Wenn deine Freundin Krebs hat

Heilige Scheisse, was redet sie da? Krebs? Ist doch Quatsch! Sie ist 23! Sie hat sicher nicht zugehört. Ich weiß, sie kann dramatisch sein, aber das wär‘ dann auch für sie übertrieben. „Das hast du sicher falsch verstanden!“ Ok, das hätt‘ ich nicht sagen sollen. Ich dachte sie war heute beim Lungenarzt. Ich versteh das nicht. Hm, also „wir schaffen das mein Schatz, egal was passiert, wir schaffen alles!“ – so sagt man das doch, oder? Man ist auf diese Situation nunmal nicht vorbereitet. Ich dachte auch, dass man bei sowas gemeinsam beim Arzt sitzen würde und vor einem jemand sitzt, der einem mit mitleidigem Blick das Ausmaß und weiteres Vorgehen der Krankheit erklärt. So wie in Filmen halt. Und nicht, dass meine Freundin mich heulend mit dem Auto abholt, an der Seite ranfährt und mir erzählt, sie hätte Krebs. Ich habe keine Ahnung, was jetzt hilft, aber sie mag Pizza. Vielleicht hilft das ja.

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Kortison-Fettmops und der Sieg über die Übelkeit

Ich bin fett! Und krebsrot! Schatzi sagt, er würde nichts sehen. Aber vermutlich nur, weil der Cortisonstempel auf meiner Stirn durch die dicken Hamsterbacken untergeht. Wie soll man sonst nicht wahrnehmen, dass ich aussehe wie ein Michelinmännchen??
Da hab´ ich mich grad sowas wie „angefreundet“ mit meinem kahlen Kopf, nachdem Schnecki ihn gestreichelt hat und gesagt hat, ich wäre trotzdem hübsch und nachdem Fetti sagte: „Hätte ich mir schlimmer vorgestellt“ – frei übersetzt also sowas wie: „Krass, du siehst mega aus!“ – und nun war’s das schon wieder mit den weiblichen Gesichtszügen.

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Ich bin dann mal „out of order“ – Abschied in den 2. Chemotherapie-Zyklus

Erster Zyklus Chemotherapie geschafft! Augenscheinlich lief es ja ganz gut, lief’s tatsächlich. Ich hatte eine tolle letzte Woche, vielen Dank an alle Beteiligten! Hin und wieder war ich mal müde, mal bisschen Kopfweh, Hitzewallungen, Übelkeit. Aber halt eben nur „hin und wieder“. Meine Schleimhäute sind weiterhin sehr trocken, aber schmecken konnte ich die letze Woche gut und das habe ich wahrhaftig ausgenutzt! Calamares bei Vitamin-Mum, Lammfilet und Aperol-Spritz bei Super-Dad, Sushi mit Schatzi, scharfe Scampipizza mit Oma und Opa. Ich sollte die nächsten 2 Wochen ohne Geschmack also verkraften und hoffe, dass er in der 3. Woche wieder da ist.

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Dinge, über die man nicht sprechen möchte – Schmetterlingsfissur

Ich habe mich dazu entschlossen, einen Blog über Morbus Hodgkin zu schreiben und darüber aufzuklären, wie die Krankheit abläuft, was für Symptome oder Nebenwirkungen sie mit sich bringt. Also mach´ ich das. Mit all den Konsequenzen, die das so nach sich zieht. Hemmschwellen darf’s also nicht geben. Und glaubt mir, die Schwelle über Nachfolgendes zu sprechen, ist ungefähr genauso hoch, wie der Mount Everest. Ich war noch nie da, aber ich glaube er ist SEHR hoch. Ausreichend hoch zumindest, um zu zeigen wie groß meine Hemmschwelle ist. Es gibt Dinge, mit denen möchte man sich mit Mitte 20 dann wirklich einfach nicht beschäftigen. Und normalerweise ist das vermutlich auch nichts, was man mit seinen Freunden, der ganzen Familie und schon gar nicht Fremden besprechen würde. Aber das „normalerweise“ hat sich ja schon erledigt, als ich angefangen habe, über meinen Lyhmpdrüsenkrebs Lilli zu sprechen. Macht man ja auch nicht. Krebs, das böse Tabuthema. Ich breche damit und ihr auch, schließlich lest ihr es. Also sind wir vermutlich so weit, dass Tabus für uns kein Thema mehr sind. Also, lasst uns über Fissuren sprechen.

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Lilli in der Achterbahn – Heilungschancen erhöhen durch g-Kräfte

Ich muss zugeben, dass ich etwas verhalten auf mein Geburtstagsgeschenk, Karten für den Europa-Park, reagiert habe. Normalerweise wäre ich ausgeflippt vor Freude. Ich liebe den Nervenkitzel, Bauchkribbeln, Höhe und Geschwindigkeit – nur Drehungen um die eigene Achse, die mag ich nicht. Aber kurz vor meiner Krebsdiagnose auf die saisonal befristeten Eintrittskarten zu gucken, hat mich dann doch leicht irritiert.

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Spieglein, Spieglein an der Wand – Ist mein kahler Kopf der hübscheste im Land?

War ja klar, dass ich den Blick in den Spiegel irgendwann wagen muss. Aber nicht wie geplant mit purer Entschlossenheit, sondern durch einen absolut dummen Zufall. Morgens, wie gewohnt verschlafen, schütte ich Haferflocken, Crunchy-Dinkel-Flakes, meine geliebten Chiasamen und die Mandelmilch in eine Schüssel. Blättere den Sprüchekalender auf der Fensterbank um und freue mich über die positive Weisheit. Ich will ihn abfotografieren, für´s Bloggen später. Kamera an und da bin ich. Oder er. Der kahle Kopf. In meinem Handy. Die Frontkamera war noch aktiv. Habe mit dem blonden, langhaarigen Selbstwertgefühl ja gestern noch Fotos gemacht. Wie dumm ich bin. Ich erstarre erstmal. Langsame Schritte zum Spiegel im Badezimmer. Jetzt will ich´s wissen.

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Einmal Selbstwertgefühl to go, bitte!

„Herausforderungen geben dem Gestern Stärke und schenken dem Morgen neuen Mut“ – na da trifft der Sprüchekalender auf der Fensterbank in der Küche ja heute voll ins Schwarze. Vielen Dank liebe Profi-Golferin in Spe für dein tolles Geschenk.

11 mal Lachen also – Wie bekommt man das wohl hin? Perücke auf – erst dann in den Spiegel gucken. Gefällt mir, damit kann ich arbeiten. Heute ist auftakeln angesagt, ich will mich hübsch fühlen und weiblich. Also volles Programm: Schminken, Kleid anziehen, Parfum auflegen (nur auf die Kleidung, die Haut könnte überreagieren, außerdem soll es heute heiß werden), hohe Schuhe an, Schmuck anlegen. Jap, ich gefall´ mir – erstes Lächeln in den Spiegel.

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erneuter Haarbeitrag, diesmal der letzte – R.I.P. geliebtes Haar

Bei all den spaßigen Geschichten, die ich mit meinen Haaren nun noch erleben durfte, bin ich nun, an Tag 14 des Chemotherapiezyklus, den Tränen sehr nahe. Was rede ich, ich schwimme in meinem Meer aus Tränen. Ich stehe morgens schlaftrunken auf, putze meine Zähne, kämme mein Haar. Und da sind sie – nicht mehr auf meinem Kopf, sondern in der Bürste – ganz viele dieser schwarzen Haare. Sie gehören dort nicht hin. Ich will sie auf meinem Kopf behalten. Bei all der Kraft und Stärke, die ich aufbringe, um mich gegen Lilli zu wehren, denke ich, dass sie nun doch sehr nah dran ist, mich von meiner positiven Einstellung abzubringen. Ich fange mich, bin aber noch lange nicht stark genug, die Haare abzurasieren. Was hab´ ich erwartet? Dass dieser Tag kommt, war klar. Aber dass sich Lilli nun wie Miley Cirus auf dem Wrecking Ball räkelt, um mich aus der Bahn zu werfen, hatte ich dann doch nicht erwartet. (für Oma: Miley Cirus ist eine skandalträchtige Sängerin, die ein wirklich obszönes Musikvideo gedreht hat, auf dem sie nackt auf einer Abrissbirne durch´s Bild schwingt – Ja, auch meine Oma liest meinen Blog)

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Haarmission die II. – Hulky & Schatzi und das IKEA-Schneidebrett

10 Tage nach der Chemotherapie habe ich also noch immer keinen gravierenden Haarausfall. Natürlich fasse ich mir schon seit einigen Tagen regelmäßig in die Haare, bin dann aber doch froh, dass es ganz gut hält. Die Freude über meine noch vorhandenen Haare kann Schatzi aber leider so gar nicht teilen, da er schon seit Tagen sehnsüchtig darauf wartet, mir die Haare kurz zu schneiden. Und als dann auch Hulky, Schatzis Bruder, der uns über die paar freien Tage besucht, die Augen bei dem Gedanken leuchten, mir JETZT die Haare zu schneiden, ist mein Widerstand also gebrochen.

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Aplasiephase – aber mit der Unterstützung von Guido Mario Kretschmer läuft´s

Da bin ich jetzt also, mitten in der Aplasiephase, man kann auch Neutropenie sagen – wir wollen unseren Wissenshorizont ja stetig erweitern, obwohl ich bis vor kurzem lieber mein Wissen im Bereich Steuern als im Bereich Lymphdrüsenkrebs und Chemotherapie erweitert hätte. Super-Dad sagt nämlich immer, man muss Ahnung von Steuern haben, aber im Moment will Lilli dann doch den größten Teil meiner Aufmerksamkeit. Blöde Morbus-Kuh!

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