Kinderwunsch nach der Chemotherapie

Meine wohl größte Angst mit Anfang/Mitte 20, ist die Angst vor dem Risiko der Unfruchtbarkeit nach der Chemotherapie. Mein Kinderwunsch ist stark vorhanden, wenn auch in ferner Zukunft. Ich fiebere also dem Termin in der Gynäkologie entgegen und hoffe, dass es eine gute Möglichkeit gibt, das bestehende Risiko zu minimieren. Es gibt 3 verschiedene Möglichkeiten die meinen Kinderwunsch retten können, erklärt mir Frau Dr. Hektisch-Verwirrt. (Sie muss ständig zwischendrin telefonieren; mich nochmal rausschicken, weil sie was vergessen hat. Sie ist wirklich total nett und es ist lediglich spaßig gemeint, aber sie ist halt eben hektisch-verwirrt)

  1. Man versetzt mich mit einer Spritze vorübergehend in die Menopause. Meine Zellen in der Gebärmutter und im Eierstock werden also künstlich schlafen gelegt. Die Chemo soll sodann nur die aktiven Zellen angreifen und lässt, so hofft man, meine inaktiven Eizellen in Ruhe. Bei Morbus Hodgkin ist das die am häufigsten verwendete Variante mit guten Erfolgschancen für den späteren Kinderwunsch.
  2. Alternativ kann man Teile vom Eierstock operativ entfernen, diese dann einfrieren und 2 Jahre später dann wieder einsetzen. Allerdings ist dieses Verfahren zum Zeitpunkt 04/2015 noch nicht wirklich ausgereift. Vor allem das Wieder-Einsetzen gestaltet sich schwierig und eine Schwangerschaft kann dann nur über eine künstliche Befruchtung erfolgen.
  3. Einfrieren von bereits befruchteten (wenn man zum Zeitpunkt der Erkrankung einen festen Partner hat) oder unbefruchteten Eizellen. Man sollte hier wissen, dass man bei befruchteten Eizellen, also Embryos, später immer die Erlaubnis des Partner braucht, um diese Einzusetzen. Bei bereits befruchteten Eizellen ist die Wahrscheinlichkeit jedoch höher, bei der künstlichen Befruchtung schwanger zu werden.

Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich mich für Nummer 1 zusätzlich zum Einfrieren unbefruchteter Eizellen entschieden. Nach Abstimmung mit Frau Dr. Ständig-Lächelnd muss mit der Chemo jedoch in jedem Fall in 2 Werktagen begonnen werden, da mein Gesundheitszustand nicht gut ist und jede Verzögerung lebensbedrohlich werden kann. Das Einfrieren der Eizellen ist ein größerer Eingriff, der nicht mehr realisiert werden kann. Mir bleibt also nur Variante 1, die Menopause, zur Sicherung meines Kinderwunsches.

Aber zunächst muss ich mein Leben retten, um überhaupt Kinder zu bekommen. Ich weine natürlich und habe Angst, dass ich die 1 Person von x Personen bin, die danach nicht mehr schwanger werden kann. Jegliche Wahrscheinlichkeiten über etwaige Risiken kommen einem sowieso banal vor, wenn man den Morbus Hodgkin Jackpot geknackt hat. Es spielt keine Rolle, wie klein die Wahrscheinlichkeit ist – sie existiert, ob man will oder nicht und ich kann diese 1 Person von x sein! Und hier ist sie – die Gefahr sich aufzugeben und im Selbstmitleid zu baden. Wie man daraus kommt? Eigentlich nur allein – auch wenn Schatzis liebe Worte zu dem Thema mich ebenfalls stark aufbauen!

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