Essen in der Chemo

Ernährung in der Chemotherapie – das was schmeckt, ist gut!

Nach meiner gestrigen Chemo habe ich mir 3 mal eine neue Hose und 4 mal ein neues Shirt angezogen. 4 mal das Handtuch auf dem Laken gewechselt, 2 mal die Bettdecke gedreht und sie 2 mal gewechselt. Ja, ich bin schon richtig gut vorbereitet. Die eine Decke trocknet dann ausgebreitet auf dem Fußboden, während ich die neue vollgeschwitzt werden kann. Ist natürlich nicht der Hit, wenn man wach wird und der Traum am Pool, sich dann doch ziemlich real anfühlt, weil man sich fühlt, als würde man gerade aus eben diesem kommen – wohlgemerkt nach 20 Bahnen Powerschwimmen. Und ohne den Drink und Bikini. Auch der Chemococktailduft in der Luft, auf meiner Haut, verrät, dass ich wach bin – kein Duft nach leckerer Sonnenmilch. Und wenn man dann wach ist und Schüttelfrost, wie beim letzten Mal, und leichtes Fieber, 37,5 °C hat, ist man froh, wenn die Müdigkeit einen nach dem Kleidungswechsel wieder übermannt und man sich in Gedanken den schönen Dingen des Lebens widmen kann.

Ich hatte diesmal ehrlich gesagt große Angst vor dem 8. Tag im 2. Zyklus. Ich habe natürlich, naiv wie man ist, wieder in einem Blog gelesen, nachdem ich am 4. Tag Knochenschmerzen als neues Symptom festgestellt hatte. Also „Knochenschmerzen BEACOPP Erfahrung“ gegoogelt und zack landet man in wie so häufig einem Forum. Liest sich durch die Zeilen, Knochenschmerzen hatte die auch, ist also normal. Und oh, 8. Tag, 2. Zyklus, kann ich auch noch schnell lesen. Ab da ging es ihr richtig schlecht, schreibt sie. Scheiße, dann wird es bei mir auch so sein. Muss ja, weil die Knochenschmerzen habe ich auch. Ich bin blöd. Richtig blöd. Ich kenne das doch. Wie schnell man doch in diesen Jammerstrudel mit reingezogen werden kann. Große Panik um nichts, wie sich dann rausstellt. Ich bin jetzt wieder klar im Kopf und weiß, dass das Befinden in der Chemotherapie nunmal bei Jedem anders ist. Oder Moment, vielleicht bin ich auch einfach anders? Wenn es doch bloß allen gehen könnte, wie mir.

Vermutlich hat die aus dem Blog einfach nur keine Haferflocken und Chiasamen gegessen und trinkt keine Mandelmilch, Antioxidantien- und Eisensaft. Auf die richtige Ernährung in der Chemotherapie kommt es schließlich an, sagt man. Und weil meine Blutwerte ausgesprochen gut sind, hat man gestern nach der Blutentnahme zumindest gesagt, muss das ja irgendwo her kommen. Ich habe mir früher nie so die Gedanken über meine Ernährung gemacht. Ich mag Obst und Gemüse, ja. Aber wenn man das Glück hat und nicht zunimmt, wenn man leckerstes Essen, was andere nur angucken müssen, verschlingt, dann tut man das auch gerne.

Lieblingsspeise – eindeutig Sushi! Es gibt nichts Leckereres! Gott sei Dank geht es Schatzi da genauso. Wir zelebrieren Sushi essen dann auch immer richtig: Den ganzen Tag essen wir nur sehr wenig und 2 Stunden vorher trinken wir dann viel, damit ganz viel köstliches Sushi in den Bauch passt. Ich liebe auch Rind, als Steak natürlich medium-rare, aber auch roh als Tatar oder Carpaccio. Lammfilet mag ich auch sehr gerne. Scampi, Lachs und Thunfisch. Pizza, egal was drauf ist. Nudeln bis zum Abwinken. Blattspinat und Brokkoli. Und Käse in allen Variationen: Käsefondue, Käsespätzle, Ofenkäse, gebackenen Camembert – nur Harzer, den mag ich nicht! Auch Gulasch oder Bolognese, wenn sie selbstgemacht sind! Oh, wie ich leckeres Essen liebe. Ich weiß, das ist gemein, aber zur Strafe hab´ auch ich jetzt Hunger auf all das.

Zurück zum Haferbrei – was für eine gekonnte Überleitung, so von Steak zu Haferflocken. Ich habe mich also mal aufgerafft und geguckt, ob an meiner Theorie, dass meine 5 derzeitigen Hauptnahrungsmittel mit meinem Wohlbefinden zu tun haben, etwas dran sein kann. Da denkt sich Einer, so ´n bisschen Haferbrei – aber weit gefehlt meine Lieben. Ihr werdet staunen, was das Körnchen so alles kann: Neben den zahlreichen Mineralien (Natrium, Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Kieselsäure, Zink, Mangan und Chrom) enthält es Schleimstoffe, die einen schützenden Film über die empfindlichen Schleimhäute legen. Vermutlich, und das glaube ich wirklich, habe ich deshalb relativ wenig Beschwerden mit meinen Schleimhäuten – vor allem im Mundraum. (toi,toi,toi) Haferbrei stärkt außerdem die Nerven, kann sogar beim Drogenentzug helfen, schenkt Wärme und Energie, beruhigt, verbessert den Schlaf, nimmt akute Angstzustände und muntert bei Niedergeschlagenheit auf. Hallo, warum hab´ ich das Zeug denn nicht schon vorher gegessen? Da würd´ ich mal sagen: Ran an die Schüsseln – wer keinen Haferbrei isst, hat selbst Schuld!

Nun zu den Chiasamen. Ich dachte vorher, dass es eher so ein neumodisches must-have ist. Kommt ja keiner mehr hinterher bei den ganzen ach-so-tollen neuen Lebensmitteln. Acai, Goji, Chia – muss man alles mal getestet haben, um hip zu sein. Teuer sind die Samen, ja. Aber die können wohl auch wirklich was. Es gibt zahlreiche Studien über all die positiven Eigenschaften von Chiasamen, nur im Bereich Krebs und Chemotherapie dann noch keine, die wirklich was beweisen. Immerhin wird ihnen zumindest eine positive Unterstützung nachgesagt und deshalb kommen sie auch weiterhin ins Müsli. Und wenn´s nur für das gute Gewissen ist.

Über meine Mandelmilch kann ich hingegen nichts in Bezug auf Chemotherapie oder Krebszellen finden. Gesund ist sie auf jeden Fall. Und mal ehrlich, bei der Anzahl an Leuten, die lactoseintolerant sind, kann mit der normalen Milch ja auch irgendwas nicht mehr stimmen. Ich kann mindestens 15 Leute aus dem Arm schütteln, die Milch nicht vertragen. Ach, als die Kühe noch auf der Wiese grasen durften, war die Welt noch in Ordnung. Aber, ganz nebenbei gesagt, schmeckt mir die Mandelmilch oder auch die Kokosmilch sogar viel besser als die normale. Ist also eine Win-Win-Sache.

Anders sieht´s dann mit meinen Säften aus. Über die lese ich tatsächlich gar nichts Gutes. Ohne Ausnahme ist der Tenor: Lasst uns die Leute verarschen und ihnen das Geld aus der Tasche ziehen. Wir wollen gesund sein, natürlich – und wenn auf dem Saft draufsteht, dass der mich gesund macht, dann macht er das ganz sicher auch. Tolles Marketingkonzept kann man da wohl nur sagen. Also, ich bin drauf reingefallen. Wenigstens schmeckt er. Schädlich ist er wohl auch nicht. Nur der Eisensaft kann in hohen Dosen schädlich sein. Unser Körper hat in der Regel genug Eisen und eine erhöhte Zufuhr kann dann sogar das Gegenteil bewirken.

So, und was lernen wir nun daraus? Nachdem ich bei meiner Recherche auf die wirklich wildesten Chemotherapie-Diäten gestoßen bin – ihr glaubt nicht, was einige Leute sich freiwillig antun und dann auch noch behaupten, dass sie davon vom Krebs geheilt wurden – habe ich beschlossen, dass ich bislang ja ganz gut mit meinem Lilli-isst-das-was-Caty-will-Ernährungsplan gefahren bin und esse einfach weiterhin das, worauf ich Lust habe. Mit den Haferflocken habe ich ja nicht angefangen, weil ich wusste, dass sie gut sind, sondern, weil ich immer so wahnsinnig Appetit auf einen getreidigen Geschmack im Mund hatte. Klar, man soll sich schon ausgewogen ernähren – beschäftigt euch auch unbedingt selbst damit. Aber mein Blutbild gibt mir schließlich Recht. Schade irgendwie, dass ich nun also keine Millionärin mit einem der Bücher „Haferflocken-Antioxidantien-Diät – wie man Krebs wirklich besiegt“, „Chia-Mandelmilch-Krebstherapie – die neuen Erkenntnisse über Krebsheilung“ oder „Der einzig wahre Ernährung in der Chemotherapie “ werden kann. So und nach so viel Essen wollen wir doch mal sehen, was der Kühlschrank heute so zu bieten hat. Guten Appetit!

Leave a comment

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>