Sonographie die 2. – Wo ist Dr. Hot?

2. Kontrolltermin. Den Gedanken, die Tigerunterwäsche als Glücksbringer zu tragen, verwerfe ich schnell, als mir in den Sinn kommt, dass Dr. Hot sich im Zweifel sogar daran erinnert, dass ich diese auch schon bei der letzten Untersuchung getragen habe.

Ich komme pünktlich, diese Mal mit leerem Magen. Alles läuft nach Plan. 5 Minuten warte ich auf´s Röntgen und werde danach direkt von einer Schwester abgefangen, die mich zur Sonographie bringt. Ich könnte mich schon mal oben frei machen und hinlegen, der Doc würde gleich kommen. Gesagt, getan. Als ich darüber nachdenke, dass es schon etwas komisch aussieht, aus dem Liegen hochzukommen, um Dr. Hot die Hand zu schütteln und von der entstandenen Bauchfalte abzulenken, öffnet sich die Tür: 50 graue Jahre lächeln mir hinter einem Vollbart entgegen, gefolgt von einer Ärztin in Spe, die damit beschäftigt ist, kompetent zu gucken. Falsche Tür Jungs, ich warte auf Dr. Hot.

Mist. Nein, die sind bei mir richtig. (Auslegungssache.) Der Erklärbär nimmt Fahrt auf und nachdem mein Befund vom ersten Kontrolltermin noch einmal von der In-Spe-Doktorantin ausgewertet wurde, bin ich sicher, Lilli war nie weg. „Das könnte etwas kalt sein.“ Speiseröhre runter, hoch, runter, hoch. Erklärung. Für I-S-Dr, nicht für mich. I-S-Dr: „War das ein *Fachbegriff*?“ Ich:Panik. Dr. Erklärbär: „Nein, das war nur ein *Fachbegriff*.“ Dabei drückt er noch einmal tief unter meine Rippen, während ich gefühlt schon 2 Minuten durchgehend die Luft anhalte. Mein gesamter Körper wird erfasst. Ich würde es gut finden, dass er so gründlich arbeitet, wenn nur das glitschige Zeug nicht inzwischen auf meinem gesamten Oberkörper wäre. „Ich lasse sich die Patienten immer 3 Mal hin- und herdrehen. Wenn sie schon liegen, könnte etwas herabgesunken sein .“ – Nein, nicht zu mir. „So, dann bitte mal auf die linke Seite“ – zu mir. „Und zurück.“ Jaja, 3 Mal. Hose runter. Glitsch. I-S-Dr.:“Ich glaube da war ein *Fachbegriff*.“ Ich: Panik. Dr. Erklärbär:“Dann schauen wir doch noch einmal genauer hin.“ Glitsch. „Hm. Nein, nichts zu sehen.“ Ich: gesteigertes Aggressionspotenzial. Jetzt noch der Kopfbereich. Genau, glitsch mir das Gel in die Haare. Gespannt warte ich auf einen Laut des Arztes. Vor 2 Wochen habe ich kurzfristig ein Blutbild bei meinem Hausarzt gemacht, nachdem ich anhaltende Schmerzen in meinem Ursprungs-Krebs-Areal hatte. Das Blutbild wäre für einen Gesunden soweit unauffällig gewesen. 3 Werte schlugen allerdings leicht aus. Google signalisierte mir bei jedem einzelnen, dass Krebs die Ursache ist. Also, dann bitte jetzt das Ergebnis, Doc:

„Nichts zu sehen, das sieht gut aus. Müssen Sie heute noch zur Arbeit?“ Was denkt er? 10:00 Uhr. Nee, das lohnt nicht, ich hab´ne Krankschreibung? „Doch, natürlich.“ „Oh, wie doof und ich hab Sie so vollgeschmiert.“ Lächeln. 30 Papiertücher später muss ich noch meinen Port spülen lassen und eine Blutprobe hinterlassen. Kurz noch für kleine Königstiger. Ich öffne die Tür. Atme. Rieche diesen Duft und muss an mich halten, mich nicht auf der Stelle zu übergeben. Damit hab ich wirklich nicht gerechnet. Mir ging es super – bis Pawlow mich daran erinnert, dass ich mich bei diesem Geruch schon einige Male übergeben habe. Ich taumel´ nahezu aus der Toilette, fühle mich betrunken.

„Ich habe einen Port.“ „Oh.“ Pause. „Ok.“ Pause. „Dann muss ich mal gucken.“ Neue Schwester. Gar nicht gut. Nett ist sie. Aber sie hat es noch nie gemacht. Denke ich zu spüren. Sie wird mir weh tun. Mir ist noch immer übel. „Ich komme gleich wieder.“ Ja, mit der Schwester, die das kann, bitte. Sie kommt alleine, mit Handschuhen und Schürze. Desinfiziert mich 4 mal; 2 Mal hätte gereicht, aber hey, ich will nicht meckern. Gründlich ist sie. Oder ängstlich. Sie guckt auf die zurechtgelegten Blutabnahmeröhrchen. „Ich vergesse häufig etwas, deshalb gucke ich nochmal.“ Das beruhigt mich. Lächeln. Sie greift zur Port-Kanüle. Zaghaft. Jetzt sollte sie gleich sagen „Einmal tief einatmen bitte“. Nichts. Ich warte, traue mich nicht, weiter zu atmen. „Und einmal tief einatmen bitte.“ Was für eine Geburt. Das tat nicht weh. Blut läuft, Port wird gespült und geblockt. Sie wechselt noch eben die Handschuhe, weil sie aus Versehen etwas berührt hat. Noch 2 Mal desinfizieren. Sicher ist sicher. Und raus. Krrrrrr. „Oh, ich bin hängen geblieben.“ Ich rechne mit Schmerz. Wo? An mir? Nur am Drucktupfer.

Kreidebleich verlasse ich das Krankenhaus. Verzichte sogar auf den Gang zum Krankenhaus-Café und dessen Franzbrötchen. Im Auto erst, kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Krebsfrei. Die Sonographie lief gut. Port lief. Komplimente für mein Haar gab´s on top.

2 Tage später dann auch der offizielle Report von Frau Dr. Ständig-Lächelnd: Alles in Ordnung. Die weißen Blutkörperchen sind noch immer zu niedrig, aber das beobachten wir. Wegen meiner Schmerzen, die inzwischen wieder weg sind, werden wir beim nächsten mal ein CT machen. Beim erneuten Gang aus dem Krankenhaus muss ich lächeln. Denn dieses Mal muss ich mir keine Gedanken darüber machen, dass jemand wie Lilli meinen Geburtstag crashen könnte.

Zeit, eine Party zu planen.

11 thoughts on “Sonographie die 2. – Wo ist Dr. Hot?

  1. Hallo,
    schön zu lesen, dass alles gut ist.

    Mir steht das Ganze in 3 Wochen bevor. Ich hoffe, dass ich heuer meinen Pfingsturlaub genießen kann. Letztes Jahr kam ich kurz vor Pfingsten aus dem Krankenhaus raus, mit dem Wissen, es läuft auf ein Lymphom raus, aber was genau, wird die Biopsie ergeben. Und damit wurde ich in den Urlaub entlassen. War nicht schön. Überhaupt überfallen mich zur Zeit immer wieder solche Flash-Backs a la „letztes Jahr um die Zeit“

    Ich hab eine Frage an Dich und vielleicht auch an die Mitleser und Betroffenen die vielleicht etwas älter sind als Du. Wie schauts denn mit den Wechseljahren nach der Chemo aus? Meine Gynäkologin hat bei mir das Anti-Müller-Hormon testen lassen und festgestellt, meine Eierstöcke liegen im Tiefschlaf. Das Hormon ist unter der Nachweisgrenze. Kann sich wieder erholen, muss aber nicht, in meinem Alter (40) eher unwahrscheinlich. Daraufhin habe ich die Pille abgesetzt (reine Gestagen-Pille), weil wieso Hormone schlucken, wenn es da nichts zu verhüten gibt. Und seit ich die abgesetzt habe, habe ich Hitze-Wallungen. Leichte tagsüber, etwas mehr nachts. Und das ist natürlich wieder Futter für den Horst. Der da dann sitzt und grinst und ganz laut ruft: Nachtschweiß kommt vom Hodgkin, er ist wieder da! Wenn dann meine Logik wieder einsetzt, denk ich mir: Es trifft ja genau mit dem Absetzen der Pille zusammen, ich habe diese Wallungen auch tagsüber und ich wache nicht schweißgebadet auf, sondern merke im Schlaf irgendwie, jetzt wirds warm, wache auf und muß mich aufdecken. Dann schwitze ich so knappe 5 Minuten vor mich hin um dann wieder frierend unter meine Decke zu verschwinden. Das mache ich nachts so ca. 2-3 Mal. Es gibt auch immer ein paar Nächte in Folge, da ist nichts.

    Wie ist das bei Dir und Euch anderen? Merkt ihr in diese Richtung was?

    LG Catrin

    Catrin Antworten

    1. Liebe Catrin,

      danke für deine ausführlichen Beiträge und entschuldige, dass ich erst jetzt antworten kann.

      Ich fürchte mich vor dem Besuch beim Frauenarzt – zu sehr wünsche ich mir doch eigene Kinder, aber ich habe nun schon 2 Mal angerufen; leider immer außerhalb der Sprechstundenzeiten. Es steht also auf meiner ToDo und nicht länger will ich davor wegrennen.
      Grundsätzlich hatte ich während der Menopause nur bei Gabe der neuen Spritze für ca. 1 Woche Hitzewallungen. Danach hat sich mein Körper schnell an die Hormonumstellung gewöhnt.
      Ich nehme eine Minipille wegen des Faktor-V-Leidens (Blutgerinnungsstörung), welches ich habe. Die habe ich allerdings auch während der Menopausen-Spritze durchgängig genommen. Da ich auch ohne Menopause also nur alle 4 – 6 Monate mit einer Zwischenblutung rechnen kann, ist die Aussage, dass ich diese seit Absetzen der Menopause noch nicht wieder hatte irgendwie wertlos. Klar könnte ich die Pille einfach absetzen und warten, was passiert, aber eben davor habe ich ja Angst.

      zurück zu deinen Hitzewallungen: Die Erfahrungen habe ich nicht gesammelt. Nachts habe ich zwar hin und wieder immer noch Nachtschweiß, aber bei Weitem nicht in dem Ausmaß, wie zuvor. Vielleicht gibt es noch andere Leser, die dir gegebenenfalls Tipps geben können?

      Liebe Grüße,
      Caty

      Caty Antworten

  2. Hallo, :)

    ich habe deinen Blog seit gestern durch gesuchtet.
    Du gibst einen so viel Kraft und es macht Freude zu lesen.
    Ich wollte fragen wieso du keinen Kaffee und keine Cola trinken durftest?

    LG Sophie

    Sophie Antworten

    1. Hallo liebe Sophie,

      ich freue mich, dass dir mein Blog gefällt. :)

      Das Natulan hat heftige Nebenwirkungen mit unterschiedlichsten Lebensmitteln.
      Wenn es nach dem Beipackzettel gegangen wäre, ich zitiere wörtlich:

      Einnahme von Natulan zusammen mit Nahrungsmitteln, Getränken und Alkohol
      Die gleichzeitige Einnahme von Procarbazin und Nahrungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Tyramin kann zu Blutdruckkrisen führen. Daher müssen Käse, Streichkäse, Joghurt, methylxanthin-haltige Getränke (Kaffee, schwarzer Tee, Cola), alkoholische Getränke (Bier, Wein, Wermut, Sherry, Portwein), Schokolade, Hartwurst (Salami), Fleisch, Leber, Hefe oder Hefe-Extr- akte, Saubohnen, Fava Bohnen, überreife Früchte, Avocado, Bananen, Feigen, Hering, geräuchertes oder mariniertes Fleisch oder Fisch, sowie nicht mehr frisches Fleisch oder Fisch vermieden werden.
      Alkohol und alkoholhaltige Getränke können zusammen mit Procarbazin zu einer Reaktion mit anfallsartig auftre- tenden Hitzewallungen mit Hautrötung vor allem des Gesichts (Flush-Symptomatik), mit Steigerung der Herz- frequenz, Schweißausbruch, Blutdruckabfall, Kopf- schmerzen und Atemnot (Antabus-Syndrom) führen. Daher sollte während der Therapie auf den Konsum von Alkohol vollständig verzichtet werden.

      Insgesamt hat sich mir also die Frage gestellt: Und was soll ich dann essen? 😀 Ich liebe Käse. Und Fleisch. Und Latte Macchiato, Cappuccino. So ne Coke Life, Coke Vanille, Coke Cherry darf´s auch mal sein. Und Fleisch, jap da bin ich auch dabei. Fisch, total gerne. Avocado, könnt ich täglich essen. Wie du bereits gelesen hast, habe ich mich also dazu entschlossen, meiner Lebensqualität Vorrang zu geben und nur auf Kaffee und Cola verzichtet; einfach für´s Gefühl und weil Koffein auch bei den anderen Medikamenten Nebenwirkungen hervorrufen hätte können.

      Liebe Grüße,
      Caty

      Caty Antworten

  3. Danke für Dein Tagebuch!! Ich denke, daß Du es als Buch veröffentlichen solltest. Es gibt einem Betroffenen viel Kraft.
    Bin gurch Zufall auf die Seite gekommen. Weil mir viele Leute nicht glaubten, dass ich ein ‚Chemo Hirn‘ habe und dass es soetwas überhaubt gibt, war ich auf der Suche nach seriösen Seiten die sich damit befassen und bin so auf deinen Blog gestoßen. Ich habe Dein Tagebuch mit großem Interesse gelesen und auch manchmal geschmunzelt, weil du es lustig erzählt hast und ich mich in manchen Situationen selbst erkannt habe.
    Ich habe zwar Brustkrebs (gehabt, hoffendlich) aber ich habe doch einiges ganz ähnlich erlebt. Nur als Beispiel die eine gute Woche vor der nächsten Chemo, dann das Tief danach. Der Kampf im Kopf und die Freude über Kleinigkeiten und das Dasein von Freunden und Familie. Ich hatte zwei OP’s, Chemo, Bestrahlung, komme gerade frisch aus der Kur (AHB)und meine Haare wachsen wieder. Nehme seit einer Woche Hormontabletten und hatte heute die erste Knochenschutzinfusion. Bei beiden sind noch die Nebenwirkungen abzuwarten. Aber das kann nicht mehr so schlimm werden. Habe und werde auch weiterhin positiv denken und so versuchen den Horst im Zaum zu halten. Du hast mich darin nochmal bestärkt. Ich danke dir dafür und werde Deinen Blog weiterempfehlen.
    Wünsch Dir weitehin alles Gute. Hoffe, dein Horst kommt nicht wieder und wenn er sich doch wieder melden sollte, schick ihn sofort wieder in die Wüte. So habe ich es mir jedenfalls vorgenommen und hoffe es klappt.
    Mecki

    Mecki Antworten

  4. Hallo Caty,
    dein Blog macht so viel Hoffnung! :-) Wie lange musst du denn nun noch den Port haben bzw. wann kann dieser wieder herausoperiert werden?
    Viele Grüße, Lino

    Lino Antworten

  5. Hallo!
    Ich habe mal wieder auf deinem Blog vorbeigeschaut. Ich frage mich wie es Dir geht. Du hast schon lange nichts mehr geschrieben. Ich hoffe, Lilli ist weiter weg geblieben und das Nichts-Schreiben bedeutet nur Gutes!

    LG
    Catrin

    Catrin Antworten

  6. Toll
    Geschrieben
    Dein Blog mit Dr. Hot und Dr schau immer freundlich hat mich lachen lassen.
    Ixh stecke noch im staging und hab angst was die Woche nach all den Untersuchung PETs u Co rauskommt und vor allem welche chemo es dann werden wird

    Sabine Loki Antworten

Hinterlasse einen Kommentar zu kathrin Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>