10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 5/10

5/10 Abschiedsparty schmeißen

Oh, gewiss ist mir erstmal nicht nach Party zumute, als ich die Diagnose Morbus Hodgkin erhalte. Hätte mir jemand gesagt: „Und jetzt schmeißt du erstmal ´ne Party“, alter Schwede, dem hätte ich aber ´n Vogel gezeigt! Als wenn ich jetzt nichts Besseres zu tun hätte?!

Ich hatte ja nicht mal Zeit, mich auf die Chemotherapie vorzubereiten, weil alles ganz schnell gehen musste. Außerdem muss ich zu den ganzen Untersuchungen und eh ich es realisiere, steht der Termin für mein „erstes Mal“. Aber mal Spaß beiseite, was habe ich denn besseres zu tun? Mich in den Krebs reinsteigern vielleicht? Eigentlich – und wenn man es nun rückblickend betrachtet – sollte ich ab dem Zeitpunkt der Diagnose nichts Wichtigeres mehr zu tun haben, als es mir noch mal richtig gut gehen zu lassen.

Dass meine Geburtstagsparty mit Chrissi schon geplant und organisiert war, war also irgendwie das Beste, was hätte passieren können. Alle waren eingeladen, das Buffet stand – Partyplanung überlasse ich schließlich nicht dem Zufall. Einen Rückzieher wegen Lilli hätten natürlich alle verstanden, aber ich wollte es meinem Morbus Hodgkin Lymphom nochmal zeigen. Alkohol, Kaffee, Cola sind in der Chemotherapie nicht so gut, sagt Frau Dr. Ständig-Lächelnd. Soziale Kontakte bleiben auch etwas auf der Strecke und die Partylaune hält sich eher in Grenzen, wenn man so von der Chemotherapie nach Hause torkelt und sich im Bett die Nachwirkungen des Cocktails nochmal durch den Kopf gehen lässt. Na dann muss ich wohl vorarbeiten. Und was kann es Schöneres geben, als sich mit ein wenig Tamtam, ein bisschen Wein, Musik, Gegrilltem, den richtigen Leuten und noch ein bisschen mehr Wein für ein paar Monate vom richtigen Leben für den Kampf gegen Morbus Hodgkin zu verabschieden?

Es geht gar nicht darum, die legendärste Fete zu veranstalten, an die sich am nächsten Tag keiner mehr erinnern kann, weil man nach dem Fusel aus dem untersten Regal gegriffen hat. Vielmehr darum, noch einen Tag vollends zu genießen, für ein paar Stunden zu vergessen, dass ´ne Scheiß-Zeit auf einen zukommt und zu sehen, dass man nicht alleine ist – es sind ja nicht alle nur wegen des Weins-for-free auf meiner Party.

Hätte ich keine Lust auf Party gehabt und auch noch ein wenig mehr Zeit, dann hätte ich mich zumindest nochmal ordentlich durch alle Restaurants geschmaust, vielleicht noch ´n Wellness-Trip eingelegt, um Power zu tanken. Aber das verlege ich jetzt als To-Do einfach ans Ende der Therapie-Zeit, das geht auch klar.

Ich plane übrigens schon jetzt die „Who-the-fuck-is-Lilli – Party“. Es wird Schatzis legendäre selbstgemachte Burger geben – er macht die Brötchen sogar selbst und die sind abgöttisch fantastisch. Mit Guacamole und Bacon. Krebsfleisch als Vorspeise, das fände ich ziemlich witzig. Rosé-farbenen Lilli-Gedenkwein. Mehr verrate ich noch nicht. So, aber nun habt ihr auch keine Zeit mehr zum Lesen, ihr müsst ´ne Morbus Hodgkin Party planen – also go for it!

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