Arbeit ruft! berufliche Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell

Arbeiten, ja bitte. Stress, nein danke! Die Lösung: berufliche Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell! Endlich soll es losgehen, ich will! Zurück in mein altes Leben, in dem ich nützlich sein kann. Eine Aufgabe habe. Nur kann ich das, nachdem ich so lange von der Bildfläche verschwunden war, vielleicht nicht von 0 auf 100.

Klar, ich bin jung, dynamisch und, so hoffe ich doch, wieder belastbar, aber eine körperliche Umstellung ist ein 8-Stunden-Arbeitstag sicher. Und wenn ich schon die Kur nicht in Anspruch genommen habe, dann doch zumindest den gleitenden Start in die Arbeitswelt. Tut ja keinem weh.

Also mache ich einen Termin bei meinem Hausarzt Dr. Niceguy (wirklich sooo nett, fast ein wenig zu glatt) – die Sozialarbeiterin des Krankenhauses hätte das auch machen können, aber Dr. Niceguy war schließlich über meinen Krankheitsverlauf informiert und kennt mich bereits. Heimvorteil sozusagen. Oder: Hauptsache und wenn nicht zwingend notwendig nicht zurück ins Krankenhaus. Ich hab´ mir also vorher natürlich meine Gedanken gemacht und sag´ ihm, wie ich mir das vorstelle.
Und – siehe da – endlich läuft mal was auch so, wie ich es will. Die Kontrolle scheint den Weg zu mir zurückgefunden zu haben. Ich bestimme, Dr. Niceguy lächelt, wie immer, druckt den Plan, und alles was ich noch so brauche (Überweisungen für die 1. Kontrolluntersuchung Ende November, Gynäkologie und den Krankenschein für Lucky Grey). Mit Lucky-Grey habe ich das natürlich vorher abgestimmt, schließlich muss er den Wisch nun auch unterschreiben. Schaden tut´s ihm übrigens nicht, denn solange ich keine 8 h arbeite, beziehe ich weiterhin Krankengeld. Und dann ab zur Krankenkasse. Endlich mal was ohne übermäßig bürokratischen Aufwand. By the Way: Wer hat eigentlich das Prinzip von Auszahlungsscheinen erfunden? Bitte abschaffen, danke!

Nun muss ich nur noch hingehen. Am 02.11.2015. 4 Stunden pro Tag, 2 Wochen lang. Dann 5,5 Stunden, 2 Wochen lang. Und dann 7, ebenfalls 2 Wochen lang. Läuft alles nach Plan, bin ich am 14.12. wieder in Arbeit versunken. Eigentlich sollte ich sagen: „Läuft alles nach Plan, bin ich am 14.12. wieder in Vollzeit tätig.“ In der Hoffnung, dass ich Stress dauerhaft vermeiden könnte. Aber warum soll ich mir was vormachen? Jeder weiß doch, dass Stress inzwischen zu einem Arbeits-Alltag dazu gehört. Und ich werde schließlich nicht zu einem Mitarbeiter mutieren, der augenscheinlich „nicht belastbar“ ist. Keine Sorge, wird´s mir doch zu viel, kann ich den Plan jederzeit und so oft ich will verlängern, ändern, sogar abbrechen.

Aber ich finde, es wird nun Zeit, dass ich nicht nur auf dem Papier „gesund“ bin. Ich hätte gerne mein Leben zurück, ohne Samthandschuhe – oh Handschuhe brauche ich wirklich noch und schwarze Lederstiefel. Welche mit Absatz. Ohne hab´ ich ja schon. Stiefeletten auch. Nur die Stiefel, die brauch´ ich wirklich, wenn ich wieder arbeiten will. Schatzi, glaub´ mir.

8 thoughts on “Arbeit ruft! berufliche Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell

  1. Hallo,
    klingt ja alles total positiv
    Ich wünsche Dir alles Gute für deinen Neustart ins Berufsleben.

    Ich häng bis Mittwoch immer noch in der Warteschleife….
    Den Kurantrag hab ich heute zur Krankenkasse geschafft, mein Arzt meinte, dass kann ich schon mal tun. Die Kasse holt sich nun die Unterlagen vom Arzt.
    LG
    Catrin

    Catrin Antworten

  2. Hallo,
    ich wünsche dir auch weiterhin alles Gute auf dem Weg zurück ins Leben.
    Bei mir beginnt glücklicherweise morgen der letzte Zyklus, endlich.
    Was mich aber vor allem interessiert, wie hat sich denn bei dir das mit dem Kortison entwickelt? Ich fühle mich ziemlich unwohl mit meinem etwas „dickeren“ Gesicht, auch wenn’s vielleicht irgendwo süß aussieht. Ich hoffe doch, dass man schon schnell eine Veränderung sieht nach dem absetzen.

    Alles Gute weiterhin

    Liebe Grüße
    Lisa

    Lisa Antworten

    1. Lisa, wie schön von dir zu hören und wie toll, dass nun auch schon der letzte Zyklus ist. Wahnsinn!
      Wie fühlst du dich?

      Das Mops-Gesicht ist inzwischen wieder verschwunden, aber es hat echt noch eine Weile angehalten. Aber es dauert ja auch, bis der Körper beginnt alles auszuschwemmen. Die Entwässerungstabletten haben meiner Meinung nach nicht so viel gebracht, aber versuch´s halt mal. Ansonsten geht es auch wieder von alleine -bzw. durch Bewegung- weg. Meine Oberschenkel, der Po und die Brüste sind tatsächlich noch etwas praller – aber hey, Schatzi freut´s 😉

      Liebe Grüße, auch an deine Mama,
      Caty

      Caty Antworten

      1. Inzwischen geht es mir ganz gut, außer das noch ein wenig die Knochenschmerzen durch den Leukozytenanstieg da sind und man auch erstmal glauben muss, dass man es geschafft hat jetzt – endlich. Es steht sozusagen nur noch das Pet-ct an am 30.11. , aber bis dahin versuche ich die Zeit jetzt zu genießen, auch wenn warten nicht gerade eins meiner Stärken ist!

        Liebe Grüße zurück!
        Lisa

        Lisa Antworten

  3. ein sehr interessanter ARtikel! klingt ja alles total positiv aber die Entwässerungstabletten kann man auch durch brenneseltee ersetzen

    franziska Antworten

    1. Oh wie cool, den trinke ich im Moment sogar – ohne von dessen Fähigkeiten zu wissen 😀
      Danke für den Tipp!

      Caty Antworten

  4. Hey Cati,

    nach Bekanntwerden meiner Diagnose, im Juni diesen Jahres, habe ich deinem Tagebuch immer mal wieder als stiller Beobachter einen Besuch abgestattet.
    Jetzt fühle ich mich beinahe verpflichtet Dir mal eine Nachricht zu hinterlassen :)
    Ich hatte das Glück lediglich 2 Zyklen ABVD zu bekommen, ohne Bestrahlung.
    Wenn ich mir vor Augen führe was Du und viele andere Krebspatienten haben durchmachen müssen, fühle ich mich schon beinahe schlecht mich als so einen zu bezeichnen.
    Wie dem auch sei, ich wünsche Dir ( und uns allen) viel Kraft den Mist durchzustehen, hinter sich zu lassen und guten Mutes in die Zukunft zu schauen!
    Viele Grüsse!

    Marco Antworten

    1. Hallo Marco,

      wie lieb von dir und wie schön, dass du mit so einer „schlanken“ Variante davon gekommen bist. Aber aus meiner Sicht macht es nicht weniger aus, als bei meiner Chemo. Die Angst, die Gedanken, sind doch die Gleichen. Und ich glaube nicht, dass man sich erst als Krebspatient bezeichnen darf, wenn man mehr gelitten hat, als andere – Kämpfe darüber, wer den schlimmsten Krebs hatte, kann ich nämlich überhaupt nicht leiden. An dem Tag, an dem der Tropf angeschlossen wird, sitzen doch alle im selben Boot.
      Inzwischen geht es mir gut. Ab Montag arbeite ich sogar schon wieder. Bist du auch schon wieder im Alltag angekommen?

      Ich wünsche dir auch alles Gute und hoffe, dass du hin und wieder mal reinschaust 😉

      Liebe Grüße,
      Caty

      Caty Antworten

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