Kontrolluntersuchung mit Dr. Hot

Nach meinem letzten Eintrag habe ich mich erfolgreich mit Arbeit abgelenkt. Wenn man nämlich nur 4 h am Tag beschäftigt ist, hat man einfach zu viel Zeit, darüber nachzudenken, was bei der ersten Kontrolluntersuchung alles passieren könnte. Also arbeite ich und wenn ich weggeschickt werde, arbeite ich einfach zu Hause weiter. Wir arbeiten online- und cloudbasiert, also gar kein Problem. Auf der einen Seite wird eine Wiedereingliederung natürlich nicht ohne Grund empfohlen, auf der anderen Seite brauche ich die Ablenkung mehr denn je. Und bügeln reicht da halt nicht aus.

Heute war´s dann also so weit. Nachdem ich bei meinem Hausarzt die Wiedereingliederung aufheben lassen habe – wenn ich schon so viel arbeite, dann will ich´s wenigstens auch bezahlt bekommen – habe ich mich also auf den Weg ins Krankenhaus gemacht.

Nachdem ich also noch einmal einen Blick auf das von vor 2 Monaten erhaltene Schreiben über die Termine meiner ersten Kontrolluntersuchung nach meiner Chemotherapie geworfen habe, kann ich zwar ohne Übelkeit die Türen passieren, stelle aber erschreckend fest, dass ich völlig nüchtern erscheinen hätte sollen. Super! Für gewöhnlich ist meine erste Mahlzeit des Tages der Kaffee im Büro, aber ausgerechnet heute greife ich im Wartezimmer meines Hausarztes zur Wasserflasche. Panisch google ich nun also im Wartebereich der Radiologie die Auswirkungen.

Ein halbes Glas stilles Wasser (beispielsweise zur Einnahme von Tabletten) ist Gott sei Dank relativ unproblematisch; zumindest wenn zwischen dem Trinken und der Sonographie 1 Stunde liegt. Mist, 45 Minuten. Doch damit nicht genug. Heute morgen beim Auswählen der Unterwäsche habe ich in meinem verschlafenen Dasein nicht soweit gedacht, dass ich mich ja eventuell auch ausziehen muss. Beim Röntgen ist das noch gar kein Problem, Oberkörper Nackedei. Aber als der heißeste Doc der Klinik zur Sonographie aufruft, finde ich meine Tigerunterwäsche doch etwas unpassend. Der Arzt sieht nicht nur wahnsinnig gut aus, sondern ist auch noch unter 30. Die Signale meiner Tigerunterwäsche könnten ihn also auch noch erreichen. – Ich will damit sagen, dass einem 50-jährigen Doc meine Unterwäsche vermutlich völlig egal gewesen wäre.

Ich könnte im Boden versinken, wenn diese Untersuchung nicht über mein Leben entscheiden würde. Hin- und hergerissen zwischen Panik und Demut, beginnt Dr. Hot also mit der Untersuchung meiner Organe. Ich darf auf dem Bildschirm mitgucken. Er kommentiert professionell: Leber gut. Niere gut. Milzgröße gut. Kleine Zyste in der Schilddrüse. Hat jeder, macht nichts. Bauchraum gut.

Nun kommt der Teil, der mir Sorgen bereitete, wenn ich mich in meinen Träumen nicht mehr durch Arbeit ablenken konnte. Blick auf den Bildschirm. Große pulsierende Flecken. Dr. Hot kommentiert nicht mehr. Mein Tränenwasser droht schon über den Rand der Unterkante zu laufen. Aber endlich die ersehnten Worte: „Ihr Lymphknoten im Halsbereich ist von April mit 5,7 cm bzw. im August mit 2,6 cm nun 0,5 cm groß und liegt damit im Normbereich.“ BAM! Würde ich nicht hier in Tigerunterwäsche liegen, hätte ich ihn vor Freude vielleicht umarmt, aber so hab ich uns die Peinlichkeit erspart. Nur der Vollständigkeit halber: Auch die anderen Lymphknoten sind in den Normbereichen; es besteht folglich kein Grund zur Sorge.

Noch schnell die Blutkontrolle und Portspülung in der Onkologischen Ambulanz und ab zurück zur Arbeit. Beim Kaffeeziehen fragt Lucky-Grey dann, ob alles in Ordnung ist und da realisiere ich: JA. Es ist wirklich alles in Ordnung. Ich habe nicht geträumt, dass alles endlich vorbei ist. Die unterdrückte Anspannung entlädt sich. Tränen kullern, wie schon so oft, über meine Wangen – diesmal vor Erleichterung und Freude. Diesmal mit der Gewissheit, dass ich endlich glauben darf, dass die Therapie wirklich erfolgreich war. Typisch Mann ist Lucky-Grey mit meinem Gefühlsausbruch natürlich überfordert. Aber am Abend erfolgt -ebenfalls typisch-Mann-like- der Kontroll-Anruf, ob ich wieder okay bin und wie sehr er sich mit mir freut.

Und nun sitzen wir hier, Horst und ich, mit einem Glas Wein und schütteln uns die Hand zum nahenden Abschied. Zum abschließenden Besprechungstermin am Dienstag will er mich noch kurz begleiten, aber danach auf unbestimmte Zeit verreisen. Urlaub machen. War ja auch ganz schön anstrengend, ständige Präsenz zu zeigen. Er weiß auch noch nicht, wann er wiederkommt. Vielleicht schickt er ´ne Postkarte, aber erstmal werde ich ein paar Tage, vielleicht Wochen, nichts von ihm hören.

Genug Zeit, mich den wirklich wichtigen Dingen zu widmen: Weihnachtsgeschenke. Oh aber vorher: Black-Friday-Sale in meinem Mango :)

2 thoughts on “Kontrolluntersuchung mit Dr. Hot

  1. Liebe Caty,

    wie ich mich für dich freue.
    Ich habe gewartet auf einen neuen Post von Dir.
    Und da ist er nun und ist wieder mal sehr unterhaltsam.
    Schön, dass du mal einen Mr. Hot dabei hattest. Meist hat man ja eher Durchschnitt.
    Horst würde ich eine Weltreise empfehlen. Er soll sich ruhig mal die ganze Welt angucken. Jedes Land von A bis Z, Argentinien bis Zypern sozusagen.

    Ich grüße dich recht herzlich.
    Deine Izzie

    Izzie Antworten

  2. Hallo,
    mit Spannung hab ich auf den Bericht über deine Nachuntersuchung gewartet. Und freue mich für dich, dass alles gut ist! Ich hatte am selben Tag nen kurzen Ultraschall wg. meiner Milz, da passt auch alles. Meine große Kontrolle ist dann am Rosenmontag.
    Genieße jetzt die Zeit ohne Horst und vielleicht braucht ja dein Horst ein wenig Gesellschaft und nimmt meinen mit auf Weltreise ; o) Zur Reha im Januar will ich ihn nämlich nicht mitfahren lassen.
    LG
    Catrin

    Catrin Antworten

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