Welcome back – Übelkeit nach Lillimassaker

Nicht nur ich bin also heil wieder aus dem Urlaub zurück, sondern auch meine Augenbrauen und Wimpern lächeln mich inzwischen wieder im Spiegel an. Nach nun 45 Tagen seit der letzten Chemotherapie zwar noch zaghaft, aber immerhin sind die Wimpern schon wieder unzähl- und tuschbar. Vermutlich M2 Lashes# sei Dank. (RevitaLash# ist übrigens günstiger und funktioniert ebenso gut) An meine langen Wimpern vor der Therapie können sie zwar noch nicht anknüpfen, aber hat ja grad erst angefangen. Meine Haare hingegen sind weiterhin einsame Gefährten, die sich bisher nur einzeln und eher flaumartig auf dem Kopf und auf den Beinen verirren.

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Urlaub nach der Chemotherapie – der Mann mit dem grauen Bart

16 Kilo mehr zeigt die Waage mit Koffer in der Hand an. Perfekt, also kann ich 5 Kilo shoppen. Noch immer bin ich im Funktionsmodus, denke nicht darüber nach, dass ich inzwischen gesund bin. Urlaub nach der Chemotherapie ist gebucht, also muss ich Koffer packen und dahin fliegen. Wie ein Termin Chemotherapie, da muss(te) man auch hin. Natürlich freue ich mich, realisiere aber nicht, dass ich mich nun erholen soll, oder nun endlich kann. Und zwar nicht nur ein paar Tage, bis der nächste Zyklus kommt.

Super-Dad sagt dem Typen, der das Auto am Flughafen entgegen nimmt: „Also dann, bis nächsten Sonntag.“ 20 Minuten später denke ich noch immer darüber nach und frage: „Warum hast du eigentlich vorhin zu dem Typen gesagt „bis Sonntag?““ Schnell stellt sich heraus, dass ich in meinem Funktionsmodus sogar überlesen habe, dass Super-Dad sogar 9 statt 7 Tage Urlaub gebucht hat.
Nicht, dass man sich als Frau darüber Gedanken machen müsste – man hat ja eh für 5 Jahreszeiten und 4 Wochen gepackt.

Angekommen, 27 Grad, frittierter Tintenfisch mit Aioli, später Erdbeerdaiquiri (spür‘ ich da grad Alkoholschmerz?), noch verliere ich beim Billard, aber ich habe auch lange nicht mehr gespielt – ja, ich erinnere mich, so fühlt sich gesund sein doch an, oder?

Auch wenn Horst mit mir an der Sangria nippt und Wellenhüpfen mit mir spielt -die sind wirklich arg hoch, so hoch, dass die gelbe Flagge gehisst ist. Trotzdem beginnt es, real zu werden, gesund zu sein; mit jedem Tag, den ich mich in der Sonne -natürlich eingecremt- erhole.

Der Tagesausflug nach Barcelona, in die Kirche La Sagrada Familia ist bedeutsam für mich. Natürlich haben viele während meiner Krankheit die Daumen für mich gedrückt, an mich gedacht, aber jemand hat für mich in dieser Kirche gebetet -vor Gott- und ich habe mich nun ordentlich vor ihm bedanken können. Gläubig bin ich nicht, aber seltsam plötzlich war meine Genesung schon. Vielleicht schicksalhaft und von dem Mann mit grauem Bart und weißer Kluft angeordnet?!

Bevor ich mich bedankt habe, habe ich ihm natürlich aber erstmal gesagt, wie wütend ich auf ihn bin. Ich habe den Grund für seine Prüfung nicht verstanden und fand es sehr gemein von ihm, mich zu wählen, aber ich habe sie gemeistert, die Aufgabe -in meinen Augen ohne ihn- aber nun ist er es mir in jedem Fall schuldig, mich und meine Beziehung, meine zu gründende Familie und meine bereits vorhandene Familie zu beschützen.

Wenn es ihn also gibt, dann weiß er, wie er es wieder gutmachen kann. Wenn nicht, habe ich zumindest die schönste Kirche der Europas gesehen und danach das Mango Shopping Paradies erkundet. Und so konnte ich doch einige Schnäppchen, einen gefüllten Tapasbauch, brennende Füße und Rückenschmerzen mit ins Hotelzimmer nehmen.

An das, was mich in Deutschland erwartet – Kälte, Arbeit, das „normale Leben“ – mag ich noch nicht denken. Nur an Schatzi, der mich vermisst, wie ich ihn. Und an Maronis Blick, wenn ich ihr sage, dass ich ihr, wie gewünscht, Muscheln mitgebracht habe, aber keine vom Strand, sondern welche, die ich gegessen habe. Hihi.

Lilli become famous – die Rheinische Post über mich

Routinemäßiger Emailcheck – „Artikel über Morbus Hodgkin“. „Über meine Seite gestolpert“. Ob sie „Teile aus meinem Blog verwenden“ darf? Ob ich mit ihr telefonieren würde?
Was’n hier los? Na logoooo!

Gesagt, getan. Aus „Teile verwenden“ und unserem 45 minütigem Interview wird ein 5-Seiten-Artikel in der Onlineversion der Rheinischen Post – über mich und meine Geschichte, über Lilli. Der Aufmacher der Gesundheitsrubrik. Schaut mal: http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/medizin/krebs/hodgkin-lymphom-krebs-mit-den-symptomen-einer-grippe-aid-1.5396421

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„normal“ Leben mit Horst

Mein „Ich 2.0“ ist nun schon 5 Tage alt und kann noch immer nicht glauben, dass es nun vorbei sein soll. Verändert hat sich schließlich nichts: Ich sitze noch immer zu Hause, habe noch immer hin und wieder Schmerzen im Brustbereich, auch wenn meine Haare ganz, ganz langsam nun vereinzelt wachsen, habe ich noch immer einen kahlen Kopf. Das Einzige, was sich wirklich verändert hat, sind die Worte, die Frau Dr. Ständig-Lächelnd zu mir gesagt hat.

Alle freuen sich für mich, dass ich jetzt wieder „normal“ leben kann. Aus deren Welt sieht es so aus, als könnte ich einfach an den 20. April anknüpfen und so tun, als wäre nie etwas gewesen. Wie gerne würde ich das.

Aber im Moment bin ich tatsächlich noch etwas überfordert, zu begreifen, was nun so unerwartet passiert ist und habe das Gefühl, dass das Leben da draußen alles andere als normal wird. Ich fühle mich genau wie vor 5 Monaten, als ich nicht wusste, was in der Chemotherapie auf mich zukommt, nur dass ich nun nicht weiß, wie ich mein Leben nun einfach wieder leben kann.

Und weil Lilli nun weg ist, hat es vor kurzem an meiner Tür geklopft. Da stand er, in seinem Adidas-Zweiteiler, mit Vokuhila und Goldkettchen. Hat gehört, dass was bei mir freigeworden ist, schiebt mich beiseite, obwohl ich mit aller Kraft versuche, ihn aufzuhalten. Aber es ist zu spät, er hat es sich schon gemütlich gemacht. Horst. Ich zanke mit ihm, will, dass er verschwindet. Das interessiert ihn jedoch herzlich wenig.

Horst winkt, wenn ich daran denke, bald wieder zu arbeiten. Und dann fängt er an, zu singen: „Stress bringt einen Rückfall, Stress bringt einen Rückfall!“ 
Und ich weiß schon jetzt, dass er alle 3 Monate, später alle 6 Monate, dann jährlich, immer wenn ich Kontrolltermine habe, auf meine Schultern springen und und sich ganz schwer machen wird. Vermutlich wird er dann sagen: „Es ist Zeit, Lilli zurückzuholen.“ Ich vermute, er ist gekommen, um mir Angst zu machen und mich aus dem Leben zurück reißen, dass ich mir bis dahin mühevoll wieder aufgebaut habe, oder vielmehr gar nicht zuzulassen, dass ich mir überhaupt etwas aufbaue.
Bei jedem Zwicken in meinem Körper wird er versuchen, mich zu umklammern und mit dem Edding in seiner Hand die Worte „Rezidiv“ und „Zweittumor“ überall auf meinen Körper zu schreiben.

Damit ich das verhindern kann, muss ich versuchen, mich mit ihm zu arrangieren. Ich muss ihn erziehen. Von mir aus kann er ja erstmal bleiben, wenn er denn lernt, sich zurückzuhalten; auch mal still in der Ecke zu sitzen und nicht immer dazwischen zu rufen. Vielleicht kann Schatzi auch versuchen, mal auf ihn einzureden und Frau Tzatziki hat sicher auch noch eine zündende Idee, wie ich zum schweigen bringe, ihn letztlich vielleicht sogar loswerden kann.

Bis dahin packe ich nun aber erstmal meine Koffer. Wenn Horst sich nicht so schwer machen würde, könnte ich die roten Pumps auch noch mitnehmen. Aber der Koffer zeigt schon 19 Kilo an und wir wissen wohl alle, dass mein Koffer nicht leichter wird, wenn ich erstmal in Barcelona ein paar Läden besucht habe. Freitag gehts endlich los.

Ende. Leben, Klappe die II. – Vollremission

Heute ist es soweit: it´s the Day of the Days! 11.09., auch bekannt als 9/11, schon mal kein gutes Omen. 7 Tage habe ich nach dem PET-Scan nun als Heulknäuel hinter mir und hier ist er also, mein Befund: Größenregredienz der bekannten thorakalen Lymphknotenkonglomerate, aktuell ohne Restvitalität.

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PET-Scan – finde ich nicht so „interessant“

Heute war es also so weit: Die Untersuchung, die darüber entscheiden wird, wie es weitergeht, steht an. Die mir hoffentlich sagt, dass Lilli zu großen Teilen tot ist. Meine Krankenkasse war so freundlich und hat mir eine PET-CT-Untersuchung, auch PET-Scan genannt, genehmigt. Da die PET (Positronen-Emissions-Tomographie) eine der teuersten Bildgebungsverfahren ist, ist das nicht selbstverständlich. Aber diesmal war das Glück auf meiner Seite.

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Kortison-Mops adieu! – High-Intensity Interval Training und Hula Hoop

4 Monate Chillen und Kortison inklusive Hungerattacken zahlt sich aus. Ich sag nur „Doppelkinn“, aber hallo! Jawohl, es hätte schlimmer kommen können als die 2,5 Kilo, die die Waage nun zu viel anzeigt; denn das ist bei einer Langzeittherapie von Kortison vergleichsweise noch recht wenig. Klar, bisschen Bewegung und weg sind sie, aber von nichts kommt eben nicht, was tun muss ich also schon. Außerdem bin ich unfit, was kein Wunder ist, aber dennoch ebenfalls schleunigst geändert werden muss. Außerdem hat Frau Dr. Ständig-Lächelnd die Pausetaste in meinem Leben gedrückt. Im Moment weiß ich also nicht, wie gut die Chemotherapie gelaufen ist, wie es weitergeht, warte auf meinen PET-Scan, die anderen Abschlussuntersuchungstermine und deren Auswertung. Warte darauf, wie es nun zeitlich wann weitergeht. Diese Ungewissheit macht mich verrückt, also muss ich was tun, um mich abzulenken. Mit Sport schlage ich also 3 mopsige Fliegen mit einer Klappe.

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10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte 10/10

10/10 Bachelor of Hodgkin – Die Motivationsliste, meine persönliche Fuck-you-Lilli-Liste für das „Danach“

Ich hab´ Frau Dr. Ständig-Lächelnd gefragt, ob ich mich irgendwie vorbereiten muss, ob ich irgendwas kaufen sollte oder könnte, vor der Chemotherapie. „Nein“ hat sie gesagt. Das ich nicht lache, keine Ahnung hat sie gehabt! Ich konnte 10 Artikel darüber schreiben, wie man es eben doch kann. Aber böse kann ich ihr nicht sein, ich hätte das Hodgkin Lymphom auch lieber nur im Studium angerissen, als es von morgens bis abends umfangreich zu studieren.

Ich habe heute also den „Bachelor of Hodgkin“ erreicht. Den erhält man nämlich mit erfolgreichem Vollenden des letzten Zyklus. Heute ist der Tag meiner letzten Blutkontrolle und alles ist gut. Noch ein bisschen geringe Leukos, aber das ist halb so wild und schaff´ ich auch ohne Transfusion. Doch, da bin ich stolz drauf. Gewollt hab´ ich den Titel zwar nicht, aber verdient hab´ ich ihn allemal. Ich mach´ auch gleich den Master auf dem Gebiet Bestrahlung hinterher, was soll´s, jetzt wo ich schon dabei bin. Bis hierher habe ich es jedoch nur geschafft, weil es Dinge gab, auf die ich mich gefreut habe: meine Motivationsliste oder auch die Fuck-you-Lilli-Liste.

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10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 9/10

9/10 Ich packe meine Tasche und nehme mit…

… mein Handy, ein gutes Buch, meine Tabletten, Kopfhörer, bisschen Geld, Kaubonbons und Salzstangen sowie den Taxitransportschein.
Und stelle fest: die Hälfte fehlt!

Abgesehen davon, dass ich „Port-unfreundlich“ gekleidet bin, ist mein Handy zunächst einmal nicht darauf vorbereitet auch ohne Empfang für ausreichend Unterhaltung zu sorgen. Internetempfang suche ich vergeblich. Manchmal erscheint das „E“, für die ganz langsame Verbindung, oben in der Leiste, aber auch nur wenn ich in Raum 2 auf dem Platz links am Fenster sitze. Meine Musikauswahl ist ohne Internetradio leider völlig überholt.
Nächstes Mal: ziehe ich mich also Port-zugänglich an und downloade zu Hause im WLAN meine Apps & Musik (z.B. Gehirnjogging, Sudoku, #Kreuzworträtsel, Offline Radio, Hörspiele)

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That´s it! Chemotherapie, der letzte Tag

Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt – das ist es wohl, was meinen letzten Chemotherapie-Tag am Besten beschreibt.

Ich denk so: „Hingehen, Port anstechen, Cocktail innerhalb von 50 Minuten reinlaufen lassen, Tavegil ausschlafen, gut fühlen und vor Freude heulen, dass alles vorbei ist.“

Es passiert Folgendes:

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