That´s it! Chemotherapie, der letzte Tag

Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt – das ist es wohl, was meinen letzten Chemotherapie-Tag am Besten beschreibt.

Ich denk so: „Hingehen, Port anstechen, Cocktail innerhalb von 50 Minuten reinlaufen lassen, Tavegil ausschlafen, gut fühlen und vor Freude heulen, dass alles vorbei ist.“

Es passiert Folgendes:

Ich wache eine Stunde vor dem Aufstehen auf, muss zur Toilette. Mir ist schlecht, ich übergebe mich. Ich schlafe weiter. Der Wecker klingelt, mir ist noch immer schlecht, ich übergebe mich erneut. 
- Und zu allem Überfluss kommt hier nicht mal, die bisher wirklich eher als Deko genutzte Spuckschüssel von Vitamin-Mum zum Einsatz, sondern lediglich der gute Ikea-Mülleimer. –

Weiter im Szenario. Ich esse Porridge, Vanille-Mohn, voll lecker. Im Auto spucke ich, den inzwischen aufgequollenen Porridge. Wenn ich einen Tipp geben darf: Porridge ist so ziemlich das Letzte, was man essen sollte, wenn einem schlecht ist. Polizei neben uns, Spucktüte undicht. Im Krankenhaus wird mir gesagt, dass ich 2 h zu früh bin, aber man versucht mich zwischenzuschieben. Ich warte insgesamt 3,5 h – Zwischenschieben hat also nicht geklappt – renne 4 Mal den Gang entlang zur Toilette. Auch die Tablette gegen Übelkeit landet direkt im weißen Keramik-Waschbecken des Behinderten-WCs. (Das war das, welches am schnellsten zu erreichen war.)

Endlich dran. Port anstechen. Mittel gegen Übelkeit. Endlich Besser. Schnelles Blutbild. Kurzes Bangen, aber hey, letzte Tag, schlechte Werte interessieren heute Niemanden. Also Tavegil rein. Bleo – wie die Insider es liebevoll nennen – ebenfalls rein. Dr. Motivationslos macht´s. Inzwischen mag ich ihn so gerne, weiß mit seiner mangelnden Motivation gut umzugehen und ich glaube er mag auch mich. Verabschieden und rumscherzen. Tavegil wirkt und ich habe Hunger. Zu Hause Nudeln reinschaufeln, sofort schlafen. Zeit, zu realisieren, dass es das jetzt war, hab ich nicht.

Um 17:30 Uhr werde ich wach, bin schlapp. Schatzi sagt, er realisiert auch noch nicht, dass es das jetzt war. Ich lade zum Essen ein, Chinesisch. Kein Sushi, aber voll lecker. Melonen-Eistee zum Anstoßen.

Zu Hause, beim Schreiben dieses Artikels, realisiere ich es langsam. Die Tränen, die ich vorher nicht locker machen konnte, laufen still über meine Wangen. Das war´s. Ich hab´s geschafft. Wirklich. Nie wieder – ich klopfe auf den Holztisch – Chemotherapie. Ich bin glücklich.

3 thoughts on “That´s it! Chemotherapie, der letzte Tag

  1. Glückwunsch!
    Und alle Daumen sind gedrückt, dass Lilli sich geschlichen hat.Darf ich Dich fragen, wie es bei Dir jetzt weiter geht? PET-Untersuchung? Andere Untersuchungen? Bestrahlung? Anschlussheilbehandlung?
    Ich muss damit meinen Arzt mal die nächsten Tage löchern. Hab da so viele Fragen.

    Liebe Grüße
    Catrin und mach dir jetzt ne schöne Zeit

    Catrin Antworten

    1. Hallo Catrin,

      vielen Dank.
      Natürlich darfst du fragen. In Kürze kommt jetzt der PET-Scan, Untersuchungen an Herz, Lunge und Niere. Dann habe ich ein Gespräch mit Frau Dr. Ständig-Lächelnd, die meinen Befund in der Tumorkonferenz mit Kollegen bespricht, und mir dann mitteilt, wieviel nun noch bestrahlt werden muss. Dass ich überhaupt bestrahlt werden muss, hat sie mir ja bereits gesagt, basierend auf Erfahrung. Im Stadium 1-3 kann es auch sein, dass man Glück hat. In der Regel wird empfohlen, dass Restgewerbe, das größer als 1,5 cm ist, bestrahlt werden soll. Dann, je nach Größe und Ausmaß des Restgewebes, werde ich 3-6 Wochen bestrahlt. Danach gibt es erneut eine Abschlussuntersuchung.
      Nach der Bestrahlung werde ich nicht in eine Reha gehen, aber es steht dir zu, diese in. Anspruch zu nehmen. Genaueres gibt’s natürlich jeweils in meinem Blog, sobald ich natürlich die Erfahrung gesammelt habe und sie mit
      Euch teilen kann. 😉
      Wie geht es dir aktuell? Wie lange hast du noch vor dir?

      Liebe Grüße, Caty

      Caty Antworten

  2. Danke für Deine Auskünfte.
    Aktuell hab ich die Chemo in Zyklus 4 hinter mir. Tag 11 ist heute. War heute morgen sehr zuversichtlich beim Arzt und hoffte auf gute Blutwerte, nachdem ich letztes Mal nicht in die Aplasie gefallen bin und auch am Dienstag noch mit guten Werten da stand. Pustekuchen. Ich wurde heute eines Besseren belehrt. Übers Wochenende ist mal wieder Isolation angesagt und am Montag erneute Kontrolle. Außerdem wurde mir für den nächsten Zyklus ne Bluttransfusion angekündigt. Der hb-Wert kann mich nämlich auch nicht mehr wirklich leiden. Aber das kennst du ja auch. Und ich bin stolz drauf mich bis jetzt ohne gehalten zu haben.
    Ansonsten vertrag ich wohl das Bleomycin nicht wirklich. Ich habe danach mit Schüttelfrost zu kämpfen, der von Mal zu Mal schlimmer wird. Das ging dieses Mal über 4 Stunden und danach schlug es ins Gegenteil um und ich hatte Schweißausbrüche. Option fürs nächste Mal: Weglassen, oder zusätzlich Cortison. Die beiden Ärzte meine Praxis wollen das nächste Woche klären.
    Und ich merke wie es von Zyklus von Zyklus schwerer wird. Ich habe nen großen Respekt vor den nächsten 7 Wochen.

    Ich bin gespannt auf deine weiteren Berichte. Irgendwie weiß ich dann immer ein wenig was noch auf mich zu kommt. Und ich kann meinen Arzt dann auch immer so schön mit neuen Fragen löchern.

    LG Catrin

    Catrin Antworten

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