Einmal Selbstwertgefühl to go, bitte!

„Herausforderungen geben dem Gestern Stärke und schenken dem Morgen neuen Mut“ – na da trifft der Sprüchekalender auf der Fensterbank in der Küche ja heute voll ins Schwarze. Vielen Dank liebe Profi-Golferin in Spe für dein tolles Geschenk.

11 mal Lachen also – Wie bekommt man das wohl hin? Perücke auf – erst dann in den Spiegel gucken. Gefällt mir, damit kann ich arbeiten. Heute ist auftakeln angesagt, ich will mich hübsch fühlen und weiblich. Also volles Programm: Schminken, Kleid anziehen, Parfum auflegen (nur auf die Kleidung, die Haut könnte überreagieren, außerdem soll es heute heiß werden), hohe Schuhe an, Schmuck anlegen. Jap, ich gefall´ mir – erstes Lächeln in den Spiegel.

Ab ins Auto, heute letzte Blutbildkontrolle an Tag 15. des Chemotherapiezyklus. Tolles Lied im Radio, Intoxicated von Martin Solveig & GTA, wie sich später rausstellt. Lautstärke hochdrehen, laut mitsingen, wild mitgrooven. Ich fühle mich wie damals, als ich 18 war und mit dem coolen Auto, das ich hatte (ich hatte das Coolste – Danke Vitamin-Mum, danke Super-Dad) sinnlos durch die Gegend tourte, um gesehen zu werden und die Musik ganz laut anhatte, um ebenfalls gehört zu werden. An der Ampel, an der man zum Krankenhaus abbiegen muss, war wie immer rot. Ich also total am Singen und Tanzen, guck´ nach rechts, stelle fest, dass die neben mir auch rot haben. Der Opa ist völlig fasziniert von mir. Oops, aber ich lache nur.

Für alle, die auch mal ein bisschen grooven wollen, hier das Video: (krieg´s alleine doch noch nicht hin, muss auf Schatzi warten) – wie sagt man also: Video is coming soon!

Später kaufe ich ein, für das Grillen am Abend. Auf dem Weg in den Supermarkt wird mir hinterher gepfiffen – vielen Dank, dass du mich attraktiv findest und nicht merkst, dass ich eine Perücke trage. Ich lächle und fühle mich gut. Dann schnell noch einen Kuchen machen und ab zu Lucky-Grey und den Pinots. Wir essen zusammen und quatschen ein wenig. Alle sagen, ich sähe toll aus. Mein Selbstwertgefühl ist wieder hergestellt. Später dann treffe ich mich noch auf einen Drink mit Rucki-Zucki auf der Dachterrasse eines Einkaufszentrums. Wir lachen viel, reden über Gott und die Welt und ich freue mich unheimlich über das Gefühl, „normal“ zu sein. Ich fühle mich nicht krank, danke Rucki-Zucki! Als ich zum Zahlen in das Café reingehen muss, freue ich mich, dass man mir hinterher guckt. Ein Kellner sagt: „Bei dem Anblick habe ich vergessen, was ich machen wollte.“

Ich muss lachen. Meine Perücke macht wohl Einiges her. Abends kommen unsere Nachbarn, 3 Studentenjungs. Ganz normal, Grillen mit Freunden.

Abends dann, als ich meine Perücke auf den Plastikkopf auf meinem Nachttisch ziehe, verlässt mich gleichzeitig mein Selbstwertgefühl und das Gefühl, normal zu sein. Schatzi nimmt meinen Kopf in seine Hände, küsst mich, streichelt meinen nackten Kopf. Für mich unvorstellbar, so -ohne Haare- geliebt zu werden. Candy-Brandy sagt: „Theoretisch musst du ja auch gar nicht ohne Perücke in den Spiegel gucken. Kannst ja auch erst machen, wenn sie wieder wachsen.“ Stimmt -theoretisch. Ich weiß natürlich, dass ich mich der Realität irgendwann stellen muss. Aber heute nicht, morgen vielleicht. Gute Nacht Selbstwertgefühl, wir sehen uns morgen früh wieder.

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