Sonographie die 2. – Wo ist Dr. Hot?

2. Kontrolltermin. Den Gedanken, die Tigerunterwäsche als Glücksbringer zu tragen, verwerfe ich schnell, als mir in den Sinn kommt, dass Dr. Hot sich im Zweifel sogar daran erinnert, dass ich diese auch schon bei der letzten Untersuchung getragen habe.

Ich komme pünktlich, diese Mal mit leerem Magen. Alles läuft nach Plan. 5 Minuten warte ich auf´s Röntgen und werde danach direkt von einer Schwester abgefangen, die mich zur Sonographie bringt. Ich könnte mich schon mal oben frei machen und hinlegen, der Doc würde gleich kommen. Gesagt, getan. Als ich darüber nachdenke, dass es schon etwas komisch aussieht, aus dem Liegen hochzukommen, um Dr. Hot die Hand zu schütteln und von der entstandenen Bauchfalte abzulenken, öffnet sich die Tür: 50 graue Jahre lächeln mir hinter einem Vollbart entgegen, gefolgt von einer Ärztin in Spe, die damit beschäftigt ist, kompetent zu gucken. Falsche Tür Jungs, ich warte auf Dr. Hot.
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Weihnachtszeit. Zeit für Besinnlichkeit. Zeit für Flashbacks.

Letztes Jahr Weihnachtsmarkt mit den Girls, Raclettebrot und Glühwein. Dieses Jahr Weihnachtsmarkt mit den Girls, Raclettebrot und Glühwein. Gleicher Stand. Letztes Jahr mit Codeintropfen, Alkoholschmerz und starkem Husten. Dieses Jahr ohne.

Letztes Jahr Plätzchen backen bei mir mit den Pinots. Dieses Jahr Plätzchen backen bei mir mit den Pinots. Letztes Jahr Glühwein mit Schmerzmittel. Dieses Jahr neue Rezepte, Glühwein, ohne Schmerzen.

Letztes Jahr Weihnachtsfeier Restaurant & Club. Dieses Jahr anderes Restaurant, gleicher Club. Letztes Jahr mit Ibuprofen und Champagner, dieses Jahr ohne Ibuprofen, mit Champagner.

Letztes Jahr Husten, Schmerzmittel, Codeintropfen, egal in welcher Situation. Dieses Jahr Husten, Cetebe zum Aufbau meines Immunsystems und heißer Granatapfel. Letztes Jahr Morbus Hodgkin. Dieses Jahr grippaler Infekt.

Letztes Jahr Weihnachten. Unterm Baum materielle Geschenke. Dieses Jahr, materielle Geschenke unterm Baum, das größte Geschenk in mir: Gesundheit.

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Minutenabklatsch mit Horst. Wenn der Krebs erstmal weg ist.

Mein erster Gedanke nach dem „Genesungssatz“ von Frau Dr. Ständig-Lächelnd war: „Und nun?“ 
Wie es weitergehen und ich von heute auf morgen normal leben soll(te), war – ist mir noch immer – ein Rätsel. „Na super, dann ist ja alles wieder gut“ – könnte man denken. Es fühlt sich aber nicht so an. Der Pause-Knopf, den Lilli gedrückt hat, hält noch immer an.

Es fühlt sich an, als würde ich den ganzen Tag nichts machen. Nichts im Sinne von Einkaufen gehen, durch die Stadt bummeln, Rezepte nachkochen, ein Bild im Flur aufhängen, einen Zahnarzttermin wahrnehmen, Lucky Grey und die Pinots besuchen, mit Schatzi ins Outlet fahren und in die Sauna gehen. Das ist zwar mehr als nichts, bitte nicht falsch verstehen, aber effektiv fühlt es sich trotzdem nicht an. Ich fühle mich noch immer von Lilli gebremst. Unnütz. Dabei will ich nichts mehr, als endlich wieder Gas zu geben. Ich will etwas leisten – versteht man das?

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10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 8/10

8/10 Langeweile in der Chemotherapie vs. Ablenkung und Eigeninitiative

Bei der ganzen Aufruhe und Hektik, die Lilli so im Gepäck hat, bin ich erstmal sogar froh, als Ruhe einkehrt; ich mich mit mir selbst beschäftigen kann. Die ersten Tage ist es sogar cool, ein wenig auf dem Sofa zu chillen. All die Filme zu gucken, die man das letzte Jahr verpasst hat und die Bücher in die Hand zu nehmen, die man zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, aber noch keine Zeit hatte, sie zu lesen. Und dann kommt die zweite Woche. Die über den Tag einhergehende soziale Isolation droht, mich zunehmend irre zu machen. Hinzu kommt die Unfähigkeit, so richtig aktiv zu sein. Jede Tätigkeit, die eine Ablenkung verschaffen könnte, ist verboten; im Sinne von erhöhter Ansteckungsgefahr, verbunden mit dem Tragen eines Mundschutzes oder zu anstrengend. Eine Aufgabe fehlt. Vielleicht ein bisschen von zu Hause arbeiten? Lucky-Grey würde sich freuen. Geht, aber die geistige Anstrengung kann man sich dann doch auch nur vorübergehend und an guten Tagen geben.

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10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte 7/10

7/10 krebstaugliche Wohnung

Ich hab´ mich nicht vorbereitet. Hat mir ja auch keiner gesagt. Da bin ich also im ersten Zyklus und, super (Ironie), stelle also fest, was alles fehlt.

Konnt´ ich doch nicht ahnen, dass man nun so doll schwitzt, dass man 2 Bettdecken und Kissen braucht. Nicht Bezüge, die braucht man auch, aber ich meine das richtige Bettzeug. Ist das erste nämlich so klitschnass als hätte man ´ne Flasche Wasser´drüber gekippt, muss ich es austauschen. Geht nicht anders, es ist zu nass um weiter drin zu schlafen und umdrehen hilft nicht, die Decke ist einfach durch. Als lege ich es zum Trocknen auf´s Sofa und nehme mir das frische. Gott sei Dank besitze ich überhaupt ein weiteres und auch einen guten Matratzenschoner, sonst müsste ich mir nach der Chemo sicher auch gleich eine neue Matratze kaufen.

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10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 4/10

4/ 10 Notfallplan für alle Eventualitäten

Chemo wird Scheiße. Kontrollverlust, Mangel an Selbstwertgefühl, Was-wäre-wenn-Karrussel. Alles kommt, das steht fest. Aber weil es eben voraussehbar ist, kann man sich auch ebenso gut darauf vorbereiten.

Gegen KONTROLLVERLUST hilft neben dem Informieren und Fragen stellen vor allem das Planen. Meine erste Anschaffung ist also ein Kalender. Gut, ich hatte schon einen, aber wäre ich du, und du hättest keinen, dann wäre meine erste Anschaffung ein Kalender. Ich trage die relevanten Tage 1, 2, 3 und 8 Chemotherapie; 11, 15 Blutkontrolle; 21 letzter Tag ein. So weiß ich jederzeit, wo ich stehe. Wann die medikamentenfreie, also gute, Woche kommt. Kann Aktivitäten im Voraus planen und kenne das voraussichtliche Ende der Therapie – vorausgesetzt alles läuft nach Plan A, aber das nehme ich schließlich an.

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Wenn der Krebs sich „lohnt“ – Schminkkurs DKMS life

„Und wenn Sie Ihre Augenbrauen und Wimpern verlieren, wir haben hier auch einen Schminkkurs, der ist ganz toll sagen alle!“ Aha. Ehrlich gesagt, war ich in meiner ersten Sitzung vor der Chemotherapie mit Frau Dr. Ständig-Lächelnd wenig begeistert von der Idee neben den Kopfhaaren auch diese noch zu verlieren. Ich hatte mich akribisch auf diesen Tag vorbereitet. Eine lange Liste, voller Fragen, die sich aufgrund meiner Recherche im Internet ergaben. Ob meine Haare zwingend ausfallen werden, stand natürlich ganz oben. Wie es mit Wimpern und Augenbrauen aussieht gleich dahinter. Antwort: auch die fallen -bei den meisten Menschen- aus, in der Regel aber deutlich später als die Haare.

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Wenn deine Freundin Krebs hat

Heilige Scheisse, was redet sie da? Krebs? Ist doch Quatsch! Sie ist 23! Sie hat sicher nicht zugehört. Ich weiß, sie kann dramatisch sein, aber das wär‘ dann auch für sie übertrieben. „Das hast du sicher falsch verstanden!“ Ok, das hätt‘ ich nicht sagen sollen. Ich dachte sie war heute beim Lungenarzt. Ich versteh das nicht. Hm, also „wir schaffen das mein Schatz, egal was passiert, wir schaffen alles!“ – so sagt man das doch, oder? Man ist auf diese Situation nunmal nicht vorbereitet. Ich dachte auch, dass man bei sowas gemeinsam beim Arzt sitzen würde und vor einem jemand sitzt, der einem mit mitleidigem Blick das Ausmaß und weiteres Vorgehen der Krankheit erklärt. So wie in Filmen halt. Und nicht, dass meine Freundin mich heulend mit dem Auto abholt, an der Seite ranfährt und mir erzählt, sie hätte Krebs. Ich habe keine Ahnung, was jetzt hilft, aber sie mag Pizza. Vielleicht hilft das ja.

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Einmal Selbstwertgefühl to go, bitte!

„Herausforderungen geben dem Gestern Stärke und schenken dem Morgen neuen Mut“ – na da trifft der Sprüchekalender auf der Fensterbank in der Küche ja heute voll ins Schwarze. Vielen Dank liebe Profi-Golferin in Spe für dein tolles Geschenk.

11 mal Lachen also – Wie bekommt man das wohl hin? Perücke auf – erst dann in den Spiegel gucken. Gefällt mir, damit kann ich arbeiten. Heute ist auftakeln angesagt, ich will mich hübsch fühlen und weiblich. Also volles Programm: Schminken, Kleid anziehen, Parfum auflegen (nur auf die Kleidung, die Haut könnte überreagieren, außerdem soll es heute heiß werden), hohe Schuhe an, Schmuck anlegen. Jap, ich gefall´ mir – erstes Lächeln in den Spiegel.

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Haarmission die II. – Hulky & Schatzi und das IKEA-Schneidebrett

10 Tage nach der Chemotherapie habe ich also noch immer keinen gravierenden Haarausfall. Natürlich fasse ich mir schon seit einigen Tagen regelmäßig in die Haare, bin dann aber doch froh, dass es ganz gut hält. Die Freude über meine noch vorhandenen Haare kann Schatzi aber leider so gar nicht teilen, da er schon seit Tagen sehnsüchtig darauf wartet, mir die Haare kurz zu schneiden. Und als dann auch Hulky, Schatzis Bruder, der uns über die paar freien Tage besucht, die Augen bei dem Gedanken leuchten, mir JETZT die Haare zu schneiden, ist mein Widerstand also gebrochen.

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