Lasst die Spiele beginnen – 6. Zyklus BEACOPP (esk.)

Ey Hallo, kann mich mal jemand kneifen? Ich bin im falschen Film. Noch vor 4 Monaten war ich ein kleines Häufchen Elend, weil die Diagnose Morbus Hodgkin, Lilli, drohte, mein Leben einzunehmen. Heute bin ich aufgeregt und euphorisch, wie bei der Einschulung. Es ist soweit, die letzte Runde, der letzte, 6. Zyklus BEACOPP (esk.), beginnt. Ich kann wirklich kaum glauben, dass es nun schon soweit ist.

Die Schultüte fehlt, trotzdem bin ich aufgeregt, als ich in Zimmer 3 gerufen werde. Schwester Plapperschnute – yes, 6er im Lotto! Ich bin angespannt, zu Hause habe ich kurz gewürgt, (verzieh dich, Pawlow!) gestern noch ein bisschen geweint, aber Schatzi hat mich gekuschelt und dann war alles gut. Jetzt ist alles gut. Aber klar, eine Mischung aus Angst, vorm letzten Zyklus, der Übelkeit, der Ungewissheit über das „Danach“ und die Vorfreude, über das baldige Ende der ganzen Themen rund um Chemotherapie, paaren sich.

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Jammern auf hohem Niveau – Nebenwirkungen in der Chemotherapie

Jammermodus an. Es piekst. Wie Seitenstiche, nur höher. Direkt unter der Brust. Ist da das Herz? Vielleicht ist es die Lunge. Ich habe Wasser in Füßen. Mein Knöchel tut arg weh. Das Messer kann ich nicht mehr halten, meine Hände krampfen und brennen. Scheiß Vincristin. Nachts kann ich nicht schlafen, weil mein Herz unregelmäßig klopft. Rast und stolpert. Im Internet steht, Herzrasen und Wasser in den Füßen kann auf eine Lungenembolie hindeuten. Ich habe Faktor-5-Leiden und bin thrombosegefährdet. Mist. Meine Zähne tun weh. Und die Niere. Brennen beim Wasserlassen. Jammermodus aus.

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So sein wie Oma und Opa – die Veränderung der Beziehung in der Chemotherapie

Auf jeden Topf passt ein Deckel. Inzwischen gibt es aber Universaldeckel, die auf jeden Deckel passen und der zuvor genannte Spruch wird erweitert um: „aber vielleicht bin ich ja eine Auflaufform.“

Früher konnte man seine eigenen Bedürfnisse noch zurückstellen. Heute ist man als Frau nicht emanzipiert, als Mann ein Weichei, aus dem sicher keine Führungsperson werden kann, wenn man sich gegenüber der Partnerin auch mal zurücknimmt.

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10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 8/10

8/10 Langeweile in der Chemotherapie vs. Ablenkung und Eigeninitiative

Bei der ganzen Aufruhe und Hektik, die Lilli so im Gepäck hat, bin ich erstmal sogar froh, als Ruhe einkehrt; ich mich mit mir selbst beschäftigen kann. Die ersten Tage ist es sogar cool, ein wenig auf dem Sofa zu chillen. All die Filme zu gucken, die man das letzte Jahr verpasst hat und die Bücher in die Hand zu nehmen, die man zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, aber noch keine Zeit hatte, sie zu lesen. Und dann kommt die zweite Woche. Die über den Tag einhergehende soziale Isolation droht, mich zunehmend irre zu machen. Hinzu kommt die Unfähigkeit, so richtig aktiv zu sein. Jede Tätigkeit, die eine Ablenkung verschaffen könnte, ist verboten; im Sinne von erhöhter Ansteckungsgefahr, verbunden mit dem Tragen eines Mundschutzes oder zu anstrengend. Eine Aufgabe fehlt. Vielleicht ein bisschen von zu Hause arbeiten? Lucky-Grey würde sich freuen. Geht, aber die geistige Anstrengung kann man sich dann doch auch nur vorübergehend und an guten Tagen geben.

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Wer zu laut „mir geht’s gut“ ruft, würgt dämlich

Merke: Wenn es dir im 5. Zyklus gut geht, obwohl du was anderes erwartet hast, schrei es nicht heraus. Tu’s einfach nicht! Ärgert Lilli näHmlich ungemein, und weil ich so dämlich war, schreib ich zur Strafe sogar näHmlich mit „h“. Sozusagen als stilistisches Mittel, das „h“ als Metapher für Dämlichkeit.

Ab Tag 4 kam näHmlich die Wende. Ich Hohlkopf! Würgreiz steht jetzt auf dem Programm. Na so was Tolles aber auch. Herzlich Willkommen im Repertoire an „Catys persönlichen Nebenwirkungen in der Chemotherapie.“ Morgens nach dem Aufstehen, Abends nach dem Sushi oder einfach nur mal so für zwischendurch. (Immer noch bin ich übrigens der Auffassung, dass ich lieber von Sushi spucken würde, als drauf zu verzichten!) Meistens bleibt aber alles drin. Anscheinend habe ich ungeahnte Talente im „nicht spucken, trotz würgen.“ Yes! Wenn mal wieder nach meinen Stärken fragt: das is eine davon!

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Pawlow? Was will der denn jetzt?

Schon Tage zuvor war da der Gedanke an Montag, den 5. Zyklus. Der so schlimm werden wird, wie alle prophezeiten. Also übte ich mich mit Burger, Lieblingspizzeria, einem Besuch im Hamam mit Abschluss im Hooters inklusive Pina Colada in gewohnter Kompensationstechnik. Gut, ein kleines Tränenbad am Sonntag Morgen aus Angst blieb dennoch nicht aus, trotzdem fühlte ich mich gewappnet.

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10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte 7/10

7/10 krebstaugliche Wohnung

Ich hab´ mich nicht vorbereitet. Hat mir ja auch keiner gesagt. Da bin ich also im ersten Zyklus und, super (Ironie), stelle also fest, was alles fehlt.

Konnt´ ich doch nicht ahnen, dass man nun so doll schwitzt, dass man 2 Bettdecken und Kissen braucht. Nicht Bezüge, die braucht man auch, aber ich meine das richtige Bettzeug. Ist das erste nämlich so klitschnass als hätte man ´ne Flasche Wasser´drüber gekippt, muss ich es austauschen. Geht nicht anders, es ist zu nass um weiter drin zu schlafen und umdrehen hilft nicht, die Decke ist einfach durch. Als lege ich es zum Trocknen auf´s Sofa und nehme mir das frische. Gott sei Dank besitze ich überhaupt ein weiteres und auch einen guten Matratzenschoner, sonst müsste ich mir nach der Chemo sicher auch gleich eine neue Matratze kaufen.

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Ich würd´ gern eben die Bestrahlung gegen einen Motivationskick tauschen. Hier ist die Quittung.

Woche 3 in Zyklus 4. Was das bedeutet, ist klar: Rucki-Zucki treffen mit Erdbeer-Mojito und Weinschorle, Zeit vertreiben oder besser: Geld ausgeben bei Ikea. Frikadellen hab´ ich für Fetti gemacht. Meine ersten und wie er sagt: die besten, die er je gegessen hat. Und wenn er das sagt, dann kann man wahrhaftig stolz sein. Was Essen angeht, denkt er nämlich er wär´ Christian Rach oder Jumbo, was die Portionen angeht. Und rote Pumps gekauft, für den Salsa-Schnupperkurs am Freitag mit Schatzi. Die Laukart und ihr Anhang kommen auch mit, das wird witzig. Heute hab´ ich außerdem Latte Frappé getrunken. Und Sonntag gehen wir in den Zoo. Fetti, Schatzi und ich. Verrückt, was man alles macht, wenn man zu viel Zeit im Leben hat. Sag ich noch zu euch: „Versucht nicht nachzuholen, was ihr die anderen Wochen denkt verpasst zu haben“, bin ich vermutlich die Königin darin, diesen Ratschlag zu überhören.

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10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte 6/10

6/10 Küche vorbereiten – Ernährung in der Chemotherapie

Essen und Trinken sind in der Chemotherapie wichtiger denn je. Ich brauche nun Kraft und muss den Chemococktails und sonstigen Chemiebomben etwas entgegensetzen können. Weil ich häufig müde und kaputt sein werde, sind schnell zuzubereitende Mahlzeiten nun voll mein Ding. Darauf kann ich mich gut vorbereiten, super.

Auf die Verbote, an die ich mich halten könnte, wenn ich denn wollte, pfeiff´ ich übrigens. Im Vordergrund steht, dass ich mich wohl fühle. Wie soll das den ohne Fleisch, Fisch und Käse gehen?  Eben. Geht nicht. Also lass´ ich das und im Zweifel spuck´ ich dann auch gerne von einer fettigen Pizza, als 4 Monate auf sie zu verzichten.

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Thrombozyten nasche ich nicht so gerne

Gestern hab´ ich mich noch zusammengerissen und nicht versucht die letzten 2 Wochen an einem Tag aufzuholen. Heute aber dann auf 14 cm Plateau-Sandalen, mit viel Schminke, gewaschenem Selbstwertgefühl (Perücke) und sogar Body-Glitzer-Spray. Erst für Frau Dr. Ständig-Lächelnd und die Schwestern, die das Blutbild machen, später für Frau Tzatziki und zu guter Letzt auch noch für die Pinots.

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