Aplasiephase – aber mit der Unterstützung von Guido Mario Kretschmer läuft´s

Da bin ich jetzt also, mitten in der Aplasiephase, man kann auch Neutropenie sagen – wir wollen unseren Wissenshorizont ja stetig erweitern, obwohl ich bis vor kurzem lieber mein Wissen im Bereich Steuern als im Bereich Lymphdrüsenkrebs und Chemotherapie erweitert hätte. Super-Dad sagt nämlich immer, man muss Ahnung von Steuern haben, aber im Moment will Lilli dann doch den größten Teil meiner Aufmerksamkeit. Blöde Morbus-Kuh!

Meine weißen Blutkörperchen (Leukozyten) fallen also seit dem 6. Tag des Zyklus (man schreibt wirklich nicht „des Zyklusses“) stetig ab. Da diese für das Bekämpfen von Infekten verantwortlich sind, muss man nun also sehr vorsichtig sein. Bei Fieber oder Schüttelfrost muss man sich dann auch wirklich schnell ins Krankenhaus begeben, damit man schnell ein gezieltes Antibiotika erhält. Erhöhte Hygiene und gewisse Vorsichtsmaßnahmen in der Aplasiephase sind daher anzuraten.

Das heißt, ich bleibe vorzugsweise zu Hause und wenn ich die Wohnung verlasse, -ha, die 400 m bis zum Supermarkt- trage ich Mundschutz. Im ersten Moment denkt man, es gibt nichts Schlimmeres, als das Haus mit diesem Mundschutz zu verlassen. Die Leute starren wirklich unheimlich, auch wenn sie versuchen es heimlich zu machen, spüre ich es. Ich weiß, dass ich genauso gucken würde, wenn eine Frau in meinem Alter so ´n Teil tragen würde und an mir vorbei läuft. Ich würde denken „krass, was hat die denn? Die is´ doch noch voll jung!“ Ein kleiner Junge zeigt mit dem Finger auf mich – herrlich diese kindliche Ehrlichkeit. Aber mittlerweile kann ich darüber lachen und bestelle mit Mundschutz an der Fleischtheke mein Steak – hab´ ja jetzt ´ne Ausrede, dass ich viel Eisen brauche. Ich überlege, wie witzig es wäre, wenn auf meinem Mundschutz „Achtung EHEC!“ stehen würde – da würden aber alle Augen machen und fluchtartig aus dem Laden rennen. Hihi.

Außerdem trocknet das Desinfektionsmittel Schatzis und meine Hände aus und auch sonst muss man mit den Lebensmitteln ein bisschen aufpassen. Nur frisches Zeug, ständig neue Messer, wenn man in den Aufstrich tunkt. Wer sich dann doch eingehender im Netz mit der Aplasiephase beschäftigt, kann sich natürlich auch an einen der zahlreichen, deutlich einschränkenderen Katalog von DOs and DON´Ts halten. Aber mir hat Frau Dr. Ständig-Lächelnd gesagt, dass die Psyche in der Chemotherapie dann doch eine große Rolle spielt und das Beibehalten meiner Lebensqualität wichtiger ist, als das akribische Einhalten der Vorsichtsmaßnahmen.

Das Einzige, was mich dann doch so richtig nervt und meine Lebensqualität auch erheblich einschränkt, ist die lange Weile in der isolierten Wohnung. Es geht mir schließlich gut – denke ich zumindest. Wenn ich es dann bis zum Supermarkt und zurück geschafft habe, fühle ich mich natürlich, als hätte ich einen Shoppingmarathon hinter mir. Aber wieder im Bettchen zu Hause denke ich natürlich übermütig, ich könnte Bäume ausreißen.

Gott sei Dank bimmelt mein Handy regelmäßig und Sorgen-Mutta erzählt, dass sie sich beim Unkraut rupfen vorgestellt hat, Lilli zu zerstören – war wohl wirkungsvoll. Ich freue mich, dass Frickolino, das erste Baby meiner Hamburger Freundin, nun nicht mehr so lange auf sich warten lässt und scherze darüber, dass ich, wenn ich ihn sehe, hoffentlich genauso viele Haare auf dem Kopf habe, wie er. Ich muss lachen, dass Ini-Bini mein Blog so gut gefällt, dass sie ihn sich als Buch wünscht, um es Freunden empfehlen zu können. Candy-Brandy schickt Grüße und Bilder der neu errungenen Schwalbenbluse aus dem Dänemarkurlaub und ich bin überglücklich, Teil der Außenwelt zu sein.

Mein persönlicher Dank gilt heute jedoch Fluppi, Katinkas Freund, der meinen bisher langweiligsten Tag mit Hilfe von einem persönlichen Videogruß von  Guido Maria Kretschmer gerettet hat. Wie Recht er doch hat!

Danke für eure Unterstützung und dafür, dass ihr euch mit Morbus Hodgkin aka Lilli auseinandersetzt! Auch an die, die heute nicht namentlich erwähnt wurden.

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