Urlaub nach der Chemotherapie – der Mann mit dem grauen Bart

16 Kilo mehr zeigt die Waage mit Koffer in der Hand an. Perfekt, also kann ich 5 Kilo shoppen. Noch immer bin ich im Funktionsmodus, denke nicht darüber nach, dass ich inzwischen gesund bin. Urlaub nach der Chemotherapie ist gebucht, also muss ich Koffer packen und dahin fliegen. Wie ein Termin Chemotherapie, da muss(te) man auch hin. Natürlich freue ich mich, realisiere aber nicht, dass ich mich nun erholen soll, oder nun endlich kann. Und zwar nicht nur ein paar Tage, bis der nächste Zyklus kommt.

Super-Dad sagt dem Typen, der das Auto am Flughafen entgegen nimmt: „Also dann, bis nächsten Sonntag.“ 20 Minuten später denke ich noch immer darüber nach und frage: „Warum hast du eigentlich vorhin zu dem Typen gesagt „bis Sonntag?““ Schnell stellt sich heraus, dass ich in meinem Funktionsmodus sogar überlesen habe, dass Super-Dad sogar 9 statt 7 Tage Urlaub gebucht hat.
Nicht, dass man sich als Frau darüber Gedanken machen müsste – man hat ja eh für 5 Jahreszeiten und 4 Wochen gepackt.

Angekommen, 27 Grad, frittierter Tintenfisch mit Aioli, später Erdbeerdaiquiri (spür‘ ich da grad Alkoholschmerz?), noch verliere ich beim Billard, aber ich habe auch lange nicht mehr gespielt – ja, ich erinnere mich, so fühlt sich gesund sein doch an, oder?

Auch wenn Horst mit mir an der Sangria nippt und Wellenhüpfen mit mir spielt -die sind wirklich arg hoch, so hoch, dass die gelbe Flagge gehisst ist. Trotzdem beginnt es, real zu werden, gesund zu sein; mit jedem Tag, den ich mich in der Sonne -natürlich eingecremt- erhole.

Der Tagesausflug nach Barcelona, in die Kirche La Sagrada Familia ist bedeutsam für mich. Natürlich haben viele während meiner Krankheit die Daumen für mich gedrückt, an mich gedacht, aber jemand hat für mich in dieser Kirche gebetet -vor Gott- und ich habe mich nun ordentlich vor ihm bedanken können. Gläubig bin ich nicht, aber seltsam plötzlich war meine Genesung schon. Vielleicht schicksalhaft und von dem Mann mit grauem Bart und weißer Kluft angeordnet?!

Bevor ich mich bedankt habe, habe ich ihm natürlich aber erstmal gesagt, wie wütend ich auf ihn bin. Ich habe den Grund für seine Prüfung nicht verstanden und fand es sehr gemein von ihm, mich zu wählen, aber ich habe sie gemeistert, die Aufgabe -in meinen Augen ohne ihn- aber nun ist er es mir in jedem Fall schuldig, mich und meine Beziehung, meine zu gründende Familie und meine bereits vorhandene Familie zu beschützen.

Wenn es ihn also gibt, dann weiß er, wie er es wieder gutmachen kann. Wenn nicht, habe ich zumindest die schönste Kirche der Europas gesehen und danach das Mango Shopping Paradies erkundet. Und so konnte ich doch einige Schnäppchen, einen gefüllten Tapasbauch, brennende Füße und Rückenschmerzen mit ins Hotelzimmer nehmen.

An das, was mich in Deutschland erwartet – Kälte, Arbeit, das „normale Leben“ – mag ich noch nicht denken. Nur an Schatzi, der mich vermisst, wie ich ihn. Und an Maronis Blick, wenn ich ihr sage, dass ich ihr, wie gewünscht, Muscheln mitgebracht habe, aber keine vom Strand, sondern welche, die ich gegessen habe. Hihi.

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