So sein wie Oma und Opa – die Veränderung der Beziehung in der Chemotherapie

Auf jeden Topf passt ein Deckel. Inzwischen gibt es aber Universaldeckel, die auf jeden Deckel passen und der zuvor genannte Spruch wird erweitert um: „aber vielleicht bin ich ja eine Auflaufform.“

Früher konnte man seine eigenen Bedürfnisse noch zurückstellen. Heute ist man als Frau nicht emanzipiert, als Mann ein Weichei, aus dem sicher keine Führungsperson werden kann, wenn man sich gegenüber der Partnerin auch mal zurücknimmt.

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10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 8/10

8/10 Langeweile in der Chemotherapie vs. Ablenkung und Eigeninitiative

Bei der ganzen Aufruhe und Hektik, die Lilli so im Gepäck hat, bin ich erstmal sogar froh, als Ruhe einkehrt; ich mich mit mir selbst beschäftigen kann. Die ersten Tage ist es sogar cool, ein wenig auf dem Sofa zu chillen. All die Filme zu gucken, die man das letzte Jahr verpasst hat und die Bücher in die Hand zu nehmen, die man zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, aber noch keine Zeit hatte, sie zu lesen. Und dann kommt die zweite Woche. Die über den Tag einhergehende soziale Isolation droht, mich zunehmend irre zu machen. Hinzu kommt die Unfähigkeit, so richtig aktiv zu sein. Jede Tätigkeit, die eine Ablenkung verschaffen könnte, ist verboten; im Sinne von erhöhter Ansteckungsgefahr, verbunden mit dem Tragen eines Mundschutzes oder zu anstrengend. Eine Aufgabe fehlt. Vielleicht ein bisschen von zu Hause arbeiten? Lucky-Grey würde sich freuen. Geht, aber die geistige Anstrengung kann man sich dann doch auch nur vorübergehend und an guten Tagen geben.

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Ich würd´ gern eben die Bestrahlung gegen einen Motivationskick tauschen. Hier ist die Quittung.

Woche 3 in Zyklus 4. Was das bedeutet, ist klar: Rucki-Zucki treffen mit Erdbeer-Mojito und Weinschorle, Zeit vertreiben oder besser: Geld ausgeben bei Ikea. Frikadellen hab´ ich für Fetti gemacht. Meine ersten und wie er sagt: die besten, die er je gegessen hat. Und wenn er das sagt, dann kann man wahrhaftig stolz sein. Was Essen angeht, denkt er nämlich er wär´ Christian Rach oder Jumbo, was die Portionen angeht. Und rote Pumps gekauft, für den Salsa-Schnupperkurs am Freitag mit Schatzi. Die Laukart und ihr Anhang kommen auch mit, das wird witzig. Heute hab´ ich außerdem Latte Frappé getrunken. Und Sonntag gehen wir in den Zoo. Fetti, Schatzi und ich. Verrückt, was man alles macht, wenn man zu viel Zeit im Leben hat. Sag ich noch zu euch: „Versucht nicht nachzuholen, was ihr die anderen Wochen denkt verpasst zu haben“, bin ich vermutlich die Königin darin, diesen Ratschlag zu überhören.

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Thrombozyten nasche ich nicht so gerne

Gestern hab´ ich mich noch zusammengerissen und nicht versucht die letzten 2 Wochen an einem Tag aufzuholen. Heute aber dann auf 14 cm Plateau-Sandalen, mit viel Schminke, gewaschenem Selbstwertgefühl (Perücke) und sogar Body-Glitzer-Spray. Erst für Frau Dr. Ständig-Lächelnd und die Schwestern, die das Blutbild machen, später für Frau Tzatziki und zu guter Letzt auch noch für die Pinots.

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Nun gehts mir schlecht. Na und?

Aktuelle Lieblingsposition? Beine auf dem Sofa, Oberkörper auf dem Fußboden! Der 4. Zyklus rüttelt außerdem ordentlich am Übelkeitsbaum. Nach dem Essen ist mir grundsätzlich schlecht, Hunger hab´ ich trotzdem. Kortison ist echt ein Teufelszeug. Knochen schmerzen, der Weg zur Toilette erinnert mich an den Marathon, den ich im Leben niemals laufen werde. Finger kribbeln, sind leicht taub. Kommt vom Oncovin (Vinchristin) am 8. Tag. Kann man absetzen, werd´ ich vielleicht. Herzrasen hab´ ich, vermutlich weil ich mich an die Lebensmitteleinschränkungen, die das Natulan mit sich bringt, nicht halte. Wenn es danach gehen würde, dürfte ich nämlich nichts mehr essen. Da soll mein Herzchen lieber ein bisschen höher hüpfen, als dass ich auf Fleisch, Fisch UND Käse verzichte. Nebenwirkungen hin oder her.

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Wenn die Angst vor´m Sterben kommt – Was-Wäre-Wenn-Karussell

„Ich werde sterben.“
Ich habe nicht danach gefragt und trotzdem redet der Mann neben mir einfach drauf los. Bis vor kurzem sah noch alles gut aus, man sprach von Remission, aber jetzt werde er sterben. Mit 47. 2 Kinder habe er und Leukämie. Er sei froh, dass er nun noch Zeit habe, alles mit den Steuern zu klären. Seine Frau wollte die Scheidung, aber nun würde sie bei ihm bleiben.

Welchen Krebs ich habe? Aha. Lymphdrüsenkrebs, da habe er auch schon viele oben auf Station gesehen. Die anderen 25 %. Die, bei denen die Chemotherapie nicht wirkt. Die sich mit Knochenmarktransplantationen auseinandersetzen müssen und mit dem Sterben. Die 25 % über die man nicht nachdenkt, weil alle sagen, dass Morbus Hodgkin so gut zu heilen ist. Weil alles nach Plan läuft und Lilli regredient ist. Weil man darüber nicht nachdenken sollte.

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REGREDIENT ! Stirb langsam 5.0

Achtung, wir erweitern mal wieder unser medizinisches Fachwissen: Lilli ist regredient! Grund zur Freude, denn das bedeutet rückgängig, sich rückbildend. Alles läuft, wie gewünscht, nach Plan. Gut so! Das erste Kontroll-MRT und -CT nach dem 2. Zyklus fallen gut aus. Wir bleiben übrigens auch in meinem Chemotherapiechema BEACOPP und wechseln nicht in das niedrig dosiertere ABVD, da ich mit Stadium 4, also dem höchsten, eingestiegen bin. Die nächste Kontrolle erfolgt nun erst 2 Wochen nach Abschluss des letzten Zyklus.

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Wir haben die Wahl, ein Leuchtmensch zu sein – Psychoonkologie

Ich brauche keinen Psychodoc. Danke, aber die sind für Leute, die kaputt sind. Und kaputt bin ich nicht. Ich halte auch nicht viel von denen. Vielleicht verständlich, wenn man bedenkt, dass ich während der Fibromyalgie ständig neu durchleuchtet wurde, weil man nicht wusste, was ich überhaupt hatte. Findet man nichts Physiologisches, ist´s wohl der Kopf, der einem Ärger macht. Also einfach noch ein psychologisches Gutachten erstellen, irgendeiner wird schon sagen: „Jap, die hat einen weg!“

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Mein besten Freunde und der Thrombozyten-Eklat

Ins Auto steigen, Intoxicated – das gute Laune Lied vom letzten Mal läuft. Gute Laune. Nachdem ich gestern morgen erst noch das Rundum-Sorgenpaket runtergespielt hatte, (ich fühl´ mich nicht hübsch, ich hab´ ein dickes Gesicht, mir ist schlecht, ich bin schlapp, mir ist schwindelig, ich mag nicht mehr, es wird sicher schlimmer im nächsten Zyklus) habe ich mich dann gedanklich an den Haaren ins Bad geschliffen und mir innere Stärke ins Gesicht gemalt, meinen Bikini angezogen und mich auf den Balkon gelegt. Später sind Schatzi und ich mit meinem Selbstwertgefühl spazieren gegangen und haben ein Eis gegessen, danach Dorade gegrillt und abends konnten wir sogar so spontan sein und mit den Nachbarn – die 3 Studentenjungs, die immer mit vollen Gläsern vor der Tür stehen, in einen Beachclub gehen. Sogar ´ne Weinschorle habe ich mir gegönnt.

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Wenn deine Freundin Krebs hat

Heilige Scheisse, was redet sie da? Krebs? Ist doch Quatsch! Sie ist 23! Sie hat sicher nicht zugehört. Ich weiß, sie kann dramatisch sein, aber das wär‘ dann auch für sie übertrieben. „Das hast du sicher falsch verstanden!“ Ok, das hätt‘ ich nicht sagen sollen. Ich dachte sie war heute beim Lungenarzt. Ich versteh das nicht. Hm, also „wir schaffen das mein Schatz, egal was passiert, wir schaffen alles!“ – so sagt man das doch, oder? Man ist auf diese Situation nunmal nicht vorbereitet. Ich dachte auch, dass man bei sowas gemeinsam beim Arzt sitzen würde und vor einem jemand sitzt, der einem mit mitleidigem Blick das Ausmaß und weiteres Vorgehen der Krankheit erklärt. So wie in Filmen halt. Und nicht, dass meine Freundin mich heulend mit dem Auto abholt, an der Seite ranfährt und mir erzählt, sie hätte Krebs. Ich habe keine Ahnung, was jetzt hilft, aber sie mag Pizza. Vielleicht hilft das ja.

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