„normal“ Leben mit Horst

Mein „Ich 2.0“ ist nun schon 5 Tage alt und kann noch immer nicht glauben, dass es nun vorbei sein soll. Verändert hat sich schließlich nichts: Ich sitze noch immer zu Hause, habe noch immer hin und wieder Schmerzen im Brustbereich, auch wenn meine Haare ganz, ganz langsam nun vereinzelt wachsen, habe ich noch immer einen kahlen Kopf. Das Einzige, was sich wirklich verändert hat, sind die Worte, die Frau Dr. Ständig-Lächelnd zu mir gesagt hat.

Alle freuen sich für mich, dass ich jetzt wieder „normal“ leben kann. Aus deren Welt sieht es so aus, als könnte ich einfach an den 20. April anknüpfen und so tun, als wäre nie etwas gewesen. Wie gerne würde ich das.

Aber im Moment bin ich tatsächlich noch etwas überfordert, zu begreifen, was nun so unerwartet passiert ist und habe das Gefühl, dass das Leben da draußen alles andere als normal wird. Ich fühle mich genau wie vor 5 Monaten, als ich nicht wusste, was in der Chemotherapie auf mich zukommt, nur dass ich nun nicht weiß, wie ich mein Leben nun einfach wieder leben kann.

Und weil Lilli nun weg ist, hat es vor kurzem an meiner Tür geklopft. Da stand er, in seinem Adidas-Zweiteiler, mit Vokuhila und Goldkettchen. Hat gehört, dass was bei mir freigeworden ist, schiebt mich beiseite, obwohl ich mit aller Kraft versuche, ihn aufzuhalten. Aber es ist zu spät, er hat es sich schon gemütlich gemacht. Horst. Ich zanke mit ihm, will, dass er verschwindet. Das interessiert ihn jedoch herzlich wenig.

Horst winkt, wenn ich daran denke, bald wieder zu arbeiten. Und dann fängt er an, zu singen: „Stress bringt einen Rückfall, Stress bringt einen Rückfall!“ 
Und ich weiß schon jetzt, dass er alle 3 Monate, später alle 6 Monate, dann jährlich, immer wenn ich Kontrolltermine habe, auf meine Schultern springen und und sich ganz schwer machen wird. Vermutlich wird er dann sagen: „Es ist Zeit, Lilli zurückzuholen.“ Ich vermute, er ist gekommen, um mir Angst zu machen und mich aus dem Leben zurück reißen, dass ich mir bis dahin mühevoll wieder aufgebaut habe, oder vielmehr gar nicht zuzulassen, dass ich mir überhaupt etwas aufbaue.
Bei jedem Zwicken in meinem Körper wird er versuchen, mich zu umklammern und mit dem Edding in seiner Hand die Worte „Rezidiv“ und „Zweittumor“ überall auf meinen Körper zu schreiben.

Damit ich das verhindern kann, muss ich versuchen, mich mit ihm zu arrangieren. Ich muss ihn erziehen. Von mir aus kann er ja erstmal bleiben, wenn er denn lernt, sich zurückzuhalten; auch mal still in der Ecke zu sitzen und nicht immer dazwischen zu rufen. Vielleicht kann Schatzi auch versuchen, mal auf ihn einzureden und Frau Tzatziki hat sicher auch noch eine zündende Idee, wie ich zum schweigen bringe, ihn letztlich vielleicht sogar loswerden kann.

Bis dahin packe ich nun aber erstmal meine Koffer. Wenn Horst sich nicht so schwer machen würde, könnte ich die roten Pumps auch noch mitnehmen. Aber der Koffer zeigt schon 19 Kilo an und wir wissen wohl alle, dass mein Koffer nicht leichter wird, wenn ich erstmal in Barcelona ein paar Läden besucht habe. Freitag gehts endlich los.

PET-Scan – finde ich nicht so „interessant“

Heute war es also so weit: Die Untersuchung, die darüber entscheiden wird, wie es weitergeht, steht an. Die mir hoffentlich sagt, dass Lilli zu großen Teilen tot ist. Meine Krankenkasse war so freundlich und hat mir eine PET-CT-Untersuchung, auch PET-Scan genannt, genehmigt. Da die PET (Positronen-Emissions-Tomographie) eine der teuersten Bildgebungsverfahren ist, ist das nicht selbstverständlich. Aber diesmal war das Glück auf meiner Seite.

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That´s it! Chemotherapie, der letzte Tag

Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt – das ist es wohl, was meinen letzten Chemotherapie-Tag am Besten beschreibt.

Ich denk so: „Hingehen, Port anstechen, Cocktail innerhalb von 50 Minuten reinlaufen lassen, Tavegil ausschlafen, gut fühlen und vor Freude heulen, dass alles vorbei ist.“

Es passiert Folgendes:

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Wir haben die Wahl, ein Leuchtmensch zu sein – Psychoonkologie

Ich brauche keinen Psychodoc. Danke, aber die sind für Leute, die kaputt sind. Und kaputt bin ich nicht. Ich halte auch nicht viel von denen. Vielleicht verständlich, wenn man bedenkt, dass ich während der Fibromyalgie ständig neu durchleuchtet wurde, weil man nicht wusste, was ich überhaupt hatte. Findet man nichts Physiologisches, ist´s wohl der Kopf, der einem Ärger macht. Also einfach noch ein psychologisches Gutachten erstellen, irgendeiner wird schon sagen: „Jap, die hat einen weg!“

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Mein besten Freunde und der Thrombozyten-Eklat

Ins Auto steigen, Intoxicated – das gute Laune Lied vom letzten Mal läuft. Gute Laune. Nachdem ich gestern morgen erst noch das Rundum-Sorgenpaket runtergespielt hatte, (ich fühl´ mich nicht hübsch, ich hab´ ein dickes Gesicht, mir ist schlecht, ich bin schlapp, mir ist schwindelig, ich mag nicht mehr, es wird sicher schlimmer im nächsten Zyklus) habe ich mich dann gedanklich an den Haaren ins Bad geschliffen und mir innere Stärke ins Gesicht gemalt, meinen Bikini angezogen und mich auf den Balkon gelegt. Später sind Schatzi und ich mit meinem Selbstwertgefühl spazieren gegangen und haben ein Eis gegessen, danach Dorade gegrillt und abends konnten wir sogar so spontan sein und mit den Nachbarn – die 3 Studentenjungs, die immer mit vollen Gläsern vor der Tür stehen, in einen Beachclub gehen. Sogar ´ne Weinschorle habe ich mir gegönnt.

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