man das?

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Perücke – Echthaar vs. Kunsthaar

Wer meinen Blog verfolgt hat, weiß, dass mit Abstand das Schlimmste für mich der Haarverlust war. Der Moment, in dem mir die Luft wegblieb und ich drohte umzukippen, ist mir noch immer sehr bewusst. Tage vergingen, bis ich mich traute überhaupt in den Spiegel zu blicken. Und heute frage ich nach 10 Minuten in die Runde, ob ich endlich meine Perücke abnehmen kann. Will ja nicht, dass sich jemand unwohl fühlt, wenn er auf meinen Astralkopf gucken muss. Nach wie vor ist es für mich aber undenkbar, die Wohnung ohne Perücke zu verlassen – no way!

Inzwischen ist das durch meine 3 unterschiedlichen Perücken zwar total verwirrend für die Handwerker vor der Haustür, (Riesenbaustelle für U-Bahn-Tunnel; nein, ich hör´ keinen Baulärm, wohn´ hinten raus) aber schön abwechslungsreich für mich.

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