Pawlow? Was will der denn jetzt?

Schon Tage zuvor war da der Gedanke an Montag, den 5. Zyklus. Der so schlimm werden wird, wie alle prophezeiten. Also übte ich mich mit Burger, Lieblingspizzeria, einem Besuch im Hamam mit Abschluss im Hooters inklusive Pina Colada in gewohnter Kompensationstechnik. Gut, ein kleines Tränenbad am Sonntag Morgen aus Angst blieb dennoch nicht aus, trotzdem fühlte ich mich gewappnet.

Read more Pawlow? Was will der denn jetzt?

Ich würd´ gern eben die Bestrahlung gegen einen Motivationskick tauschen. Hier ist die Quittung.

Woche 3 in Zyklus 4. Was das bedeutet, ist klar: Rucki-Zucki treffen mit Erdbeer-Mojito und Weinschorle, Zeit vertreiben oder besser: Geld ausgeben bei Ikea. Frikadellen hab´ ich für Fetti gemacht. Meine ersten und wie er sagt: die besten, die er je gegessen hat. Und wenn er das sagt, dann kann man wahrhaftig stolz sein. Was Essen angeht, denkt er nämlich er wär´ Christian Rach oder Jumbo, was die Portionen angeht. Und rote Pumps gekauft, für den Salsa-Schnupperkurs am Freitag mit Schatzi. Die Laukart und ihr Anhang kommen auch mit, das wird witzig. Heute hab´ ich außerdem Latte Frappé getrunken. Und Sonntag gehen wir in den Zoo. Fetti, Schatzi und ich. Verrückt, was man alles macht, wenn man zu viel Zeit im Leben hat. Sag ich noch zu euch: „Versucht nicht nachzuholen, was ihr die anderen Wochen denkt verpasst zu haben“, bin ich vermutlich die Königin darin, diesen Ratschlag zu überhören.

Read more Ich würd´ gern eben die Bestrahlung gegen einen Motivationskick tauschen. Hier ist die Quittung.

10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 5/10

5/10 Abschiedsparty schmeißen

Oh, gewiss ist mir erstmal nicht nach Party zumute, als ich die Diagnose Morbus Hodgkin erhalte. Hätte mir jemand gesagt: „Und jetzt schmeißt du erstmal ´ne Party“, alter Schwede, dem hätte ich aber ´n Vogel gezeigt! Als wenn ich jetzt nichts Besseres zu tun hätte?!

Read more 10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 5/10

10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 4/10

4/ 10 Notfallplan für alle Eventualitäten

Chemo wird Scheiße. Kontrollverlust, Mangel an Selbstwertgefühl, Was-wäre-wenn-Karrussel. Alles kommt, das steht fest. Aber weil es eben voraussehbar ist, kann man sich auch ebenso gut darauf vorbereiten.

Gegen KONTROLLVERLUST hilft neben dem Informieren und Fragen stellen vor allem das Planen. Meine erste Anschaffung ist also ein Kalender. Gut, ich hatte schon einen, aber wäre ich du, und du hättest keinen, dann wäre meine erste Anschaffung ein Kalender. Ich trage die relevanten Tage 1, 2, 3 und 8 Chemotherapie; 11, 15 Blutkontrolle; 21 letzter Tag ein. So weiß ich jederzeit, wo ich stehe. Wann die medikamentenfreie, also gute, Woche kommt. Kann Aktivitäten im Voraus planen und kenne das voraussichtliche Ende der Therapie – vorausgesetzt alles läuft nach Plan A, aber das nehme ich schließlich an.

Read more 10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 4/10

10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 3/10

3/ 10 Fragenkatalog

„Haben Sie noch Fragen?“ – „Ähm, nein, danke.“ 
Wie das immer so ist, Hauptsache schnell raus da. Und schon fallen einem gleich 3 ein, die einem in der Nacht noch den Schlaf geraubt haben.
Das geht mir ja schon beim Hausarzt so. Wenn man dann mal da ist, dann hätte man doch am Liebsten gleich auch noch dran gedacht zu fragen, ob er nicht ganz kurz nur einmal einen Blick auf die Nagelhaut oder den einen Leberfleck werfen kann. Aber ist man erstmal im Behandlungsraum, ist man auch schon wieder draußen. Und jetzt habe ich Krebs, das bringt ja irgendwie viel mehr Verantwortung mit sich. Natürlich hab´ ich da Fragen – muss man doch irgendwie, weil es ja schon auch ´ne große Sache ist, oder? Diesmal soll es also nicht so laufen, wie sonst.

Read more 10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 3/10

10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 2/10

2/ 10 Googeln und stark sein

Weiß ich wie Morbus Hodgkin entsteht. Woher der Name kommt? Ist mir völlig Banane! Wenn Forscher seit Jahrzehnten nicht mal den Alkoholschmerz erklären können, die Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken bei 0,1 %, und die daran zu sterben bei <0,1 % liegt, dann hilft mir das kein bisschen weiter. Heilungsrate 75 %. Na und? Wer rechnen kann, merkt schnell: es gibt noch 25 % auf der anderen Seite!

Read more 10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 2/10

10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 1/10

Nicht, dass ich behaupten will, dass ich voll die Ahnung davon habe, was zu tun ist. Aber eines weiß ich ganz sicher: die Ablenkung, die meine Lilli-Liste mit sich bringt, ist es allein wert, sie zu lesen und im Zweifel hilft sie dann auch tatsächlich noch weiter. Ich bin planerisch veranlagt, liebe es, Partys zu organisieren; auch beruflich gehe ich möglichst strukturiert vor. Lucky-Grey würde jetzt sicher lachen, denn mein Schreibtisch ist derjenige, der Chaos suggeriert. Schon während meiner Ausbildung war die fehlende Ordnung an meinem Arbeitsplatz einer der wenigen Kritikpunkte – ich wollte daran arbeiten, wirklich, aber dahinter steckt ein ausgetüfteltes System. Ganz sicher. Irgendeins halt. Fragt jetzt nicht welches. Das lenkt vom Thema ab.

Chemotherapie also. Tausend Dinge, die auf einen einprasseln, Millionen Fragen, die sich ergeben und es scheint niemanden zu geben, der einen dort abholen kann, keinen Leitfaden, wie vorzugehen ist. Das versetzte mich in Panik.

Read more 10 Dinge, die man vor der Chemotherapie erledigen sollte – 1/10

Wir haben die Wahl, ein Leuchtmensch zu sein – Psychoonkologie

Ich brauche keinen Psychodoc. Danke, aber die sind für Leute, die kaputt sind. Und kaputt bin ich nicht. Ich halte auch nicht viel von denen. Vielleicht verständlich, wenn man bedenkt, dass ich während der Fibromyalgie ständig neu durchleuchtet wurde, weil man nicht wusste, was ich überhaupt hatte. Findet man nichts Physiologisches, ist´s wohl der Kopf, der einem Ärger macht. Also einfach noch ein psychologisches Gutachten erstellen, irgendeiner wird schon sagen: „Jap, die hat einen weg!“

Read more Wir haben die Wahl, ein Leuchtmensch zu sein – Psychoonkologie

Mein besten Freunde und der Thrombozyten-Eklat

Ins Auto steigen, Intoxicated – das gute Laune Lied vom letzten Mal läuft. Gute Laune. Nachdem ich gestern morgen erst noch das Rundum-Sorgenpaket runtergespielt hatte, (ich fühl´ mich nicht hübsch, ich hab´ ein dickes Gesicht, mir ist schlecht, ich bin schlapp, mir ist schwindelig, ich mag nicht mehr, es wird sicher schlimmer im nächsten Zyklus) habe ich mich dann gedanklich an den Haaren ins Bad geschliffen und mir innere Stärke ins Gesicht gemalt, meinen Bikini angezogen und mich auf den Balkon gelegt. Später sind Schatzi und ich mit meinem Selbstwertgefühl spazieren gegangen und haben ein Eis gegessen, danach Dorade gegrillt und abends konnten wir sogar so spontan sein und mit den Nachbarn – die 3 Studentenjungs, die immer mit vollen Gläsern vor der Tür stehen, in einen Beachclub gehen. Sogar ´ne Weinschorle habe ich mir gegönnt.

Read more Mein besten Freunde und der Thrombozyten-Eklat

Wenn deine Freundin Krebs hat

Heilige Scheisse, was redet sie da? Krebs? Ist doch Quatsch! Sie ist 23! Sie hat sicher nicht zugehört. Ich weiß, sie kann dramatisch sein, aber das wär‘ dann auch für sie übertrieben. „Das hast du sicher falsch verstanden!“ Ok, das hätt‘ ich nicht sagen sollen. Ich dachte sie war heute beim Lungenarzt. Ich versteh das nicht. Hm, also „wir schaffen das mein Schatz, egal was passiert, wir schaffen alles!“ – so sagt man das doch, oder? Man ist auf diese Situation nunmal nicht vorbereitet. Ich dachte auch, dass man bei sowas gemeinsam beim Arzt sitzen würde und vor einem jemand sitzt, der einem mit mitleidigem Blick das Ausmaß und weiteres Vorgehen der Krankheit erklärt. So wie in Filmen halt. Und nicht, dass meine Freundin mich heulend mit dem Auto abholt, an der Seite ranfährt und mir erzählt, sie hätte Krebs. Ich habe keine Ahnung, was jetzt hilft, aber sie mag Pizza. Vielleicht hilft das ja.

Read more Wenn deine Freundin Krebs hat