Weihnachtszeit. Zeit für Besinnlichkeit. Zeit für Flashbacks.

Letztes Jahr Weihnachtsmarkt mit den Girls, Raclettebrot und Glühwein. Dieses Jahr Weihnachtsmarkt mit den Girls, Raclettebrot und Glühwein. Gleicher Stand. Letztes Jahr mit Codeintropfen, Alkoholschmerz und starkem Husten. Dieses Jahr ohne.

Letztes Jahr Plätzchen backen bei mir mit den Pinots. Dieses Jahr Plätzchen backen bei mir mit den Pinots. Letztes Jahr Glühwein mit Schmerzmittel. Dieses Jahr neue Rezepte, Glühwein, ohne Schmerzen.

Letztes Jahr Weihnachtsfeier Restaurant & Club. Dieses Jahr anderes Restaurant, gleicher Club. Letztes Jahr mit Ibuprofen und Champagner, dieses Jahr ohne Ibuprofen, mit Champagner.

Letztes Jahr Husten, Schmerzmittel, Codeintropfen, egal in welcher Situation. Dieses Jahr Husten, Cetebe zum Aufbau meines Immunsystems und heißer Granatapfel. Letztes Jahr Morbus Hodgkin. Dieses Jahr grippaler Infekt.

Letztes Jahr Weihnachten. Unterm Baum materielle Geschenke. Dieses Jahr, materielle Geschenke unterm Baum, das größte Geschenk in mir: Gesundheit.

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Minutenabklatsch mit Horst. Wenn der Krebs erstmal weg ist.

Mein erster Gedanke nach dem „Genesungssatz“ von Frau Dr. Ständig-Lächelnd war: „Und nun?“ 
Wie es weitergehen und ich von heute auf morgen normal leben soll(te), war – ist mir noch immer – ein Rätsel. „Na super, dann ist ja alles wieder gut“ – könnte man denken. Es fühlt sich aber nicht so an. Der Pause-Knopf, den Lilli gedrückt hat, hält noch immer an.

Es fühlt sich an, als würde ich den ganzen Tag nichts machen. Nichts im Sinne von Einkaufen gehen, durch die Stadt bummeln, Rezepte nachkochen, ein Bild im Flur aufhängen, einen Zahnarzttermin wahrnehmen, Lucky Grey und die Pinots besuchen, mit Schatzi ins Outlet fahren und in die Sauna gehen. Das ist zwar mehr als nichts, bitte nicht falsch verstehen, aber effektiv fühlt es sich trotzdem nicht an. Ich fühle mich noch immer von Lilli gebremst. Unnütz. Dabei will ich nichts mehr, als endlich wieder Gas zu geben. Ich will etwas leisten – versteht man das?

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Welcome back – Übelkeit nach Lillimassaker

Nicht nur ich bin also heil wieder aus dem Urlaub zurück, sondern auch meine Augenbrauen und Wimpern lächeln mich inzwischen wieder im Spiegel an. Nach nun 45 Tagen seit der letzten Chemotherapie zwar noch zaghaft, aber immerhin sind die Wimpern schon wieder unzähl- und tuschbar. Vermutlich M2 Lashes# sei Dank. (RevitaLash# ist übrigens günstiger und funktioniert ebenso gut) An meine langen Wimpern vor der Therapie können sie zwar noch nicht anknüpfen, aber hat ja grad erst angefangen. Meine Haare hingegen sind weiterhin einsame Gefährten, die sich bisher nur einzeln und eher flaumartig auf dem Kopf und auf den Beinen verirren.

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Lilli become famous – die Rheinische Post über mich

Routinemäßiger Emailcheck – „Artikel über Morbus Hodgkin“. „Über meine Seite gestolpert“. Ob sie „Teile aus meinem Blog verwenden“ darf? Ob ich mit ihr telefonieren würde?
Was’n hier los? Na logoooo!

Gesagt, getan. Aus „Teile verwenden“ und unserem 45 minütigem Interview wird ein 5-Seiten-Artikel in der Onlineversion der Rheinischen Post – über mich und meine Geschichte, über Lilli. Der Aufmacher der Gesundheitsrubrik. Schaut mal: http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/medizin/krebs/hodgkin-lymphom-krebs-mit-den-symptomen-einer-grippe-aid-1.5396421

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„normal“ Leben mit Horst

Mein „Ich 2.0“ ist nun schon 5 Tage alt und kann noch immer nicht glauben, dass es nun vorbei sein soll. Verändert hat sich schließlich nichts: Ich sitze noch immer zu Hause, habe noch immer hin und wieder Schmerzen im Brustbereich, auch wenn meine Haare ganz, ganz langsam nun vereinzelt wachsen, habe ich noch immer einen kahlen Kopf. Das Einzige, was sich wirklich verändert hat, sind die Worte, die Frau Dr. Ständig-Lächelnd zu mir gesagt hat.

Alle freuen sich für mich, dass ich jetzt wieder „normal“ leben kann. Aus deren Welt sieht es so aus, als könnte ich einfach an den 20. April anknüpfen und so tun, als wäre nie etwas gewesen. Wie gerne würde ich das.

Aber im Moment bin ich tatsächlich noch etwas überfordert, zu begreifen, was nun so unerwartet passiert ist und habe das Gefühl, dass das Leben da draußen alles andere als normal wird. Ich fühle mich genau wie vor 5 Monaten, als ich nicht wusste, was in der Chemotherapie auf mich zukommt, nur dass ich nun nicht weiß, wie ich mein Leben nun einfach wieder leben kann.

Und weil Lilli nun weg ist, hat es vor kurzem an meiner Tür geklopft. Da stand er, in seinem Adidas-Zweiteiler, mit Vokuhila und Goldkettchen. Hat gehört, dass was bei mir freigeworden ist, schiebt mich beiseite, obwohl ich mit aller Kraft versuche, ihn aufzuhalten. Aber es ist zu spät, er hat es sich schon gemütlich gemacht. Horst. Ich zanke mit ihm, will, dass er verschwindet. Das interessiert ihn jedoch herzlich wenig.

Horst winkt, wenn ich daran denke, bald wieder zu arbeiten. Und dann fängt er an, zu singen: „Stress bringt einen Rückfall, Stress bringt einen Rückfall!“ 
Und ich weiß schon jetzt, dass er alle 3 Monate, später alle 6 Monate, dann jährlich, immer wenn ich Kontrolltermine habe, auf meine Schultern springen und und sich ganz schwer machen wird. Vermutlich wird er dann sagen: „Es ist Zeit, Lilli zurückzuholen.“ Ich vermute, er ist gekommen, um mir Angst zu machen und mich aus dem Leben zurück reißen, dass ich mir bis dahin mühevoll wieder aufgebaut habe, oder vielmehr gar nicht zuzulassen, dass ich mir überhaupt etwas aufbaue.
Bei jedem Zwicken in meinem Körper wird er versuchen, mich zu umklammern und mit dem Edding in seiner Hand die Worte „Rezidiv“ und „Zweittumor“ überall auf meinen Körper zu schreiben.

Damit ich das verhindern kann, muss ich versuchen, mich mit ihm zu arrangieren. Ich muss ihn erziehen. Von mir aus kann er ja erstmal bleiben, wenn er denn lernt, sich zurückzuhalten; auch mal still in der Ecke zu sitzen und nicht immer dazwischen zu rufen. Vielleicht kann Schatzi auch versuchen, mal auf ihn einzureden und Frau Tzatziki hat sicher auch noch eine zündende Idee, wie ich zum schweigen bringe, ihn letztlich vielleicht sogar loswerden kann.

Bis dahin packe ich nun aber erstmal meine Koffer. Wenn Horst sich nicht so schwer machen würde, könnte ich die roten Pumps auch noch mitnehmen. Aber der Koffer zeigt schon 19 Kilo an und wir wissen wohl alle, dass mein Koffer nicht leichter wird, wenn ich erstmal in Barcelona ein paar Läden besucht habe. Freitag gehts endlich los.

PET-Scan – finde ich nicht so „interessant“

Heute war es also so weit: Die Untersuchung, die darüber entscheiden wird, wie es weitergeht, steht an. Die mir hoffentlich sagt, dass Lilli zu großen Teilen tot ist. Meine Krankenkasse war so freundlich und hat mir eine PET-CT-Untersuchung, auch PET-Scan genannt, genehmigt. Da die PET (Positronen-Emissions-Tomographie) eine der teuersten Bildgebungsverfahren ist, ist das nicht selbstverständlich. Aber diesmal war das Glück auf meiner Seite.

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10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 9/10

9/10 Ich packe meine Tasche und nehme mit…

… mein Handy, ein gutes Buch, meine Tabletten, Kopfhörer, bisschen Geld, Kaubonbons und Salzstangen sowie den Taxitransportschein.
Und stelle fest: die Hälfte fehlt!

Abgesehen davon, dass ich „Port-unfreundlich“ gekleidet bin, ist mein Handy zunächst einmal nicht darauf vorbereitet auch ohne Empfang für ausreichend Unterhaltung zu sorgen. Internetempfang suche ich vergeblich. Manchmal erscheint das „E“, für die ganz langsame Verbindung, oben in der Leiste, aber auch nur wenn ich in Raum 2 auf dem Platz links am Fenster sitze. Meine Musikauswahl ist ohne Internetradio leider völlig überholt.
Nächstes Mal: ziehe ich mich also Port-zugänglich an und downloade zu Hause im WLAN meine Apps & Musik (z.B. Gehirnjogging, Sudoku, #Kreuzworträtsel, Offline Radio, Hörspiele)

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That´s it! Chemotherapie, der letzte Tag

Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt – das ist es wohl, was meinen letzten Chemotherapie-Tag am Besten beschreibt.

Ich denk so: „Hingehen, Port anstechen, Cocktail innerhalb von 50 Minuten reinlaufen lassen, Tavegil ausschlafen, gut fühlen und vor Freude heulen, dass alles vorbei ist.“

Es passiert Folgendes:

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Lasst die Spiele beginnen – 6. Zyklus BEACOPP (esk.)

Ey Hallo, kann mich mal jemand kneifen? Ich bin im falschen Film. Noch vor 4 Monaten war ich ein kleines Häufchen Elend, weil die Diagnose Morbus Hodgkin, Lilli, drohte, mein Leben einzunehmen. Heute bin ich aufgeregt und euphorisch, wie bei der Einschulung. Es ist soweit, die letzte Runde, der letzte, 6. Zyklus BEACOPP (esk.), beginnt. Ich kann wirklich kaum glauben, dass es nun schon soweit ist.

Die Schultüte fehlt, trotzdem bin ich aufgeregt, als ich in Zimmer 3 gerufen werde. Schwester Plapperschnute – yes, 6er im Lotto! Ich bin angespannt, zu Hause habe ich kurz gewürgt, (verzieh dich, Pawlow!) gestern noch ein bisschen geweint, aber Schatzi hat mich gekuschelt und dann war alles gut. Jetzt ist alles gut. Aber klar, eine Mischung aus Angst, vorm letzten Zyklus, der Übelkeit, der Ungewissheit über das „Danach“ und die Vorfreude, über das baldige Ende der ganzen Themen rund um Chemotherapie, paaren sich.

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Jammern auf hohem Niveau – Nebenwirkungen in der Chemotherapie

Jammermodus an. Es piekst. Wie Seitenstiche, nur höher. Direkt unter der Brust. Ist da das Herz? Vielleicht ist es die Lunge. Ich habe Wasser in Füßen. Mein Knöchel tut arg weh. Das Messer kann ich nicht mehr halten, meine Hände krampfen und brennen. Scheiß Vincristin. Nachts kann ich nicht schlafen, weil mein Herz unregelmäßig klopft. Rast und stolpert. Im Internet steht, Herzrasen und Wasser in den Füßen kann auf eine Lungenembolie hindeuten. Ich habe Faktor-5-Leiden und bin thrombosegefährdet. Mist. Meine Zähne tun weh. Und die Niere. Brennen beim Wasserlassen. Jammermodus aus.

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