Hodgkin Lymphom

Pawlow? Was will der denn jetzt?

Schon Tage zuvor war da der Gedanke an Montag, den 5. Zyklus. Der so schlimm werden wird, wie alle prophezeiten. Also übte ich mich mit Burger, Lieblingspizzeria, einem Besuch im Hamam mit Abschluss im Hooters inklusive Pina Colada in gewohnter Kompensationstechnik. Gut, ein kleines Tränenbad am Sonntag Morgen aus Angst blieb dennoch nicht aus, trotzdem fühlte ich mich gewappnet.

Müsli gegessen, Medikamente genommen, Taxi gerufen, Sea-Bänder an. Sorgen-Mutters Stimme im Ohr, über Pawlow. Einen Nobelpreis hat er dafür bekommen, weil er entdeckt hat, dass man Reflexe erlernen kann. Am Beispiel eines Hundes und seinem Verhalten bei der Gabe von Futter hat er es bewiesen, aber am Beispiel Mensch bei der Gabe von Chemotherapie mit einhergehender Übelkeit lässt es sich ebenfalls problemlos anwenden. Der Körper verknüpft nämlich schneller als einem lieb ist den Gedanken an Übelkeit mit dem Gebäude, dem Arzt, der Schwester oder Ähnlichem. Und dann hat man den Salat. Dann braucht einem nämlich gar nicht schlecht sein, aber der neu erlernte Reflex suggeriert einem, dass es halt dazu gehört, wenn man das Gebäude betritt oder Frau Dr. Ständig-Lächelnd über den Flur flaniert.

Also rufe ich Vitamin-Mum an, als ich aus dem Taxi steige – in der Hoffnung, dass ich sie nicht irgendwann mit der Übelkeit verknüpfe. Schließlich ist sie ja auch immer da, wenn mir schlecht ist. Schwester Plapperschnute hat mir erzählt, dass sie 2 Jahre nach einer Chemotherapie in der Stadt mal eine Patientin getroffen hat, die sich zunächst tierisch gefreut, aber dann sofort auf der Straße erbrochen hat. Aber alles läuft gut, Vitamin-Mums Ablenkungstelefonat hilft und Pawlow, wer ist eigentlich Pawlow?

Ich bin also vorbereitet, hänge am Tropf, fahre nach Hause, warte auf die vorhergesagte starke Übelkeit – nichts passiert. Es geht mir richtig gut. Tag 2, gleiches Spiel. Keine Übelkeit, bisschen müde. Tag 3 und 4, gleiches Szenario. Schwitzen, ja, Würgreiz ohne Erbrechen an Tag 3, aber im Vergleich zu Zyklus 4 oder 3, ist das nun echt Pillepalle. Das passt nicht. So war das nicht besprochen.

Nö, einfach ist es nicht, es mir Recht zu machen. Man kann nämlich nicht einfach daher kommen und sagen, es wird furchtbar und mit jedem Zyklus immer schlimmer und dann kommt da nichts. Schließlich habe ich mich minuziös darauf vorbereitet. Aber nun sitzt sie da, ganz hinten in meinem Kopf und lacht sich ins Krebsfäustchen.

Klopf, klopf. Wer ist da? Die Miesmacher-Lilli. Geh weg! Nö! Was willst du? Dich verunsichern! Warum? Weil das meine Aufgabe ist. Hau ab! Zu spät, du hast mich schon reingelassen. In einer Verfilmung dieses Dialoges würde nun noch ein Satanslachen erklingen, um die Dramatik perfekt zu machen. Sie will, dass ich denke, dass sie wieder da ist. Mir geht es gut, weil die Chemotherapie wieder auf Tumorgewebe wirkt und nicht auf meine gesunden Zellen.

Halt, Stop! Wer mich nun eines Besseren belehren will, der muss sich anstellen. Ich stehe nämlich schon ganz vorne und klatsche mir die flache Hand gegen die Stirn um mich wachzurütteln. Einfach mal hinnehmen, Fräulein Caty! Nicht hinterfragen, einfach nur freuen, dass es so ist. Zähneknirschend ergebe ich mich, auch wenn es schwerfällt.

Chemotherapie läuft eben nicht nach Plan. Keiner kann dir wirklich sagen, was auf dich zukommt. Es gibt Annahmen, aber du hast´s doch grad selbst gelesen. Auch ich kann dir nichts erzählen. Ich kann dir nur zeigen, wie ich mit meinen persönlichen Erfahrungen umgehe, in der Hoffnung, dass es auch dir ein wenig weiterhilft. In diesem Sinne reiß´ auch ich mich nun auch wieder am Schlüpper und hoffe, ihr macht´s mir gleich!

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