Perücke – Die Qual der Wahl

Als wenn das nicht alles genug wäre, muss ich mir jetzt auch noch eine Perücke aussuchen. Die erhält man auf Rezept, die Zuzahlungen der Krankenkassen sind jedoch stark abweichend. Erkundigt euch also am besten vorher nach den Vertragspartnern eurer Kasse, denn nur hier werden die Kosten übernommen. Ich habe also 3 Adressen bekommen, fahre zu dem ersten Laden. Es sieht ganz nett aus, hat eine gute Auswahl – aber wie fühlt man sich schon inmitten dieser Haarteile?

Die Verkäuferin ist sehr verständnisvoll, kennt den Umgang mit Krebspatienten. Also ab hinter den Vorhang und schon hab ich diese Haube auf dem Kopf. In diesem Moment realisiere ich, dass ich tatsächlich bald keine Haare mehr habe und breche in Tränen aus. Die Woche verging rasend schnell. All die Untersuchungen lenken dich ab, lassen dir keine Zeit zu realisieren. Aber in dieser Kabine, mit diesem Netz auf dem Kopf werde ich nun in die brutale Realität zurückgeholt. Wir probieren einige Modelle. Kunsthaar, Echthaar, kurz, lang, günstig, teuer. Lang muss es sein, auf jeden Fall so wie meine Haare jetzt sind. Ich habe lange darauf hingearbeitet, dass sie wachsen. Es ist nicht so, wie bei meiner langjährigen Freundin Candy-Brandy, die sich die Haare bis zur Schulter abschneidet und ´n halbes Jahr später Haare bis zum Po hat. Ich bin froh, dass meine Haare bis über den BH-Verschluss reichen und ich den Spliss besiegt habe und nun kommt Lilli und nimmt sie mir – das ist nicht fair.

Die Perücke ist faszinierend, weil man tatsächlich keinen Perückenansatz sieht, das Echthaar fühlt sich gut an – trotzdem bin ich übertraurig. Ich fahre also in die anderen Geschäfte, ein Karnevalsladen und ein Friseur. Wie die beiden Läden es in die Vertragspartnerliste meiner Krankenkasse geschafft haben, bleibt mir bis heute ein Rätsel.

Ich habe also keine große Auswahl, was mich noch unglücklicher macht. Ein Anruf bei Super-Dad kann auch nicht helfen. In diesem Moment kann dir aber sowieso keiner helfen, denn klar sagt jeder: „du siehst auch so hübsch aus!“ und „die Haare wachsen doch schnell wieder!“ oder „nach ein paar Monaten hast du Lilli besiegt und dann wachsen sie sicher noch schöner!“ – Danke, aber es hilft mir zu dem Zeitpunkt trotzdem nicht. Verlust der Haare bedeutet für mich Verlust der Weiblichkeit, also Verlust der Attraktivität. Ich habe einen Port in mir und eine Narbe am Hals, wie soll Schatzi mich je wieder attraktiv finden, wenn ich nun auch noch meine Haare verliere.

Für Schatzi ist das alles ziemlich unverständlich, zumal er argumentiert, dass ich ihn ja irgendwann auch mit Glatze lieben muss, wenn er alt wird. Ich muss lächeln und bin froh, dass wir noch einmal gemeinsam in den ersten Perückenladen fahren. Schatzi ist begeistert, schießt Fotos und sagt, ich sähe aus, wie ein Model. Es ist genau das, was ich hören will und so kaufen wir die Perücke.

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