PET-Scan – finde ich nicht so „interessant“

Heute war es also so weit: Die Untersuchung, die darüber entscheiden wird, wie es weitergeht, steht an. Die mir hoffentlich sagt, dass Lilli zu großen Teilen tot ist. Meine Krankenkasse war so freundlich und hat mir eine PET-CT-Untersuchung, auch PET-Scan genannt, genehmigt. Da die PET (Positronen-Emissions-Tomographie) eine der teuersten Bildgebungsverfahren ist, ist das nicht selbstverständlich. Aber diesmal war das Glück auf meiner Seite.

Nüchtern sollte ich kommen und 1 Liter Wasser getrunken haben. Mein Blutzucker wird getestet, 92 mg/dl, alles unter Hundert ist gut. Nach den Aufklärungen über etwaige Risiken des PET-Scans, geht´s dann los:

Über eine Kanüle wird mir ein radioaktiv markierter Zucker, meist Fluor-Desoxy-Glukose, injiziert. Die Menge ist für den Körper übrigens unbedenklich und macht keine Nebenwirkungen. Trotzdem werde ich darauf hingewiesen, dass ich mich heute von Kindern unter 1 Jahr und Schwangeren fernhalten möge. Nun muss der Zucker 1 h lang vom Körper aufgenommen werden. Hierfür muss ich entspannt und ruhig liegen, mich möglichst nicht bewegen, damit der Zucker nicht in die Muskeln geht und die Bilder gegebenenfalls verfälscht. Mit 3 Decken werde ich also zugedeckt, damit ich in dem klimatisierten Keller nicht friere. Ich wünschte, ich hätte meine Kuschelsocken heute Morgen angezogen, so kalt ist es. Schuld daran hat übrigens das teure CT-Gerät, wie der MTRA (medizin-technische Radiologieassisten) mir erklärt. Trotz Aufregung schlafe ich tatsächlich auf der Liege ein, sodass die Stunde wie im Flug vergeht. Nun soll ich meine Blase leeren und ab geht´s in die Röhre.

Die tatsächliche PET-Scan-Untersuchung in der Röhre dauert länger als in einem normalen CT; der MTRA sagt es sind 24 Minuten. Inzwischen kenne ich die fürchterliche Wirkung von Kontrastmittel, verfluche sie dennoch erneut. Dieses brennende Gefühl im ganzen Körper ist einfach nichts, woran ich mich jemals gewöhnen könnte. Das ganze Stillliegen macht mir nichts aus, aber ich muss daran denken, wie wohl Schatzis Bild bei so einer Untersuchung aussehen würde. Vermutlich würde der ganze Körper leuchten, bei so viel Bewegungsdrang, wie er immer hat. Vermutlich würde er mir sagen, dass die Untersuchung schlimmer war, als die Chemotherapie, aber ich bete zu Gott, dass er diese Erfahrungen nie sammeln muss. Nach den 24 Minuten kommt die Kanüle raus und ich soll noch kurz im Wartezimmer Platz nehmen. Die Decke nehme ich übrigens mit dort hin, weil ich inzwischen völlig durchgefrorenen bin.

Eigentlich war ich guter Dinge, dass es nun vorwärts geht, aber leider passiert dann Folgendes: der Arzt kommt nach einer Weile rein und sagt, dass er noch ein weiteres Bild von mir bräuchte. Mein Halsbereich sei „sehr interessant“ und er würde gerne eine Spätbildgebung haben, um „sicher zu gehen.“

Dass die Kanüle rausgezogen wurde, zeigt mir, dass dieses Vorgehen untypisch ist und seine Wortwahl lässt meine Ohren mächtig klingeln. „Interessant“ ist nichts, was ich nach meiner Chemotherapie in Verbindung mit Lilli hören möchte. Die zweite Bildgebung ist deutlich kürzer, danach kann ich gehen.

Im Auto kullern die Tränchen, ich habe Angst und meine Zuversicht, dass alles gut wird, wurde mit einem einzigen Wort – „interessant“ – zunichte gemacht. Im Moment habe ich das Gefühl, nicht ich selbst zu sein. Die Anspannung, nicht zu wissen, wie doll die Chemotherapie angeschlagen hat, ist jederzeit präsent und treibt mich in den Wahnsinn. Und dass ich auf die Auswertung der Bilder nun noch 7 Tage warten muss, verbessert meinen seelischen Zustand nicht. Auf Nachfrage teilte der Arzt übrigens mit, dass er mir über die Bilder nichts sagen kann, weil die Auswertung lange dauert und er mir eventuell etwas Falsches sagen könnte.

Der unrealistische Teufel auf meiner Schulter flüstert leise: „Er hatte nur keinen Mumm, dir zu sagen, dass Lilli noch da ist und nie wieder weggehen wird.“ Aber der Realismus-Engel siegt: „Er ist nicht befugt, dir ohne Tumorkonferenz Auskünfte zu geben. Und das 2. Bild dient nur zur Sicherheit, weil der Halsbereich damals eng befallen war. Besser sie gehen auf Nummer sicher, als dich unnötigerweise einer höheren Strahlenbelastung auszusetzen.“ Ich wünschte, ich könnte den Teufel von meiner Schulter schubsen, aber ich schaffe es nicht.

Gott sei Dank übernimmt Schatzi das, indem er mich an die Hand nimmt, mich ins Bett führt und sagt: „Wir kuscheln erstmal, das hilft bestimmt.“ Schatzi ist wahrhaftig kein Romantiker, aber wenn ich ihn brauche, ist er da. Danach kaufen wir Bizzl Mandarine-Mango, Dr. Pepper und weiße Twix – die Welt scheint in Ordnung. Zumindest bis morgen.

4 thoughts on “PET-Scan – finde ich nicht so „interessant“

  1. Oh je. Diese Warterei, diese Ungewissheit.
    Ich drücke dir die Daumen, dass nicht soviel Rest von Lilli da ist. Diesen Psychoterror mag niemand mit machen.
    Meine PET-Untersuchung ist im Moment zur Genehmigung bei der Krankenkasse. Mein Arzt sagt, wer im Rahmen der HD 18-Studie behandelt wird, bekommt die auf alle Fälle genehmigt. Naja und am Dienstag gehts mit Zyklus 5 weiter.
    Ich drück dir die Daumen für ein positives Ergebnis.

    Catrin

    Catrin Antworten

  2. Liebe Caty,
    ich bin von Beginn an stille Mitleserin und so oft kurz davor, dir ein Kommentar dazulassen. Warum ichs nicht getan habe? Hm… Weiß ich eigentlich gar nicht. Ich habe dir jedenfalls schon sooo oft Energie geschickt und da tu ich auch heute.

    Interessant ist ein wirklich deppertes Wort und da ist ihm bestimmt nur irgendwie so aus dem Mund gefallen. Alles ist gut. Alles wird gut.

    Liebste Grüße,
    Conny

    Conny Antworten

    1. Liebe Conny,

      vielen Dank für deine gedrückten Daumen.
      Anscheinend haben sie tatsächlich etwas gebracht!

      Liebe Grüße,
      Caty

      Caty Antworten

  3. Ich muss jetzt hier noch mal meinen Senf dazu geben. Es ist mir hoffentlich verziehen.
    Ich hatte gerade einen Anruf von dem Klinikum, in dem ich meinen PET-Scan bekomme, zwecks Terminvereinbarung. Und die Dame am Telefon war sehr nett.
    Ich fragte dann, ob dann danach irgendeine Besprechung stattfindet, oder wie das mit der Ergebnissen dann ausschaut.
    Also, für alle die es interessiert. Die werten Nuklearmediziner erhalten da kurz nach der Untersuchung nur ein grobes Gesamtbild vom Körper. Da kann man nur drauf sehen, ob noch Katastrophe herrscht, oder obs irgendwie besser ist. Mehr auch nicht. Ob da noch kleine Bereiche am „arbeiten“ sind und ob die noch behandelt werden müssen etc. sieht man da nicht. Deshalb wollen und können sich die Ärzte bei der Besprechung hinterher auch nicht festlegen und irgendwelche Auskünfte erteilen. Der Rechner dieses PET-Scanners hat dann noch gute 2-3 Stunden zu tun, bis er die richtigen Bilder liefert. Das muss eine Wahnsinns-Datenmenge sein. Bei mir wird es so laufen, das am späten Nachmittag die Bilder noch gesichtet werden, am nächsten Tag der Bericht per Mail oder Fax an den Onkologen geht und ich dann vermutlich dort 2 Tage nach dem PET-Scan zur Besprechung hin kann.

    Catrin

    Catrin Antworten

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