10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 2/10

2/ 10 Googeln und stark sein

Weiß ich wie Morbus Hodgkin entsteht. Woher der Name kommt? Ist mir völlig Banane! Wenn Forscher seit Jahrzehnten nicht mal den Alkoholschmerz erklären können, die Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken bei 0,1 %, und die daran zu sterben bei <0,1 % liegt, dann hilft mir das kein bisschen weiter. Heilungsrate 75 %. Na und? Wer rechnen kann, merkt schnell: es gibt noch 25 % auf der anderen Seite!

Wozu sich also damit auseinandersetzen, wenn es augenscheinlich doch nichts bringt? Auch ohne Hintergrundwissen würde ich am Tropf hängen und die Wahrscheinlichkeiten sich dadurch keineswegs wandeln. Es ändert tatsächlich rein gar nichts an der Tatsache krank zu sein, aber es gibt mir einen Teil des Bodens zurück, den ich mit der Diagnose Morbus Hodgkin verloren geglaubt hatte. Sich mit Lilli auseinanderzusetzen bedeutet, sie zu akzeptieren – zumindest vorübergehend. Ich habe das Gefühl, Kontrolle zurückzubekommen und das Gefühlschaos nach der Diagnose zu ordnen. Hass auf die Krankheit, die vorübergehend Teil meines Körpers ist, kann ich auch noch haben, wenn ich weiß, was in den nächsten Tagen passieren wird. Verschwinden wird Lilli nicht, nur weil ich sie ignoriere. Und für Selbstmitleid habe ich noch 4 Monate ausreichend Zeit.

Klar, Dinge, die einem nicht gefallen, schiebt man gerne etwas beiseite. „Krebs-Jargon erlernen“ hätte auf meiner To-Do-Liste noch lange hinter „Fenster putzen“ gestanden. Aber wo ich grad bei meinem eigenen Alkoholschmerztest war und das Glas Wein seine Wirkung zeigte, war ich auch endlich mutig genug, die Suchmaschine anzuschmeißen.
Also hab´ ich die Wahl, mir aus „Ich-verstehe-nur-Bahnhof-Informations“- oder „Mitleid-Sammelhaufen-Erfahrungs“-Seiten das notwendige Wissen zu ziehen.
Wahrhaftig keine leichte. Schnell stelle ich fest, dass ich Foren zunächst meiden sollte. VOR der Chemotherapie will ich nämlich nicht wissen, wie sehr andere im Selbstmitleid baden können. Einige machen das nämlich mit Taucherbrille, Badekappe und Nasenklammer. Oh, ich lande natürlich trotzdem häufig auf diesen Seiten, die sind so anziehend, wenn es einem schlecht geht. Da gibt es andere, die einen verstehen, gleiche Symptome haben – das ist wie Wassermelone im Sommer. Fühlt sich gut an. Aber Wassermelone lockt Wespen an. Und die stechen. Das tut dann weh. Ich vermute, die Metapher ist einleuchtend.
Bleiben also die „Ich-verstehe-nur-Bahnhof-Informations“-Seiten, die man auch schnell knicken kann. Theoriegeschwafel ist nicht das, was ich wissen will. Ich will wissen, wann die Haare ausfallen, ob ich noch Kinder kriegen kann, welche Möglichkeiten es gibt, wie eine Chemo abläuft, welche Nebenwirkungen auftreten, wie ich mich vorbereiten kann, ob ich mich um krankenkassentechnische Sachen kümmern muss.

Aber wer denkt, dass es leicht ist, sich mal eben ein wenig darüber zu informieren, der hat noch keinen Krebs gehabt. Vielleicht soll es eine Art Crash-Kurs sein, die Vorstufe für den richtigen Kampf?! „Kämpfe dich zunächst durch alle Seiten des Internets, um dich von Isolation, Angst, Selbstmitleid oder Hass zu befreien und wenn du dann noch stark bist, kann die Chemo losgehen.“

Oh ich weiß, man will irgendwann nicht mehr hören, stark sein zu müssen, aber wie man es auch dreht, anders geht´s nicht. Und damit es für euch ein bisschen leichter wird, habe ich zumindest versucht, auf einige Fragen antworten zu geben. Also stellt euch mal nicht so an 😉

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