Kortison-Fettmops und der Sieg über die Übelkeit

Ich bin fett! Und krebsrot! Schatzi sagt, er würde nichts sehen. Aber vermutlich nur, weil der Cortisonstempel auf meiner Stirn durch die dicken Hamsterbacken untergeht. Wie soll man sonst nicht wahrnehmen, dass ich aussehe wie ein Michelinmännchen??
Da hab´ ich mich grad sowas wie „angefreundet“ mit meinem kahlen Kopf, nachdem Schnecki ihn gestreichelt hat und gesagt hat, ich wäre trotzdem hübsch und nachdem Fetti sagte: „Hätte ich mir schlimmer vorgestellt“ – frei übersetzt also sowas wie: „Krass, du siehst mega aus!“ – und nun war’s das schon wieder mit den weiblichen Gesichtszügen.

Neben dem Fettmops-Gesicht habe ich auch noch Wurstfinger. Gott sei Dank habe ich meinen Ring vorgestern noch abbekommen. Außerdem jucken, brennen und kribbeln sie. Ist normal, zumindest in den ersten Tagen eines jeden Zyklus. Soll dann aber weggehen, sonst muss was an den Medikamenten geändert werden.

Nun aber zum Wichtigsten: Kampf Caty vs. Lilli. Caty gewinnt -bitte hier einen gedanklichen Trommelwirbel erzeugen- 3:0! 3 Tage ohne spucken. Aber die Übelkeit, mein lieber Scholli, da wollt’s Lilli diesmal wissen. Am 2. Tag kam ich in den Raum und Schwester Plapperschnute, Schwester Flipflop ist im Urlaub, hat mir direkt angesehen, dass es mir gar nicht gut geht. Hab´ dann das doppelte gegen Übelkeit bekommen. Ebenso wie am 3. Tag. Manchmal dachte ich, jetzt geht’s los. Hab‘ sogar gehofft, dass es mir danach vielleicht sogar besser gehen würde, aber wollte Lilli dann doch nicht gewinnen lassen. Nicht, dass sie zu wenig Gift abbekommt!

Neben mir saß zu allem Überfluss dann auch noch ´ne redselige Patientin, die mir erklären wollte, dass sie seit x Jahren keine Nebenwirkungen bekommt, weil sie immer fragt: „Kann ich die und die Nebenwirkungen bekommen?“ oder „bekomme ich die und die Nebenwirkungen?“ Alles Kopfsache! Aha, dann sag´ mir halt auch, wo der blöde Knopf gegen Übelkeit ist! Ich weiß doch selbst, dass das alles Kopfsache ist. Predige ich ja hier auch. Aber ganz so easy scheint mir das dann doch nicht zu gehen, wie die gute Frau rät. Aber wer weiß, vielleicht find´ ich den Knopf ja bis zum nächsten Mal. Dann werde ich euch sagen, wo er ist.

Schatzi hat mir vorhin wieder die Natulan-Spritze gesetzt. Immer am 4. Tag, damit die weißen Blutkörperchen bald wiederkommen. Ihr erinnert euch, die Aplasiephase ruft schon wieder laut. Ab heute dann wieder desinfizieren, Mundschutz tragen, Abschottung von der Außenwelt – kurzgesagt drohendes Selbstmitleid. Diesmal hoffentlich ohne den fiesen Schwindel. Hat Schatzi übrigens gut gemacht! Tat nicht weh. Eigentlich soll man sich die selbst geben, aber als wenn ich mir ´ne Spritze in den Bauch jage. Da lach ich aber laut. Versteh´ ich sowieso nicht, wer sich ausdenkt, bei all dem, was man so zu sich nehmen muss – täglich zusätzlich 9-10 Tabletten schlucken und eine Brausetablette einnehmen – dass man sich jetzt ja auch noch ´ne Spritze selbst geben könnte. Im nächsten Leben werde ich Medikamentenhersteller. 1 Löffel Erdbeergeschmack-Chemococktail und alles, was man braucht ist drin. Das wär´s.

Wo wir grad bei gut schmeckenden Sachen sind – auch mein Kortison-Heißhunger meldet sich natürlich wieder. Deshalb gibt´s heute Abend, klar, Pizza vom Lieblingsitaliener. Vitamin-Mum muss die vor ihrer Abreise ja unbedingt noch kennen lernen! Hat sie sich nach dem ganzen Wäsche waschen, bügeln, kochen – sogar die Fenster hat sie geputzt – aber auch echt verdient! Und ja, ich kann mir bildlich vorstellen, dass diejenigen unter euch, die mich nicht kennen, gerade lachen und denken, dass ich sicher kein Kortison-Fettmops, sondern ein Pizza-Fettmops bin. Kann auch sein, ich geb´s ja zu, aber der Italiener macht´s einem auch nicht leicht.

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