Schleimhäute-Bingo! 

5 in einer Reihe? Bingo!

Augen – Tränen
Nase – Läuft
Mund – Zunge & Zahnfleisch entzündet
Vaginalschleimhäute – Brennen
Schmetterlingskanal – Fissur

Da freut man sich auf die medikamentenfreie Woche und dann sowas! Alles auf einmal. Nicht, dass ich mir davon die Laune verderben würde, aber nervig ist das schon. Ich weiß noch, wie ich in der ersten Chemotherapiesitzung mit einer Frau gesprochen habe und ihr plötzlich ein langer Tropfen aus der Nase lief. Sie hat es erst gar nicht gemerkt, so schnell ging das. Bäh – das fand´ ich wirklich eklig. Und nun hechte ich selbst wie eine wildgewordene Katze zur Taschentuchbox – ich habe überall welche verteilt, zu irgendeiner schaffe ich es also immer – um rechtzeitig reagieren zu können und mir die Peinlichkeit zu ersparen.

Krebs zu haben bringt mich insgesamt übrigens ganz schön oft in peinliche Situationen: „Einmal Canesten extra, bitte.“ Das ist das Einzige, was ich aus der Werbung kenne und ich dachte, so komm‘ ich am Einfachsten aus der Nummer raus. Leider kennen mich die Apotheker(innen) inzwischen mit Namen und wissen, dass ich „die mit Krebs“ bin. Also plaudert die Apothekerin drauf los: „Oh ja, die Schleimhäute. Das ist wirklich unangenehm. Haben Sie schon mit ihrer Ärztin gesprochen?“ „Nein.“ „Ich würde eine Creme empfehlen gegen die Trockenheit. Oder juckt es auch richtig?“ 
Ich denke: „das geht dich gar nichts an, gib‘ mir einfach die Creme.“ Ich sage: „ich weiß nicht recht, es brennt halt.“ Sie: „Das klingt, als wenn es einfach nur trocken ist. Das ist ganz normal.“ Ich denke: „normal ist daran gar nichts!“, sage aber nichts. Sie: „Kommen Sie mal mit, ich zeig‘ Ihnen die Creme.“

Man muss dazu wissen, dass ich nicht alleine in dieser Apotheke bin und nun soll ich mich, mit Verkäuferin, vor die Vaginalpflegeprodukte stellen und darüber sinnieren, welche die beste ist – das erzeugt mir deutlich zu viel Aufmerksamkeit. Wie unauffällig es doch hätte sein können, wenn ich einfach heimlich an diesem Regal vorbei gehuscht und mit Sonnenbrille direkt an die Kasse gelaufen wäre. Nun fühlt es sich an, als wäre ich mit Leuchtkegel auf dem Kopf in die Apotheke gerannt und hätte laut „Hallo Allerseits, können Sie mir bitte Alle kurz eben bei der Wahl der richtigen Behandlung bei Brennen im Intimbereich aufgrund einer Chemotherapie helfen? Auch Sie vielleicht vor der Babynahrung und Sie da hinten bei den Bonbons!“ gerufen. Zu allem Überfluss ruft nun die Frau, die in ihrer pharmazeutischen Ausbildung wohl keinen Kurs in Diskretion hatte über das Regal und rückversichert sich bei einer Kollegin, ob die Wahl der Creme tatsächlich die Beste sei. Ich möchte versinken, so ein Mundschutz wär jetzt super gewesen.

Ich kaufe übrigens nichts, bei der großen Auswahl kann man nur das falsche kaufen und womöglich auch noch das Produkt, welches Kreuzreaktionen mit der Therapie herbeiführt. Nach Rücksprache mit Frau Dr. Ständig-Lächelnd – vielmehr mit der Krankenschwester, was zu meinem Kopfkino: „Alle mal herhören, hier ist die Frau mit Lilli am Telefon. Sie hat vaginales Brennen und fragt, was Sie nehmen soll“ führt. Auch die Station weiß nun also Bescheid. – soll ich übrigens doch Canesten kaufen und Fenchel-Sitzbäder nehmen. 2 x Peinlichkeiten für nichts also, bloß weil die PTA meint, sie will sich mal die Beine vertreten und durch die Gänge laufen, oder was?

P.S.: Für die Augen und die Nase gibt´s übrigens Tropfen / Sprays. Aber im Moment verzichte ich darauf noch, solange es sich in Grenzen hält und meinen Mund hab´ ich mit Haferbrei und Mundspülung auch schnell wieder hinbekommen.

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