fight_round4

Nun gehts mir schlecht. Na und?

Aktuelle Lieblingsposition? Beine auf dem Sofa, Oberkörper auf dem Fußboden! Der 4. Zyklus rüttelt außerdem ordentlich am Übelkeitsbaum. Nach dem Essen ist mir grundsätzlich schlecht, Hunger hab´ ich trotzdem. Kortison ist echt ein Teufelszeug. Knochen schmerzen, der Weg zur Toilette erinnert mich an den Marathon, den ich im Leben niemals laufen werde. Finger kribbeln, sind leicht taub. Kommt vom Oncovin (Vinchristin) am 8. Tag. Kann man absetzen, werd´ ich vielleicht. Herzrasen hab´ ich, vermutlich weil ich mich an die Lebensmitteleinschränkungen, die das Natulan mit sich bringt, nicht halte. Wenn es danach gehen würde, dürfte ich nämlich nichts mehr essen. Da soll mein Herzchen lieber ein bisschen höher hüpfen, als dass ich auf Fleisch, Fisch UND Käse verzichte. Nebenwirkungen hin oder her.

Fragt also nicht, wie´s mir geht. Jammern könnte ich genug. Aber was hilft das Gejaule? Hab´ ich doch die letzten Zyklen einfach mal ordentlich Schwein gehabt! Und langsam wird´s ja auch Zeit, dass es den guten Zellen an den Kragen geht; nicht, dass von Lilli noch was übrig bleibt und ich auch noch durch die Bestrahlung muss. Außerdem werde ich umsorgt. Vitamin-Mum kocht, was immer ich mag und Schatzi ist lieb und ärgert mich nicht.

Frickolino ist endlich auf der Welt, Candy-Brandy hat heute Geburtstag, Ini-Bini schickt weiße Kinder-Buenos und eine selbst gestrickte Mütze. Letzte Woche konnte ich sogar mit Perücke, Schatzi, Hulky und Katinka ins Freibad und abends bei Grillfleisch ein Sektchen schlürfen. Ist das schön, das Leben geht also nach wie vor weiter, mit mir und immer weniger mit Lilli.

Okay, in einer Woche geht´s „richtig weiter“, im Moment lebe ich eher so im Modus „Pause“. Aber das wird ja auch wieder vergehen. Ist halt jetzt mal paar Tage Scheiße, aber die 3. Zykluswoche kann ich schon rufen hören. Blöd nur, dass man nun so viel Zeitüberschuss hat, über das Leben zu philosophieren. Da hilft auch das Puzzeln nicht. Was man so damit anfangen will, wenn man denn wieder fit ist. Ob sich dann was ändern soll? War doch eigentlich alles okay so, wie es war, oder? Luft nach oben gibt´s immer, klar. Albern irgendwie, dass man über sowas auch immer erst nachdenkt, wenn man krank ist. Würde ich nach wie vor am Telefon sitzen und mit Engelszungen auf meine Mieter einreden, hätte ich ja auch keine Zeit dazu gehabt. Will ich danach eine Kur? So mit Leuten, die das Gleiche durchgemacht haben? Kann Aquafitness und ´ne Fußzonenreflexmassage mir das zurückgeben, was Lilli mir genommen hat? Hat Lilli mir überhaupt was genommen, was ich mir nun zurückholen müsste? Wie steige ich außerdem in die Arbeit wieder ein? Heißt es dann: „Lilli ist weg, ab morgen können Sie wieder arbeiten“? Hamburger Modell klingt gut, muss ich mich mal erkundigen. In 6 Wochen bis hin zu 6 Monaten tritt man hier langsam, also stundenweise, wieder ins Arbeitsleben ein. Aber brauch´ man das oder reicht ´ne Woche Urlaub? Zwei vielleicht?

Fragen über Fragen. Auf die Antworten müsst ihr euch leider noch etwas gedulden, denn die muss ich mir nun irgendwie selbst noch erarbeiten. Wie immer halte ich euch mit meinen Gedanken aber auf dem Laufenden.

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