Antiemetika in der Chemotherapie

Ein Hoch auf Antiemetika und die positive Lebenseinstellung

2. und 3. Zyklustag erfolgreich geschafft. Ohne spucken, das löst sogar einen Freudenschrei mit Applaus bei den Pinots aus, als sie mich anrufen und auch sonst fühle ich mich gut. Schwester Flip-Flop hat mich auch die anderen Tage „bedient“ – in meiner Fantasie liege ich am Pool und sie schenkt den Pinot Grigio ein. Spätestens jetzt ist klar, woher die Pinots ihre Namen haben, oder?

Klar fühle ich mich schwach und ich merke, dass in meinem Körper etwas passiert. Mein Mund fühlt sich pappig an und ich schmecke nicht mehr so viel. Einige Getränke verursachen Brennen im Mund. Meine Augen sind trocken. Aber das ist nun wirklich nichts, weshalb man sich richtig schlecht fühlt. Bei einer ordentlichen Erkältung hat man deutlich mehr Grund zum Jaulen. Tag 2 und 3 habe ich wieder viel geschlafen, was auch half, den Tag rum zu bekommen.

Zu meiner Freude kann ich gut essen und habe auch Hunger. Den 2. Tag habe ich Hühnerbrühe mit Klöschen gegessen, ich wollte nicht gleich übertreiben. Ab dem 4. Tag setzt bei mir unheimlicher Schwindel ein. Kurz nach dem Duschen kippe ich fast das erste mal um, ich lege mich wieder ins Bett und versuche es dann nochmal mit dem Aufstehen. Pustekuchen! Selbst im Liegen wird mir schwarz vor Augen. Ich kann doch nicht den ganzen Tag nur rumliegen und rumheulen, also will ich einkaufen und Schatzi was leckeres kochen.

Getreu dem Motto: Wer nicht hören will, muss fühlen, schaffe ich es also noch zur Apotheke, (ca. 500 m) um mir Sabuthamol (tolles Zeug! Mehr dazu bei Beauty) abzuholen. Nun noch kurz in die Drogerie, Deo und schwarze Haarfarbe kaufen (weitere 100 m). Ich schaffe es noch, die Karte aus dem Kartenleser zu ziehen und dachte, ich bräuchte nur etwas Luft. Aber ich komme nicht weiter, muss mich mitten auf den Bürgersteig setzen und hoffe, dass ich nicht kollabiere. Ich sitze hier also auf dem Boden, Passanten fragen, ob sie helfen können – danke, nein, ich glaube nicht. Ich bin unendlich froh, als ich es dann nach Hause geschafft habe und im Bett liege.

Ich freue mich über Nachrichten von Rucki-Zucki, die sich immer fleißig bei mir meldet und von ihrer kleinen Love-Story erzählt, über Fetti, der bald seinen Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein absolvieren muss und fühle mit Katinka, die Angst vor Ihrer baldigen Prüfung hat. Es sind kleine Dinge die mich glücklich machen, aber jede normale Nachricht gibt mir das Gefühl, dass alles weiterläuft, wie es soll und ich Teil des normalen Geschehens bleibe.

Ich habe Blogs gelesen, in denen die Leute anfangen, das normale Leben als banal anzusehen. Klar sind einige Dinge banal, aber was hilft es mir, wenn ich Lilli in den Fokus setze und alles andere dagegen an Wertigkeit verliert. Ich würde Lilli gewinnen lassen – und Schlitzohr Selbstmitleid gleich mit. Dies gilt im Übrigen auch für das Umfeld. Einige erwarten, dass auch das Leben der anderen sich nun ändern und alle Rücksicht nehmen müssten. Frau Tztatziki als Psychologin verfolgt natürlich auch die gut bewährte Strategie: „Sie müssen jetzt nur an sich denken und egoistisch sein!“ Aha und wo bleibt hier die Realität? Ich werde mich schon mitteilen, wenn mir was nicht passt – aber nur weil ich krank bin, hab´ ich doch jetzt nicht das Recht, das Leben aller anderen zu beeinflussen und zu verlangen, dass alle Verständnis dafür aufbringen. Mein Leben geht auch mit Lymphdrüsenkrebs weiter und das der anderen auch. Lilli hin oder her nimmt hierbei nur einen kleinen Teil ein. Klar ändert sich das Leben von Schatzi, aber muss er zu Hause sitzen, weil ich nicht raus kann? Wäre das fair? Müssen meine Eltern alles stehen und liegen lassen und 630 km durch Deutschland fahren um neben mir zu sitzen? Dürfen meine Freunde nun keine Party feiern, weil ich nicht dabei sein kann? 4 mal nein, positive Lebenseinstellung und einen Hugo alkoholfrei für mich bitte, danke!

Leave a comment

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>