Wie sagt man jemanden das man Krebs hat?

Wie sagt man jemandem, dass man Krebs hat?

Dieser Post hätte sicher vor all den anderen erscheinen müssen – hätte euch aber trotzdem nicht geholfen. Fakt ist, es gibt keinen richtigen Zeitpunkt und auch keinen richtigen Weg!
Schatzi wurde brutal damit konfrontiert, Super-Dad behutsam, aber ebenso direkt. Vitamin-Mum ganz sensibel von Super-Dad – ebenso wie Oma & Opa. Fetti und Schnecki möglichst kinderfreundlich von mir selbst, Lucky-Grey strukturiert am Telefon, die Pinots mitten auf meiner Party, Katinka, Hulky & Sorgen-Mutta von Schatzi, Candy-Brandy und engere Freunde sogar per Whatsapp. Ich habe also alles durchprobiert und kann euch trotzdem nicht sagen, wie es geht. Trotzdem muss man, denke ich, die unterschiedlichen Adressatengruppen differenzieren:

Dass ich es meiner Vitamin-Mum nicht selbst sagen musste, war für mich eine Erleichterung. Ich wollte ihr nicht diese unheimlichen Schmerzen zufügen, die die Diagnose Krebs bei der eigenen Tochter leider nun mal mit sich bringt. Gott sei Dank kann Super-Dad, schließlich ist er stark wie Super-Man, es ihr behutsam vermitteln. Super-Dad war bereits auf dem Weg der Diagnose eingeweiht, sodass er sich vorab schon langsam darauf vorbereiten konnte. Alles in allem können sich meine Eltern dann doch relativ schnell geordnet mit dem Thema auseinandersetzen und erkennen, dass die Heilungschancen bei Morbus Hodgkin gut und überdurchschnittlich hoch sind. Klar würde Vitamin-Mum am liebsten direkt bei mir einziehen, mich pflegen und ausreichend vitaminhaltig bekochen, Schatzi unterstützen, die Wohnung aufräumen, … mir ein Haus bauen, für mich arbeiten gehen – war nur Spaß 😉 … weshalb mir auch noch zig andere Namen eingefallen wären: Kraken-Mum oder Helikopter-Mum, Iss-auch-genug-Mum, ebenfalls und ganz klar Sorgen-Mum sowie ich-bin-für-dich-da-Mum. Aber Vitamin-Mum klingt dann doch einfach am Positivsten.

Fetti und Schnecki kennen Krebs nur aus dem Fernsehen, meine Großeltern aus dem Sprechzimmer ihrer alltäglichen Arztbesuche. Für beide Gruppen steht das Wort Tod unmittelbar und ganz groß neben Krebs. Aber ich habe nicht Krebs, wie man es aus dramatischen Filmen mit Todesende kennt, wo Protagonisten lange Jahre im Krankenhaus kämpfen – ich habe nur Lilli, bin jung und vital, die Heilungschancen stehen sehr gut! Die Aufklärungsarbeit muss hier also vehementer erfolgen, als bei meinen Eltern. Kinder haben übrigens einen natürlichen Schutzmechanismus, hat man mir mal gesagt (Super-Dad war´s), und stellen nur Fragen, auf die sie die Antwort auch hören wollen. Also bitte nicht einfach wild drauf los plaudern. Fetti fragt: „und wirst du dann wieder richtig gesund?“ – „Ja!“ Gut! Thema also abgehakt.

Lucky-Grey, der mich eingestellt hat, damit ich richtig loslegen kann. Ihn gefühlt zu enttäuschen und seinen Wirtschaftsplan in Sekunden über den Haufen zu werfen, fiel mir wirklich nicht leicht und dem Gespräch habe ich mit großer Angst entgegen gesehen. Zu meiner großer Erleichterung hat Lucky-Grey sensationell reagiert und mir signalisiert, dass ich mir um meinen Job erstmal keine Gedanken machen soll. Und so ist es auch! Zu Beginn denkt man, dass so ein wenig Ablenkung im Büro ja doch ganz gut tun könnte und man sich dann vielleicht auch nicht so krank fühlt. Vielleicht könnte man von zu Hause auch einfach nur immer mal wieder ein bisschen was zuarbeiten, um zu unterstützen, oder blablabla – alles Wunschdenken, falscher Ehrgeiz, definitiv nicht zu empfehlen! Hilft niemandem – dir nicht und deinem Lucky-Grey schon gar nicht. Ich bin ehrgeizig – und wie! Natürlich sind Dinge vor deiner Abwesenheit nicht mehr erledigt worden und die Rückfragen dazu bereiten dir ein schlechtes Gewissen. Es treten vielleicht Probleme in deinem Bereich auf, die du nicht kommen sehen hast. Na und? Es hätte auch Probleme geben können, wenn du ganz normal gearbeitet hättest und dann wärst du auch in Erklärungsnot und das Problem müsste – von wem auch immer – beseitigt werden!

Es Freunden zu sagen, fällt dann im Vergleich nicht ganz so schwer. Schatzi und ich haben die Erfahrung gemacht, dass es für die anderen leichter ist, nicht direkt mit mir als Gegenüber konfrontiert zu werden. Es ist einfach schwer darauf angemessen zu reagieren – vor allem was soll angemessen schon bedeuten? Auch mit meiner offenen und positiven Art umzugehen, ist für viele sicher erst einmal gewöhnungsbedürftig. Krebs ist, nach wie vor, leider so etwas wie ein Tabu-Thema. Ich mein, ich selbst wusste vorher nicht mal, dass zwischen Chemotherapie und Bestrahlung ein Unterschied existiert – als nehmt es Freunden nicht übel, wenn sie erstmal nichts darüber wissen. Einige stellen viele Fragen, andere keine – vermutlich aus Angst, dich verletzen zu können. Wieder andere geben Tipps, von irgendwelchen Krebsgeschichten, die sie kennen – das liegt wohl in der Natur des Menschen. Sie sind hilflos und wollen dir unbedingt helfen. Und wenn der Tante 12. Grades bei Ihrer Brustkrebsdiagnose der Mistelzweig geholfen hat, dann ist das etwas, was sie dir anbieten werden. Mich nervt das nicht, ich höre mir gerne die Erfolgsgeschichten der Anderen an und es sind häufig auch tolle Tipps dabei, mit denen man sich auch mal beschäftigen sollte. Zusätzliche Hilfe durch Chiropraktiken oder Vitalstoffe können sicher nicht schaden, können aber auch einfach nur Geldverschwendung sein. Heilfasten z.B. ist nachweislich eine tolle Sache in der Chemotherapie. Bei Morbus Hodgkin in höheren Stadien ist es jedoch – ebenfalls nachweislich- völlig kontraproduktiv. Grundsätzlich vertraue ich also erstmal der Schulmedizin, nachdem ich bereits in der Fibromyalgiezeit meine Füße auf Goldplatten gestellt und mich auspendeln lassen habe. Und ihr müsst für euch selbst entscheiden, was ihr wollt und was nicht – am besten immer in Absprache mit eurer persönlichen Frau Dr. Ständig-Lächelnd.

3 thoughts on “Wie sagt man jemandem, dass man Krebs hat?

  1. Halle Caty, völlig fasziniert von deinem Blog, habe ich das Essen anbrennen lassen ☺.
    Es tut mir wirklich sehr leid, dass du dich mit dieser doofen Lilly rum schlagen musst. Beim lesen durchlebt man ein Wechselbad der Gefühle. Ich musste oft weinen und dann auch wieder schmunzeln. Du hast einen wunderbaren Schreibstil und einen erfrischenden Humor.
    Ich gehe davon aus, dass du Lilly besiegen wirst. Übrigens fand ich den Post über den Verlust deiner Haare und den Umgang damit so toll ge- und beschrieben, dass ich mir alles bildlich vorstellen konnte. Ich glaube, für alle Frauen ist der Verlust ihrer Haare mit das schlimmste, was passieren kann. Danke für deine Ehrlichkeit !
    Wenn du wieder gesund bist, solltest du unbedingt Kontakt mit einem Verlag aufnehmen und deinen Blog als Buch herausgeben.
    Ich wünsche dir, Schatzi und deiner gesamten Familie weiterhin viel Kraft und Humor, um Lilly zu besiegen.
    Ich schicke dir in Gedanken all meine Kraft,werde oft an dich denken und natürlich deinen Genesungsweg weiterhin hier verfolgen.
    Ganz liebe Grüße auch an deine tolle Familie, Petra

    Petra Wölki Antworten

    1. 😀 Ach Petra, wie süß! Danke auch für deinen Zuspruch. Ich hoffe, dass meine Einträge nun nicht regelmäßig zu angebranntem Essen führen 😉
      Ganz liebe Grüße, Caty

      Caty Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>