Haare färben in der Chemotherapie

Svetlana aus der Ukraine – Haare färben in der Chemotherapie

Zunächst muss man in der heutigen Zeit wohl klar stellen, dass es sich hierbei um einen nicht rassistischen Artikel halten soll. Da muss man heute ja immer vorsichtig sein, obwohl ich mich dann manchmal schon frage, ob es nicht immer rassistischer ist, wenn man es vorab dann auch noch klarstellen muss.

Aber nun gut, ich bin blond, lange Haare, ohne Pony und zufrieden damit. Ich hatte auch mal pinke Haare, in der Zeit in der man sich mal so richtig austoben wollte oder braune, nach der Trennung meiner Eltern, aber grundsätzlich habe ich blond gefärbte Haare, vorzugsweise aschig, auf keinen Fall gold.

Da der Verlust meiner Haare aber näher rückt und Frau Tzatziki mir erklärt hat, dass das Schlimmste daran eigentlich der Kontrollverlust ist, weil man nicht selbst den Zeitpunkt bestimmen kann, wollte ich mir die Kontrolle zurückholen. Im Leben nicht, hätte ich mir meine Haare schwarz gefärbt – unter normalen Umständen. Aber jetzt, wo sie doch ausfallen, muss ich es einfach wissen. Mission accepted!

Zuerst will ich noch einen Pony ausprobieren. Ich sitze also auf dem Küchenstuhl, den Umhang aus dem Haarschneide-Kit um mich gebunden. Schatzi googelt schnell mal, wie man so ´n Pony überhaupt schneidet, kämmt meine Haare vom höchsten Punkt des Kopfes nach vorne, sodass ich nichts mehr sehen kann. Mir war eh schon wieder schwindelig und nun auch noch die Haare vor der Nase, also los schneid´ endlich ab! Schnipp-Schnapp und die Haare fallen. Es ist gar nicht so leicht, wie man denkt, den Pony gerade hinzubekommen – aber Schatzi gibt sein Bestes und nach 10 Minuten habe ich also einen Pony. Es sieht ungewohnt aus. Aber diese kleine Veränderung reicht bei Weitem noch nicht. Also ran an die Packung.

Blauschwarz. Schatzi zieht die Handschuhe an und ich setze mich auf den Badewannenrand. Ich will ihm erklären, wie man am besten Strähne für Strähne arbeitet, aber er sagt: „Lass mich mal machen!“ Und ich habe ihn machen lassen. In meinen Augen völlig ohne System hat er also die Farbe auf das Haar gebracht und am Ende ist auch tatsächlich überall Farbe. Nach der Einwirkzeit heißt es: Haare waschen, bis keine Farbe mehr kommt. Hab´s 5 mal gemacht, kam immer noch Farbe – egal, Haare föhnen, Pony föhnen. Krass! Ich sehe aus, als habe ich eine Perücke auf dem Kopf. Schatzi ist hellauf begeistert, kann nicht glauben, wie verändert ich aussehe. Ich bin ein völlig anderer Typ Mensch, wenngleich ich mein Äußeres nun eher mit Svetlana – der Edel-Eskortdame aus der Ukraine assoziiere. Ooops. Aber Schatzi findet es toll mit mir zu flirten – er sagt, es ist wie erlaubtes Fremdgehen.

Die ersten Tage muss ich immer lachen, wenn ich in den Spiegel gucke. Das bin doch nicht wirklich ich?! Der Pony nervt übrigens total, ständig dieses gezuppel, ob er richtig liegt – ich weiß also, dass ich später auf keinen Fall einen Pony möchte und blond wäre ich danach auch gerne wieder. Es ist dennoch ein tolles Gefühl, dass ich die Kontrolle über meine Haare habe und morgen schneidet Schatzi mir einen Bob, am Wochenende dann vielleicht noch kürzer. Erfahrungsgemäß habe ich jetzt wohl noch ca. 1 Woche, bis die Haare ausfallen, bis dahin werd ich also noch Einiges ausprobieren können. Zu einem Undercut konnte Schatzi mich übrigens noch nicht überreden, aber vielleicht seid ihr ja noch mutiger als ich?

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