Back to myself – Der Blick nach Vorne

Nachdem ich mich einige Wochen zurückgezogen habe, um für eine gewisse Zeit einfach mal nicht über Lilli zu sprechen, zu schreiben, an sie zu denken, überhaupt in irgendeiner Weise mit ihr konfrontiert zu werden, bin ich nun, nach dieser Pause, bereit, mich wieder mit der Vergangenheit und Lilli auseinander zu setzen.

Im Dezember noch drohten mich die Ängste häufig einzuholen. Was ich brauchte war Abstand und wenn man einfach 65 h die Woche arbeitet, gelingt einem das ganz gut. Meine Vorsätze, mehr auf mich und meinen Körper zu achten, musste ich daher erst einmal über Bord werfen. Aber nur so gelang es mir, Abends nicht daran zu denken, was wäre, wenn ich ein Rezidiv hätte, sondern vielmehr daran, was ich morgen noch erledigen muss. Ohne Chemohirn klappt das inzwischen auch wieder richtig gut.

Frau Tzatziki würde mit dem Kopf schütteln, wenn sie wüsste, dass ich entgegen ihres Rates, mir weitere, professionelle Unterstützung für meine Krankheitserfahrungen zu holen, erneut den augenscheinlichen Weg der Verdrängung gehe. Aber darüber lässt sich meiner Meinung nach streiten. Ich habe mich bereits intensiv mit Lilli auseinander gesetzt. Sie wird Teil meines Lebens sein, aber ich will ihr nicht die Möglichkeit geben, noch einmal meine Gefühlswelt auf den Kopf zu stellen, indem ich das Erlebte noch einmal durchkaue. Dieser Weg hat sich bei meiner Fibromyalgie schon gut bewehrt; meine Erinnerungen sind lückenhaft und verschwommen, obwohl ich von 16 – 18 durchgehend erkrankt war.

Der Blick zurück ist in keinem Fall zielführend; verändern kann man ihn eh nicht mehr – wichtig ist also der Blick nach Vorne. Und meine Aussicht habe ich mir mit tollen Aktivitäten und dem gebuchten Urlaub im September schön gestaltet. Und wenn ich doch einen kurzen Blick zurück wagen will, dann kann ich der Tortur sogar doch auch etwas Positives abgewinnen, denn rasieren muss ich mich nun tatsächlich nur noch einmal im Monat. Also die 8 Haare unter meinen Achseln und die 20 auf den Beinen; über die anderen denkbaren Haare spreche ich natürlich nicht; aber wenn ich es tun würde, wären es auch nur 10.

Meine Kopfhaare hingegen wachsen wie Unkraut. Inzwischen sind sie ca. 6 cm lang, nicht kraus – entgegen vieler Einträge im Netz und haben meine ursprüngliche, natürliche Haarfarbe. Witzig sind übrigens die Fotos, die man nach dem Duschen machen kann. Haare mit dem Handtuch trocken rubbeln, Finger an die Steckdose – Ich selbst lache mich kringelig. Schatzi hat Extensions verboten und Färben erst ab Kinnlänge erlaubt; damit sie gesund bleiben, jetzt, wo man ganz von Vorne anfangen kann. Über das Färben diskutieren wir vielleicht noch mal, aber im Moment fühle ich mich sogar ganz wohl. Steht das da wirklich? Lang werden sollen sie trotzdem, aber eben gesund. Damit das auch gelingt, verwende ich ausschließlich Shampoo und Spülung ohne Chemie von Aubrey Organics. Frei von Silikonen, Parabenen oder sonstigen, genverändernden Inhalten, tierversuchsfrei. Und im Gegensatz zu anderen Biokosmetika haben diese auch noch ein hübsches Produktdesign und riechen super gut.

Meinen nächsten Kontrolltermin hätte ich eigentlich diese Woche gehabt. Hätte, hätte spielt aber Klarinette – denn das Krankenhaus hat meinen Termin verschlust und muss nun gucken, wie ich schnellstmöglich dazwischen geschoben werden kann. Schon vor Wochen habe ich täglich auf einen Brief gehofft, wollte aber nicht hysterisch im Krankenhaus nachfragen: „Wann ist denn endlich mein Termin? Haben Sie mich auch nicht vergessen?“ – Wenn das jeder machen würde. Aber da ich täglich an den Termin erinnert wurde, habe ich nun endlich angerufen. Erinnert – durch den Schmerz, der sich in der Schulter rechts, da wo alles begann, festgesetzt hat. Meine Verdrängungstaktik wirkt insoweit, dass sich die Panik noch keineswegs breitgemacht hat. Trotzdem hätte ich gerne das passende Röntgenbild und Blutbild zu meinen Gedanken: „Ach Quatsch, Phantomschmerz, Narbengewebe, what ever, keine Lilli“.
Nochmal: Es bringt nichts, wenn ich mir jetzt schon die Gedanken darüber mache, was wäre wenn.

Und weil ich mir den Blick nach Vorne so schön gestaltet habe, muss ich mich jetzt fürs Konzert aufhübschen. Jetzt wo die Cortisonkilos verschwunden sind, macht das auch noch mehr Spaß.

12 thoughts on “Back to myself – Der Blick nach Vorne

  1. Liebe Caty,

    ich freue mich sehr darüber, wieder einen Beitrag von dir zu lesen. Habe ich doch des Öfteren in der letzten Zeit an dich gedacht und mich gefragt, wie es dir wohl geht. Natürlich kann ich absolut nachvollziehen, dass du Abstand gewinnen musstest. Nachdem ich nun auch wieder krebsfrei durch die Gegend laufe und die erste Nachsorge schon ansteht, kann ich deine Gedanken verstehen. Auch ich habe ab und zu mal eine Pause vom Bloggen gebraucht, aber irgendwann hat man wieder Ideen und macht weiter. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn Du ab und zu von dir lesen lässt.

    Ich wünsche Dir das Beste!

    Deine Izzie

    Izzie Stark Antworten

    1. Meine liebe Izzie,

      ach du liebes bisschen. Was du noch alles erleben musstest. Ich musste etwas nachholen auf deinem Blog.
      Lass dich kurz fest drücken *DRÜÜÜCK*

      Ich hoffe, dass es dir schnell besser geht und auch du ganz bald wieder auf dem „normalen“ Weg gehen darfst.

      Liebe Grüße,
      Deine Caty

      Caty Antworten

  2. Liebe Caty,
    Vielen Dank für deinen Blog und den Mut, all deine Erfahrungen zu teilen. Ich habe kürzlich die gleiche Diagnose bekommen, ich bin 29. Deine Einträge haben mir sehr geholfen, insbesondere dabei, das Thema möglichst locker anzugehen. Ich denke meine Chemo wird in ca. 3 Wochen starten.. Ich hoffe ich bin so stark wie du!! DANKE, Katrin

    Katrin Antworten

    1. Liebe Katrin,

      ich freue mich, dass mein Blog dir etwas die Angst nehmen konnte.
      Ganz sicher wird es kein Durchmarsch, aber wie du nun gelesen hast, ist es machbar!

      Ich drücke dir fest die Daumen und bin überzeugt davon, dass du stark sein wirst!
      Und wenn dir die Kraft mal fehlt und du Zuspruch brauchst, meld dich gerne – auch privat unter kontakt@tage-mit-lilli.de

      Liebe Grüße,
      Caty

      Caty Antworten

  3. Liebe Caty,

    Es ist echt schön zu lesen, dass du soweit so gut zurückgefunden hast im Leben.
    Wir können sogar stolz auf uns sein, dass unsere Körper so stark sind und das überwunden haben!!
    Ich arbeite inzwischen seit Februar wieder und kriege manchmal auch etwas Panik wenn es mal an der achsel sticht. Aber ich verdränge den Gedanken einfach an das, was wäre wenn, zu denken. Und hoffe im April bei der Nachsorge, kommen nur gute Ergebnisse raus.

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und unendlich viel Gesundheit

    Alles liebe
    Lisa

    Lisa Antworten

    1. Liebe Lisa,

      ach Mensch, wie die Zeit doch rast.
      Wie schön, dass auch du inzwischen schon zurück blicken kannst, auf das, was du geschafft hast und dich nun dem Blick nach Vorne zuwenden kannst.

      Daumen sind gedrückt, dass auch bei den Nachsorgen weiterhin alles positiv verläuft.

      Fühl dich gedrückt!
      Deine Caty

      Caty Antworten

  4. Ich habe in ein paar Tagen das Gespräch mit meiner Ärztin ob die Chemo geholfen hat oder nicht :)
    Habe Letzes Jahr mit 21 die selbe Diagnose bekommen und dein Blog hat mir sehr geholfen durch die Zeit.
    Dieser Eintrag macht total Lust auf gesund sein :)
    Liebste Grüße

    Hanna Antworten

    1. Liebe Hanna,

      ich hoffe, dass du inzwischen positive Nachrichten erhalten hast.
      Viel Spaß dann, wieder gesund zu sein :)

      Liebe Grüße,
      Caty

      Caty Antworten

  5. liebe caty
    du bist gerade für mich wonderwoman! danke für deinen blog und danke dass du mir die angst nimmst.
    ich bin 35 und bin seit einem jahr juckreiz geplagt und kein doc hat es gesehen. gestern dann der hammer, ich habe ein lymphom, sieht nach hodgkin aus gemäss röntgen, knochenmark haben sie auch schon gepiekst und jetzt warte ich auf die nächsten termine mit petscan und biopsie bevor es dann ernst wird. danke dass du deine erfahrung teilst – du hast mir in der woche der ungewissheit sehr geholfen damit. seabands werde ich die tage auch schon bestellen ? und mein arschlochkrebschen hab ich ted getauft, ja es hilft wirklich. die party werd ich definitiv machen und mein leben feiern. danke und ich wünsche dir dass die lilli gefälligst im pfefferland bleibt und den weg nie mehr zu dir findet

    Susu Antworten

    1. Liebe Susu,

      😀 Sehr gut! Wonderwoman klingt wie Musik in meinen Ohren :)
      Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit und dass dein Weg zum Gesund werden nicht allzu steinig ist.

      Ganz liebe Grüße,
      Deine Caty

      Caty Antworten

  6. Liebe Caty
    Ich habe deine Seite vor kurzem entdeckt und sofort alle Beiträge gelesen! Du hast das ganze einfach auf eine supertolle Art in Worte gefasst, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte mit dem Lesen! Ich selbst habe keine Lilli, darüber bin ich natürlich sehr froh, aber trotzdem sehe ich dich als riesiges Vorbild an! Du bist eine starke Kämpferin und hast trotz den Niederschlägen nie deine positive Lebenseinstellung verloren, was ich absolut bewundernswert finde! Ich bin überzeugt, dass du vielen Menschen mit deinem Blogg sehr geholfen hast! Dafür Danke ich dir herzlich und allen die noch mit einer Lilli zu kämpfen haben, wünsche ich von Herzen alles, alles Gute! Und dir, Caty, wünsche ich natürlich von Herzen, dass du deinen Kampf für immer gewonnen hast und gesund bleibst! :-)

    Alles,alles Liebe und viele Grüsse
    Xenia

    Xenia Antworten

    1. Liebe Xenia,

      1.000 Dank für deinen Eintrag, der mich wahnsinnig gefreut hat.
      Auch dir wünsche ich ganz viel Gesundheit und sende liebe Grüße,
      Caty

      Caty Antworten

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