Geburtstag feiern in der Chemotherapie trotz der Diagnose Lymphdrüsenkrebs

Happy Birthday mit Lilli und wie wichtig es ist, Gesundheit zu wünschen!

Ich habe Geburtstag. 24, kein Alter um Krebs zu haben. Meine Familie wünscht Gesundheit – oh man, wenn die wüssten. Super-Dad weiß es, aber ansonsten wollte ich niemanden frühzeitig damit belasten.

Nicht, dass ich Super-Dad frühzeitig belasten wollte, aber seinen Namen trägt er schließlich, weil er stark ist, wie ein Superheld und ich hoffe und glaube, dass er für mich stark sein kann, auch wenn Männer und emotionale Gefühle manchmal 2 verschiedene Welten sind. Aber er macht sich gut und versucht mich zu unterstützen. Ich habe außerdem 2 Geschwister, einen Bruder 16 (Fetti – er wird mich hassen dafür, dass ich diesen Spitznamen hier aufschreibe und dabei ist er alles andere als fett :D) und eine Schwester 11 (Schnecki). Und dann sind da noch meine beiden Omas und mein Opa. Meine Oma fragt noch: „Kind, aber gesund bist du ´ne?“ Sie hat grad selbst eine Chemotherapie hinter sich gebracht und – Gott segne es – den Krebs besiegt! Ach, was soll man denn bloß sagen?

Meine Pinots von der Arbeit und Lucky-Grey schenken einen tollen Strauß, alle wünschen Gesundheit und nach der Arbeit gibt’s natürlich Sushi mit Schatzi. Was auch sonst? Ich könnte platzen nach dem Essen. Morgen kommt das Ergebnis. Ich schlafe wieder unruhig und am nächsten Tag ist mir, ´tschuldigung, kotzübel. Um 12:00 Uhr wird mir im sitzen so schwindelig, dass ich mich auf den Boden legen muss. Dr. Ständig-Lächelnd wollte zum Mittag anrufen. Um 15:30 sagt sie, dass noch kein Ergebnis vorliegt und sie sich morgen früh melden wird. Wie zum Teufel soll man das denn bitte aushalten? Ich hole Schatzi von der Arbeit ab, wir wollen Döner holen fahren und mein Handy klingelt: „Hallo, ich habe noch einmal reingeguckt. Es hat sich also bestätigt, dass Sie Morbus Hodgkin haben. Können Sie morgen vorbeikommen, um alles zu besprechen?“ Hui – mir geht’s besser als gedacht. Man sollte sicher weinen, aber es kommt irgendwie noch nicht an. Wir essen einen Lilli-Döner, ich lade dazu ein.

Erst Stunden später realisiere ich es und kann endlich weinen. Weinen ändert an der ganzen Situation natürlich nichts, aber es ist wichtig, seine Emotionen rauszulassen. Also weint, wenn euch danach ist! Aber danach muss auch wieder gut sein, denn nichts ist schlimmer als das kleine Schlitzohr Selbstmitleid. Das kann man nämlich ganz und gar nicht gebrauchen. Also weg damit, Kopf hoch und wieder selbstbewusst sein. Nachweislich ist die Einstellung in der Chemo entscheidend für den Verlauf und das Ausmaß der Nebenwirkungen. Ich will nicht sagen, dass ich nicht alles am liebsten hinschmeißen würde und jeden Tag mit der Decke über dem Kopf verbringen würde. Aber ist es nicht schön, zu leben? Lohnt es sich nicht, mit Freunden in der Sonne ein Eis zu schlecken oder mit dem Partner in den Urlaub zu fahren? Und weil es sich so lohnt, muss ich nun meine Geburtstagsparty am Wochenende vorbereiten. Ich feiere mit einer Freundin zusammen bei mir. 15 Leute kommen und wir wollen grillen. Das wird toll! Lilli schieb ich also erstmal beiseite, nun heißt es Grillfackeln und Weißwein kaufen! Ich werde an dem Tag trinken, Alkoholschmerz hin oder her. Schlimmer als meine vorhandene Diagnose kann´s doch jetzt nicht mehr werden und so eine Party vor der Chemo muss dann doch nochmal sein.

Es wird ein toller Abend! Es läuft alles gut, wir lachen viel. Klar muss ich irgendwann mitteilen, dass dies nicht nur Chrissis und meine Geburtstagsfeier, sondern auch sowas wie eine vorübergehende Abschiedsparty ist. Ich bin vorerst krankgeschrieben. Mindestens 4 Monate, vermutlich aber länger. Ich komme also nicht zurück zur Arbeit. Kurzzeitig herrscht Schweigen, alle sind schockiert. Aber einen guten Zeitpunkt, um sowas mitzuteilen, hätte es einfach nicht gegeben. Ich hätte nicht nichts sagen können und wollte nicht, dass meine Pinots es nur von unserem Chef erfahren. Aber die Stimmung ist schnell wieder gehoben, da ich Martini in die Gläser fülle. Und so reden wir auch etwas über Lilli und das, was jetzt so ansteht, aber es geht uns allen gut. Die Laukart hat zum Abschied ein paar Tränchen in den Augen, kann sich dann aber zusammenreißen. Ich bin unendlich happy, dass alles so gut lief und liege glücklich neben Schatzi im Bett.

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