Chemohirn – Ey Mann, wo is´ mein Auto?

„Wo steht ´n dein Auto?“ – Nachdenken, noch mehr Nachdenken, Schrecksekunde, und trotzdem habe ich absolut keine Ahnung, wo ich es erst gestern abgestellt habe. Suchen ist also angesagt, denn es gibt mehrere Seitenstraßen. Ok, komisch, passiert ?! – noch wundere ich mich, denn eigentlich vergesse ich das nie.

Auto abgeschlossen? Was wollte ich nochmal im Rewe kaufen? Wo steht das Auto diesmal? Was wollte ich sagen? Was wollte ich hier im Schlafzimmer noch gleich holen? Eigentlich habe ich diese Momente 3 Mal im Jahr, wenn ich echt überarbeitet bin und Urlaub brauche und nicht 2 Mal am Tag, obwohl ich nahezu tiefenentspannt bin.

Chemohirn, hab´ ich mal gelesen und -ehrlich gesagt- belächelt. Ich weiß nicht mal warum, aber ich habe den Artikel einfach nicht ernst nehmen können. Ich dachte, ja klar, ihr Hypochonder, Medikamentenlobby, keine Ahnung was, aber für mich klang das nach Unfug. So wie: Achtung Fertigfleischprodukte machen Krebs. Und Tomatenstrunk. Und Dufttoilettensteine. Ich hab´ ja nicht 10 Duftsteine in der Wohnung hängen und lutsche vorm Schlafengehen daran. Hach, wenn ich mich jetzt drum kümmern würde, was alles krebserregend sein könnte, dann würde ich vermutlich wegen einseitiger Ernährung Mangelerscheinungen bekommen oder gar an Unterernährung in meiner sterilisierten Wohnung sterben.

Also Chemohirn, Krisenhirn, Chemo-Brain, Chemo-Fog.
Der Name ist mir völlig Wurscht, Fakt ist, es schränkt mich ein! Ich würde drüber lachen, wenn ich könnte, aber mein Gehirn macht mich aus. Ich bin gut in meinem Job, weil ich mir viel merken kann, eine schnelle Auffassungsgabe habe, gleichzeitig Dinge erledigen kann. Ich werde von Freunden geschätzt, weil ich mich an Gesprächsinhalte erinnern kann und aufmerksam bin.

Und da sagt man, ich sei gesund, obwohl Lilli anscheinend mein Hirn gefressen hat. Vielleicht nagt Horst auch dran. Oder die Menopausenspritze hat Schuld. Es gibt diverse Gründe, warum man so ein Chemohirn bekommen kann: Abfall der roten Blutkörperchen in der Chemo, Stress, Erschöpfungssyndrom, Depressionen, Angst oder hormonelle Veränderungen.

Wer auch immer Schuld hat, nun gilt es Ablenkungen zu vermeiden. Wenn Lucky-Grey sich wundert, dass keiner mehr anruft, sag ich einfach, dass ich den Stecker ziehen musste, weil in einem Großraumbüro mit 9 Telefonen die Ablenkung sonst zu groß für mich und mein Chemohirn ist. Achso, und wenn jemand Post-its findet, die gehören mir. Man soll nämlich mit Gedankenstützen arbeiten.

Hach, ist das schön, sich wieder über Kinkerlitzchen aufregen zu können. Denn eigentlich geht es mir gut, eigentlich bin ich wirklich gesund und eigentlich freue ich mich, bald wieder mein Hirn auf der Arbeit anzustrengen. Das wird sich noch wundern, was ich alles von ihm verlangen werde und es sich merken muss. Und in der Zwischenzeit schreibe ich Einkaufszettel, trainiere meine Beinmuskulatur indem ich unnötige Wege zurücklege, kurbel´ die Zettelwirtschaft an und trainiere euer Hirn mit: „Wie heißt das Wort noch, wenn man sagen will, dass…?“

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