Weihnachtszeit. Zeit für Besinnlichkeit. Zeit für Flashbacks.

Letztes Jahr Weihnachtsmarkt mit den Girls, Raclettebrot und Glühwein. Dieses Jahr Weihnachtsmarkt mit den Girls, Raclettebrot und Glühwein. Gleicher Stand. Letztes Jahr mit Codeintropfen, Alkoholschmerz und starkem Husten. Dieses Jahr ohne.

Letztes Jahr Plätzchen backen bei mir mit den Pinots. Dieses Jahr Plätzchen backen bei mir mit den Pinots. Letztes Jahr Glühwein mit Schmerzmittel. Dieses Jahr neue Rezepte, Glühwein, ohne Schmerzen.

Letztes Jahr Weihnachtsfeier Restaurant & Club. Dieses Jahr anderes Restaurant, gleicher Club. Letztes Jahr mit Ibuprofen und Champagner, dieses Jahr ohne Ibuprofen, mit Champagner.

Letztes Jahr Husten, Schmerzmittel, Codeintropfen, egal in welcher Situation. Dieses Jahr Husten, Cetebe zum Aufbau meines Immunsystems und heißer Granatapfel. Letztes Jahr Morbus Hodgkin. Dieses Jahr grippaler Infekt.

Letztes Jahr Weihnachten. Unterm Baum materielle Geschenke. Dieses Jahr, materielle Geschenke unterm Baum, das größte Geschenk in mir: Gesundheit.

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Kontrolluntersuchung mit Dr. Hot

Nach meinem letzten Eintrag habe ich mich erfolgreich mit Arbeit abgelenkt. Wenn man nämlich nur 4 h am Tag beschäftigt ist, hat man einfach zu viel Zeit, darüber nachzudenken, was bei der ersten Kontrolluntersuchung alles passieren könnte. Also arbeite ich und wenn ich weggeschickt werde, arbeite ich einfach zu Hause weiter. Wir arbeiten online- und cloudbasiert, also gar kein Problem. Auf der einen Seite wird eine Wiedereingliederung natürlich nicht ohne Grund empfohlen, auf der anderen Seite brauche ich die Ablenkung mehr denn je. Und bügeln reicht da halt nicht aus.

Heute war´s dann also so weit. Nachdem ich bei meinem Hausarzt die Wiedereingliederung aufheben lassen habe – wenn ich schon so viel arbeite, dann will ich´s wenigstens auch bezahlt bekommen – habe ich mich also auf den Weg ins Krankenhaus gemacht.

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(Weiter)Leben.

Neustart Frankfurt. Husten. Alles gut. Lungenentzündung. Bekämpft. Lungenentzündung, die zweite. Alles wird wieder gut. Krebs, Lilli. Kurz vor knapp. Kampf. Chemo. Bestrahlung? Weiter kämpfen? PET-Scan. Angst! Gesund. Rauschen. Angst…

Der Titel meines Filmes würde vermutlich „Von einem Extrem ins andere“ heißen. Oder „Ein Jahr Achterbahn“. Ich habe die Hauptrolle gespielt, aber den Film kann ich mir erst jetzt angucken. Während des Drehs hatte ich keine Zeit. Da war ich Caty, die Kämpferin. Die, die ihr kennt. Die humorvoll mit dem Thema Krebs umgegangen ist; stark war.

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Chemohirn – Ey Mann, wo is´ mein Auto?

„Wo steht ´n dein Auto?“ – Nachdenken, noch mehr Nachdenken, Schrecksekunde, und trotzdem habe ich absolut keine Ahnung, wo ich es erst gestern abgestellt habe. Suchen ist also angesagt, denn es gibt mehrere Seitenstraßen. Ok, komisch, passiert ?! – noch wundere ich mich, denn eigentlich vergesse ich das nie.

Auto abgeschlossen? Was wollte ich nochmal im Rewe kaufen? Wo steht das Auto diesmal? Was wollte ich sagen? Was wollte ich hier im Schlafzimmer noch gleich holen? Eigentlich habe ich diese Momente 3 Mal im Jahr, wenn ich echt überarbeitet bin und Urlaub brauche und nicht 2 Mal am Tag, obwohl ich nahezu tiefenentspannt bin.

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Arbeit ruft! berufliche Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell

Arbeiten, ja bitte. Stress, nein danke! Die Lösung: berufliche Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell! Endlich soll es losgehen, ich will! Zurück in mein altes Leben, in dem ich nützlich sein kann. Eine Aufgabe habe. Nur kann ich das, nachdem ich so lange von der Bildfläche verschwunden war, vielleicht nicht von 0 auf 100.

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Minutenabklatsch mit Horst. Wenn der Krebs erstmal weg ist.

Mein erster Gedanke nach dem „Genesungssatz“ von Frau Dr. Ständig-Lächelnd war: „Und nun?“ 
Wie es weitergehen und ich von heute auf morgen normal leben soll(te), war – ist mir noch immer – ein Rätsel. „Na super, dann ist ja alles wieder gut“ – könnte man denken. Es fühlt sich aber nicht so an. Der Pause-Knopf, den Lilli gedrückt hat, hält noch immer an.

Es fühlt sich an, als würde ich den ganzen Tag nichts machen. Nichts im Sinne von Einkaufen gehen, durch die Stadt bummeln, Rezepte nachkochen, ein Bild im Flur aufhängen, einen Zahnarzttermin wahrnehmen, Lucky Grey und die Pinots besuchen, mit Schatzi ins Outlet fahren und in die Sauna gehen. Das ist zwar mehr als nichts, bitte nicht falsch verstehen, aber effektiv fühlt es sich trotzdem nicht an. Ich fühle mich noch immer von Lilli gebremst. Unnütz. Dabei will ich nichts mehr, als endlich wieder Gas zu geben. Ich will etwas leisten – versteht man das?

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Perücke – Echthaar vs. Kunsthaar

Wer meinen Blog verfolgt hat, weiß, dass mit Abstand das Schlimmste für mich der Haarverlust war. Der Moment, in dem mir die Luft wegblieb und ich drohte umzukippen, ist mir noch immer sehr bewusst. Tage vergingen, bis ich mich traute überhaupt in den Spiegel zu blicken. Und heute frage ich nach 10 Minuten in die Runde, ob ich endlich meine Perücke abnehmen kann. Will ja nicht, dass sich jemand unwohl fühlt, wenn er auf meinen Astralkopf gucken muss. Nach wie vor ist es für mich aber undenkbar, die Wohnung ohne Perücke zu verlassen – no way!

Inzwischen ist das durch meine 3 unterschiedlichen Perücken zwar total verwirrend für die Handwerker vor der Haustür, (Riesenbaustelle für U-Bahn-Tunnel; nein, ich hör´ keinen Baulärm, wohn´ hinten raus) aber schön abwechslungsreich für mich.

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Welcome back – Übelkeit nach Lillimassaker

Nicht nur ich bin also heil wieder aus dem Urlaub zurück, sondern auch meine Augenbrauen und Wimpern lächeln mich inzwischen wieder im Spiegel an. Nach nun 45 Tagen seit der letzten Chemotherapie zwar noch zaghaft, aber immerhin sind die Wimpern schon wieder unzähl- und tuschbar. Vermutlich M2 Lashes# sei Dank. (RevitaLash# ist übrigens günstiger und funktioniert ebenso gut) An meine langen Wimpern vor der Therapie können sie zwar noch nicht anknüpfen, aber hat ja grad erst angefangen. Meine Haare hingegen sind weiterhin einsame Gefährten, die sich bisher nur einzeln und eher flaumartig auf dem Kopf und auf den Beinen verirren.

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Urlaub nach der Chemotherapie – der Mann mit dem grauen Bart

16 Kilo mehr zeigt die Waage mit Koffer in der Hand an. Perfekt, also kann ich 5 Kilo shoppen. Noch immer bin ich im Funktionsmodus, denke nicht darüber nach, dass ich inzwischen gesund bin. Urlaub nach der Chemotherapie ist gebucht, also muss ich Koffer packen und dahin fliegen. Wie ein Termin Chemotherapie, da muss(te) man auch hin. Natürlich freue ich mich, realisiere aber nicht, dass ich mich nun erholen soll, oder nun endlich kann. Und zwar nicht nur ein paar Tage, bis der nächste Zyklus kommt.

Super-Dad sagt dem Typen, der das Auto am Flughafen entgegen nimmt: „Also dann, bis nächsten Sonntag.“ 20 Minuten später denke ich noch immer darüber nach und frage: „Warum hast du eigentlich vorhin zu dem Typen gesagt „bis Sonntag?““ Schnell stellt sich heraus, dass ich in meinem Funktionsmodus sogar überlesen habe, dass Super-Dad sogar 9 statt 7 Tage Urlaub gebucht hat.
Nicht, dass man sich als Frau darüber Gedanken machen müsste – man hat ja eh für 5 Jahreszeiten und 4 Wochen gepackt.

Angekommen, 27 Grad, frittierter Tintenfisch mit Aioli, später Erdbeerdaiquiri (spür‘ ich da grad Alkoholschmerz?), noch verliere ich beim Billard, aber ich habe auch lange nicht mehr gespielt – ja, ich erinnere mich, so fühlt sich gesund sein doch an, oder?

Auch wenn Horst mit mir an der Sangria nippt und Wellenhüpfen mit mir spielt -die sind wirklich arg hoch, so hoch, dass die gelbe Flagge gehisst ist. Trotzdem beginnt es, real zu werden, gesund zu sein; mit jedem Tag, den ich mich in der Sonne -natürlich eingecremt- erhole.

Der Tagesausflug nach Barcelona, in die Kirche La Sagrada Familia ist bedeutsam für mich. Natürlich haben viele während meiner Krankheit die Daumen für mich gedrückt, an mich gedacht, aber jemand hat für mich in dieser Kirche gebetet -vor Gott- und ich habe mich nun ordentlich vor ihm bedanken können. Gläubig bin ich nicht, aber seltsam plötzlich war meine Genesung schon. Vielleicht schicksalhaft und von dem Mann mit grauem Bart und weißer Kluft angeordnet?!

Bevor ich mich bedankt habe, habe ich ihm natürlich aber erstmal gesagt, wie wütend ich auf ihn bin. Ich habe den Grund für seine Prüfung nicht verstanden und fand es sehr gemein von ihm, mich zu wählen, aber ich habe sie gemeistert, die Aufgabe -in meinen Augen ohne ihn- aber nun ist er es mir in jedem Fall schuldig, mich und meine Beziehung, meine zu gründende Familie und meine bereits vorhandene Familie zu beschützen.

Wenn es ihn also gibt, dann weiß er, wie er es wieder gutmachen kann. Wenn nicht, habe ich zumindest die schönste Kirche der Europas gesehen und danach das Mango Shopping Paradies erkundet. Und so konnte ich doch einige Schnäppchen, einen gefüllten Tapasbauch, brennende Füße und Rückenschmerzen mit ins Hotelzimmer nehmen.

An das, was mich in Deutschland erwartet – Kälte, Arbeit, das „normale Leben“ – mag ich noch nicht denken. Nur an Schatzi, der mich vermisst, wie ich ihn. Und an Maronis Blick, wenn ich ihr sage, dass ich ihr, wie gewünscht, Muscheln mitgebracht habe, aber keine vom Strand, sondern welche, die ich gegessen habe. Hihi.

Lilli become famous – die Rheinische Post über mich

Routinemäßiger Emailcheck – „Artikel über Morbus Hodgkin“. „Über meine Seite gestolpert“. Ob sie „Teile aus meinem Blog verwenden“ darf? Ob ich mit ihr telefonieren würde?
Was’n hier los? Na logoooo!

Gesagt, getan. Aus „Teile verwenden“ und unserem 45 minütigem Interview wird ein 5-Seiten-Artikel in der Onlineversion der Rheinischen Post – über mich und meine Geschichte, über Lilli. Der Aufmacher der Gesundheitsrubrik. Schaut mal: http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/medizin/krebs/hodgkin-lymphom-krebs-mit-den-symptomen-einer-grippe-aid-1.5396421

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