10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte 7/10

7/10 krebstaugliche Wohnung

Ich hab´ mich nicht vorbereitet. Hat mir ja auch keiner gesagt. Da bin ich also im ersten Zyklus und, super (Ironie), stelle also fest, was alles fehlt.

Konnt´ ich doch nicht ahnen, dass man nun so doll schwitzt, dass man 2 Bettdecken und Kissen braucht. Nicht Bezüge, die braucht man auch, aber ich meine das richtige Bettzeug. Ist das erste nämlich so klitschnass als hätte man ´ne Flasche Wasser´drüber gekippt, muss ich es austauschen. Geht nicht anders, es ist zu nass um weiter drin zu schlafen und umdrehen hilft nicht, die Decke ist einfach durch. Als lege ich es zum Trocknen auf´s Sofa und nehme mir das frische. Gott sei Dank besitze ich überhaupt ein weiteres und auch einen guten Matratzenschoner, sonst müsste ich mir nach der Chemo sicher auch gleich eine neue Matratze kaufen.

Gleiches gilt für Schlafwäsche. Welcher normale Mensch braucht schon 3 Shirts in der Nacht? Und die Chemo riecht auch noch so eklig, wenn man sie ausschwitzt. Also kann man die auch nicht nochmal tragen, wenn sie wieder trocken sind. Schatzi muss also los, hilft ja nichts, und ein paar Tops kaufen. Möglichst in einer Farbe, damit man die schnell waschen kann. Stolz kommt er zurück, zeigt mir die unterschiedlichen Modelle. Süß.

Wo Schweiß ist, sind nun aber auch Bakterien. Und im 40-Grad-Waschgang gehen die mal überhaupt nicht weg. Also wasche ich auf 90 Grad und versaue mir die Wäsche. War also keine gute Idee. In der Drogerie werde ich dann aber schnell fündig: Waschmittel, das 99 % aller Bakterien entfernt. Ist gebongt, her damit!

Aplasiephase, also, möglichst absolut keine Bakterien. Davor hab´ ich irgendwie gar nicht so drüber nachgedacht, wo die überall sind und wie dich sich verteilen. Am Anfang verfalle ich regelrecht in eine Keime-Paranoia. Überall könnten sie sein. Inzwischen bin ich nun wieder gechillter. Mit guter Seife und Desinfektionsmittel, auch für unterwegs, fühle ich mich ausreichend in der Wohnung gewappnet. Und bevor Schatzi mich nach der Arbeit begrüßt, wäscht er sein Gesicht und desinfiziert die Hände. Gute Creme brauch´ ich nun halt noch, weil die Hände sonst so austrocknen.

Zahnbürste und Handtücher wechsel´ ich einfach ständig. Vermutlich viel zu häufig, aber glücklicherweise besitze ich von Letzteren mehr als genug.

Da ich keinen grünen Daumen habe, muss ich mich also nicht von geliebten Pflanzen, denen ich einen Namen gegeben habe, weil sie schon so lange existieren, trennen. Das sind nämlich Keimfänger, genauso wie Obstschalen. Weg damit.

Als mir dann übel wird, stelle ich erschreckend fest, dass ich keine geeignete Schüssel besitze. Oh mein Gott! Wo soll ich denn bitte hinspucken, wenn ich es mal nicht bis ins Bad schaffe? Der Weg ist zwar frei, auch nachts und mit Schwindel ohne Verletzungsgefahren erreichbar, aber drauf ankommen lassen will ich es nicht. Panik droht aufzukommen. Vitamin-Mum hatte immer eine gelbe Schüssel, die es nur dafür gab. Oder zum Wäsche in Chemikalien einweichen. Ich besitze sowas nicht. Seit meinem Auszug vor 4,5 Jahren hatte ich anscheinend keinen Magen-Darm-Virus mehr, in der ich sie hätte schon vorher gebrauchen können. Aber ich habe Glück, Vitamin-Mum hat die gelbe Schüssel noch und kann sie, zumindest vorübergehend, entbehren. Fühlt sich auch gleich viel heimischer an, so die Aussicht in die gewohnte Spuckschüssel zu spucken.

Perfekt, nach all den Vorbereitungen, okay, bei mir waren es eher Nachbereitungen, ist die Wohnung nun krebstauglich!

One thought on “10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte 7/10

  1. Hallo,
    ich mal wieder.

    Also die Sache mit dem Schwitzen kenn ich so gar nicht. Im Gegenteil, ich hatte vorher als Begleitsymptom den Nachtschweiß und seit ich behandelt werde hab ich nur noch in 2-3 Nächten nach Tag 8 ganz leichte Anfälle von Nachtschweiß, aber nicht so, dass ich Klamotten, geschweige denn Bettzeug wechseln müsste.
    Ein Eimer für die Übelkeit steht auch sehr undekorativ neben meinem Bett. Ich hab ihn aber noch nie benutzen müssen. Bisher war mir am Tag 1 abends schlecht und in den frühen Morgenstunden von Tag 2, 3, und 4. Aber da nicht so schlimm. Ich sag immer, dass fühlt sich an wie schwanger.
    In Sachen Aplasiephase hab ich festgestellt, so ein Gästebett ist ne sinnvolle Einrichtung. Wenn man nen hustenden Ehemann und 2 verrotzte Kinder zu Hause hat, sollte man sich ins Exil, äh Gästezimmer, flüchten.
    Während der Aplasie hab ich auch so meine Bediensteten um mich. Kindergarten, Einkaufen, Putzen… Mein Schatz, meine Kinder und die Schwiegermutter müssen dann ran. Ich bin da eigentlich nur zur Dekoration in der Wohnung. Essensmäßig kommt nur durchgegartes auf den Tisch, Salami, roher Schinken, Matjes, Käse aus Rohmilch,… ist in dieser Woche nicht.
    Was für die Aplasiezeit für mich auch noch wichtig ist: sich was zu tun suchen. Sonst wird man Gaga, wenn man nicht unter Leute soll. Ich hab mich mit Büchern eingedeckt und das Handarbeiten wieder angefangen.
    Mit Desinfektionsmittel hab ich noch nicht gearbeitet, aber Händewaschen ist das A und O. Und die Kinder müssen nach Kindergarten und Schule erstmal Klamotten wechseln. Bussis gibts in dieser Zeit auch keine.
    Catrin

    Catrin Antworten

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