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Weihnachtszeit. Zeit für Besinnlichkeit. Zeit für Flashbacks.

Letztes Jahr Weihnachtsmarkt mit den Girls, Raclettebrot und Glühwein. Dieses Jahr Weihnachtsmarkt mit den Girls, Raclettebrot und Glühwein. Gleicher Stand. Letztes Jahr mit Codeintropfen, Alkoholschmerz und starkem Husten. Dieses Jahr ohne.

Letztes Jahr Plätzchen backen bei mir mit den Pinots. Dieses Jahr Plätzchen backen bei mir mit den Pinots. Letztes Jahr Glühwein mit Schmerzmittel. Dieses Jahr neue Rezepte, Glühwein, ohne Schmerzen.

Letztes Jahr Weihnachtsfeier Restaurant & Club. Dieses Jahr anderes Restaurant, gleicher Club. Letztes Jahr mit Ibuprofen und Champagner, dieses Jahr ohne Ibuprofen, mit Champagner.

Letztes Jahr Husten, Schmerzmittel, Codeintropfen, egal in welcher Situation. Dieses Jahr Husten, Cetebe zum Aufbau meines Immunsystems und heißer Granatapfel. Letztes Jahr Morbus Hodgkin. Dieses Jahr grippaler Infekt.

Letztes Jahr Weihnachten. Unterm Baum materielle Geschenke. Dieses Jahr, materielle Geschenke unterm Baum, das größte Geschenk in mir: Gesundheit.

Wie ihr gemerkt habt, hat mich der Alltag eingeholt. Ich arbeite; in der Regel mehr als 40 h. Das ist ok. So war es vor Lilli und so kann es nach ihr sein. Ich wollte meine Normalität zurück und im Moment fühlt es sich ziemlich normal an. Ich mache Dinge, die ich letztes Jahr gemacht habe und manchmal holen mich die Bilder ein, wie die gleiche Situation im letzten Jahr durch die Symptome von Lilli geprägt war.

Es erscheint surreal. Nicht wirklich. Eine Welt davon, nur bin ich mir nicht sicher welche. Ist es real, dass ich schon 1 Jahr danach zurück im Leben bin oder ist es real, dass ich vor nicht mal 1 Jahr die zerschmetternde Diagnose Krebs erhalten habe? Kann beides real sein?

Ich will ein wenig verdrängen, nachdem ich mit meinem Blog bereits vieles verarbeitet habe. Bin offen mit der Erkrankung umgegangen. Gehe offen mit meinen Ängsten um. Aber ein kleiner Teil in mir will sich nicht mehr mit Lilli und dem vermeintlichen Schaden, den sie angerichtet hat, auseinander setzen. Lilli hat mich verletzlich gemacht. Mir gezeigt, dass alles in der nächsten Sekunde vorbei sein könnte. Mir gezeigt, dass jede Kontrolle nur vorübergehend ist. Sie verunsichert mich und hat noch immer Einfluss auf mein jetziges, gesundes Leben.

Auch wenn Lilli mir insgesamt auch viele schöne Momente bereitet hat, kann ich die negativen Erfahrungen nicht weg diskutieren, weg malen, weg musizieren. Lilli, mein Lymphdrüsen-Krebs, ist nun ein Teil von mir und das wird sie auch bleiben, aber ich möchte sie nun in eine Schublade packen und schließen. Ohne Schloss, denn manchmal will ich vielleicht in ihr kramen, wie in einer Fotobox; in den Erinnerungen schwelgen. Wohldosiert; dann, wenn ich es will. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass nur ich existiere. Ohne Lilli. Ohne Horst. Nur ich.

Also nehme ich mein hübsches Geschenkpapier, das mit den Tannenbäumen und Sternen drauf, falte das Papier um Lilli, klebe es fest, falte die Seiten, klebe auch diese fest, nehme das Band, umwickle das Paket, kreuze es auf der Rückseite und binde auf der Vorderseite eine Schleife. Nun noch mit der Schere das Band kräuseln. Hach, ist das hübsch.

Wer sein Krebspaket rechtzeitig bis Weihnachten ebenso hübsch eingepackt haben möchte, kann es mir bis zum 24.12.2015 um 15:00 Uhr noch einreichen und erhält es ebenso mit Gedankenschleife zurück 😉

In diesem Sinne: fröhliche Weihnachten ihr Lieben!

4 thoughts on “Weihnachtszeit. Zeit für Besinnlichkeit. Zeit für Flashbacks.

  1. Hallo Caty,
    Schön zu lesen, dass es dir immer noch gut geht.

    Mir geht es auch gut, wenn auch oft der Kopf aus jedem Ziepen ein Drama macht. Ich konnte meinen Horst noch nicht wirklich weit weg schicken.

    Ich wünsche dir und deinen Lieben ein wunderschönes Weihnachtsfest und auf dass das neue Jahr besser wird, als das alte.

    LG
    Catrin

    Catrin Antworten

  2. Hallo Cathy,

    wie geht es dir heute?

    Ich litt auch unter Morbis Hodgkin. Bei mir wurde es im Stadium II B entdeckt. Es war ein großer Schock für mich. Ich war zu dem Zeitpunkt 29 Jahre alt (war im Jahr 2013) und Mutter von zwei kleinen Kindern. Bekam auch Beacopp Esk. , Beacopp und dann zum Schluß ABVD.
    Eine schwere Zeit war das und werde ich sicherlich nie vermissen. Ich muss mittlerweile alle Jahre mal zur Nachsorge und es ist weiterhin immer ein großer Angang. Aber es wird leichter nach und nach.

    Wünsche dir auf jeden Fall alles Gute.

    Nicole Schönhoff Antworten

    1. Liebe Leyla,

      mir geht es gut. Wirklich. Ich bin schneller in der Realität zurück gelandet, als mir manchmal lieb ist. Aber vielleicht ist es genau das Richtige für mich – einfach nicht alles auf den Kopf zu stellen, nur, weil man krank war, sondern einfach dort weiter zu machen, wo man rausgerissen wurde. Hast du nach der Erkrankung etwas verändert?

      Ich drücke weiterhin ganz fest die Daumen, dass auch jede weitere Untersuchung positiv verläuft.

      Liebe Grüße,
      Caty

      Caty Antworten

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